Selfie gefällig? Daniel Elfadli (Mi.) in der Menge der HSV-Fans nach der Rückkehr in die Bundesliga. Foto: IMAGO/Oliver Ruhnke

Der gebürtige Leonberger ist mit dem Hamburger SV in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen und hat die Feiern genossen. Der 28-Jährige freut sich auf das Duell mit dem VfB Stuttgart.

Die Fußball-Karriere des Daniel Elfadli gleicht einem Märchen, das im durchorganisierten Profifußballbetrieb mit seinen Scoutingabteilungen und Vereins-Jugendinternaten eigentlich nicht möglich scheint.

 

Vor neun Jahren spielte der gebürtige Leonberger mit der SKV Rutesheim in der Landesliga gegen die Spvgg 07 Ludwigsburg, Victoria Backnang und den VfL Brackenheim. Von August an trifft der 28-Jährige mit dem Hamburger SV auf Borussia Dortmund, Bayern München und den VfB Stuttgart. „Es ist surreal und kaum greifbar, was in letzter Zeit abgelaufen ist“, kann Daniel Elfadli seinen Aufstieg zum Bundesliga-Profi immer noch nicht ganz fassen.

Durchaus zugetraut hat ihm diese Karriere Marius Epple, der Marketing-Chef der SKV Rutesheim. „Daniel war schon in jungen Jahren extrem fleißig und hat alles in den Fußball investiert. Das war der Schlüssel für seinen Aufstieg“, weiß er noch gut. Im Rekordtempo hat sich der 28-Jährige Jahr für Jahr weiterentwickelt und landete nach Stationen in der Oberliga beim SSV Reutlingen (2018 bis 2020) und beim FC Nöttingen (2020/21) sowie in der Regionalliga beim VfR Aalen (2021/22) im Jahr 2022 beim damaligen Zweitligaaufsteiger 1. FC Magdeburg im bezahlten Fußball.

Gegen den SSV Ulm 1846 erzielte Daniel Elfadli (2. v. li.) das Tor zum 6:1-Entstand für die Hamburger. Foto: IMAGO/Oliver Ruhnke

Nach zwei beschaulichen Spielzeiten beim einzigen Club aus der ehemaligen DDR, der jemals einen Europacup gewann, wechselte er 2024 zum Hamburger SV. Es hätte bessere Momente für ein Engagement beim ehemaligen Bundesliga-Dino gegeben, der 2018 nach 55 Jahren als letztes Bundesliga-Gründungsmitglied den Gang in die Zweitklassigkeit hatte antreten müssen.

Sechs Mal hatte der HSV den Wiederaufstieg in den vergangenen Jahren verpasst gehabt, darunter zweimal in der Relegation auf geradezu tragische Weise. Vor dem siebten Zweitliga-Jahr waren die Rothosen nunmehr der Dino in der Zweiten Liga und durch den Aufstieg des FC St. Pauli in die Bundesliga sogar im innerstädtischen Ranking in der Hansestadt auf Rang zwei zurückgefallen.

Daniel Elfadli (li.) im Gespräch mit HSV-Trainer Lukasz Poreba. Foto: IMAGO/Hanno Bode

Nach Rang drei in der Winterpause übernahm der HSV am ersten Rückrundenspieltag mit einem 1:0 gegen den 1. FC Köln die Spitze und blieb stets unter den Top Drei – auch als sich die Mannschaft im April die obligatorische Krise mit nur einem Zähler aus drei Spielen nahm. „Da hat medial wieder der Baum gebrannt“, erinnert sich Daniel Elfadli. Doch da sich im fast die Hälfte der Liga umfassenden Verfolgerfeld viele Teams gegenseitig Punkte abnahmen, hielt der HSV stets den Kontakt zu den Aufstiegsrängen.

Wahnsinn inmitten der Fans

Die Kehrtwende kam mit dem 4:0-Auswärtssieg am drittletzten Spieltag beim SV Darmstadt 98, fix gemacht wurde der Aufstieg eine Woche später mit einem 6:1 gegen den SSV Ulm, bei dem Elfadli mit dem sechsten Treffer (86.) den Schlusspunkt setzte. „Es war Wahnsinn, was da abgegangen ist. Die Fans standen teilweise schon an der Seitenlinie, und nach dem Abpfiff gab es einen Platzsturm“, erinnert sich Daniel Elfadli. Ein paar Minuten ließ der 28-Jährige die Liebesbekundungen der Fans über sich ergehen, ehe Ordner die Fans von den Spielern wieder trennten.

Daniel Elfadli (li.) 2018 im Trikot der SKV Rutesheim im Spiel gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen Foto: Pressefoto Baumann

„Einige hatten gefühlt acht Promille und wollten einfach nicht mehr los lassen“, erzählt der 28-Jährige. Er habe gespürt, welche Last von den HSV-Fans nach all den Jahren abgefallen sei. „Da hat der Verein einfach zu lange darauf gewartet“, sagt Elfadli.

Eine Woche später wurden die Spieler gefeiert. Sie zeigten sich auf dem Rathausbalkon und wurden anschließend in Event-Trucks vor 120 000 Fans stundenlang um die Binnenalster chauffiert. „Das war Gänsehaut pur, die ganze Stadt hat gebrannt“, erzählt der 28-Jährige, dem mit seinen Mannschaftskollegen erst in diesen Augenblicken klar wurde, welche historische Leistung sie vollbracht hatten. „Der HSV ist ja als Bundesliga-Gründungsmitglied noch nie aufgestiegen“, erläutert er.

Trauer über verpasste Meisterschaft

Gern hätte er mit seinem Team auch noch die Meisterschale in Empfang genommen, doch die Spannung war am letzten Spieltag raus, sodass der 1. FC Köln mit einem Sieg noch am HSV (2:3 bei Greuther Fürth) vorbeizog. „Einen Moment lang waren wir etwas traurig, aber zwei Tage später war alles vergessen“, sagt Daniel Elfadli.

Obwohl der 28-Jährige Neuling im HSV-Team war, rutschte er schnell in den Kreis der Führungsspieler, die sich oft auch nach dem Training zusammensetzten und überlegten, wie das Team noch besser zu machen sei. „Dadurch haben wir das Level immer hochgehalten, das hat uns in der Vorbereitung auf die Spiele viel genutzt“, betont der Ex-Rutesheimer. Auch in der kommenden Saison ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen. „Die Bundesliga wird schwer für uns, das ist eine echte Herausforderung“, glaubt Daniel Elfadli. Aber solche Herausforderungen sind ja nichts Neues für ihn.