In Frankreich wegen Zuhälterei vor Gericht, in den USA wegen angeblicher Vergewaltigung.

Paris - Wegen angeblicher Vergewaltigung eines New Yorker Zimmermädchens muss sich Dominique Strauss-Kahn von diesem Mittwoch an vor einem Zivilgericht in der Bronx verantworten. Ein Strafverfahren am Supreme Court in Manhattan war dem 62-jährigen Franzosen wegen Zweifeln an den Aussagen der Frau erspart geblieben. Derweil eröffnete die französische Justiz am Montagabend ein Anklageverfahren gegen den früheren IWF-Chef. Hintergrund ist die sogenannte Callgirl-Affäre von Lille. Dem ehemalige Spitzenpolitiker wird dabei Beteiligung an bandenmäßiger Zuhälterei vorgeworfen.

Am Montag war er in Lille wegen des Besuchs illegaler Sex-Partys erneut vernommen worden. Im Kern ging es den Ermittlungsrichtern dabei um die Frage, ob sich Strauss-Kahn die Teilnahme bezahlter Frauen bewusst war - er hätte sich damit nach Ansicht der Justiz der Unterstützung der Prostitution schuldig gemacht. Strauss-Kahn bestreitet seine Teilnahme an den Partys nicht, ging aber nach eigenen Angaben von freizügigen „libertinären“ Treffen mit Gleichgesinnten aus.

Strauss-Kahn wurde gegen eine Kaution von 100.000 Euro auf freien Fuß gesetzt

Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) war am späten Montagabend unter Auflagen gegen eine Kaution von 100.000 Euro auf freien Fuß gesetzt worden. Er darf keinen Kontakt mit anderen Verdächtigen aufnehmen. Sein Rechtsbeistand kündigte nach Informationen des TV-Nachrichtensenders BFM Berufung gegen die Entscheidung an. Anwalt Richard Malka betonte unmittelbar nach Eröffnung des Verfahrens, sein Mandant bestreite die ihm zur Last gelegten Taten entschieden. „Herr Strauss-Kahn befindet sich hier zu einem großen Teil wegen seiner Bekanntheit, er wurde auf einen Scheiterhaufen gestoßen“, sagte der Anwalt.

Zudem muss sich Strauss-Kahn am Mittwoch in New York vor einem Zivilgericht verantworten. Nach den Vergewaltigungsvorwürfen eines Zimmermädchens hatte er im vergangenen Jahr nicht nur den IWF-Chefposten, sondern auch seine Hoffnungen auf die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten aufgeben müssen. Die US-Justiz stellte das strafrechtliche Verfahren zwar wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau ein, eine zivilrechtliche Klage ist aber noch anhängig.

Anwälte wollen auch den Zivilprozess verhindern

Nun wollen seine Anwälte auch den Zivilprozess verhindern, wie das Büro des Gegenanwaltes Kenneth Thompson bestätigte. Thompson selbst war nicht zu sprechen. Demnach berufen sich Strauss-Kahns Rechtsvertreter auf die diplomatische Immunität, die der damalige IWF-Chef noch genossen habe.

Eine Sprecherin von Strauss-Kahns Hauptanwalt William Taylor III in Washington bestätigte der Nachrichtenagentur dpa lediglich, dass Taylor seinen Mandanten am Mittwoch in der Kammer von Richter Douglas McKeon am Supreme Court der Bronx vertreten werde. Das Zimmermädchen Nafissatou Diallo wirft dem Franzosen vor, sie im Mai 2011 in einem Luxushotel am Times Square überfallen und zum Oralsex gezwungen zu haben.

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