Kurzer Gruß für seine Follower: Wladimir Klitschko meldet sich von der Digital X in Stuttgart in den sozialen Netzwerken. Foto:  

Box-Legende Wladimir Klitschko hat in den Stuttgarter Wagenhallen erklärt, woher er seine Motivation bezieht und mit welcher Methode er den deutschen Mittelstand digitalisieren möchte.

Stuttgart - Wladimir Klitschko überlegt nur kurz. „Ich bin kein Geschäftsmann“, antwortet er auf die Frage, wie es mit den Geschäften nach dem Ende der Box-Karriere laufe. „Ich bin ein Challenge Master“. Und was das in drei Worten bedeute? „Kompromissloser, multidimensionaler Egoist“, schiebt er in Sekundenbruchteilen hinterher, und sagt zu den spontanen Lachern im Raum: „Das meine ich ernst.“

Wladimir Klitschko ist am Dienstagnachmittag zur „Digital X“ in den Stuttgarter Wagenhallen gekommen, eine bundesweite Veranstaltungsreihe, mit der die Deutsche Telekom vor allem Mittelständlern mehr Lust auf das Thema Digitalisierung und vielleicht auch auf den einen oder anderen Geschäftsabschluss machen möchte. Klitschko hat sich in der Kooperation mit der Telekom vom Aushängeschild zum Geschäftspartner entwickelt und macht doch im Gespräch mit unserer Zeitung klar: Konkret über die eigenen Geschäfte redet er nicht gerne. Mitarbeiterzahlen? Fehlanzeige.

Faible für Abkürzungen

Dafür hat der 43-jährige Ukrainer, den viele wegen seiner Popularität hierzulande auch für einen Deutschen halten, ein Faible für die Bedeutung von Abkürzungen mitgebracht. Vielleicht hat es auch mit seiner Zeit zu tun, als er sich Schwergewichts-Weltmeister nach Version des WBO, WBA, IBF und IBO nennen durfte. KME könnte für den „kompromisslosen, multidimensionalen Egoisten“ stehen. „Da ist nichts Negatives dabei“, sagt Klitschko. „Jeder Kompromiss kostet Zeit, und das Ego ist die treibende Kraft jedes Sportlers oder Top-Managers.“ Außerdem gebe es in der Welt mehr als nur Schwarz und Weiß. Dazu gehört wohl auch, dass Klitschko gewisse Gemütszustände positiver sieht als der Allgemeinbürger. „Angst ist ein Vorteil, Angst motiviert“, sagt er, Feigheit und Narzissmus dagegen sehe er negativ. Ist er also ein Egoist, der gerne Angst hat? „Ja“, sagt er, „so habe ich 27 Jahre meinen Sport gemacht.“

Mit einem letzten Kampf im April 2017, den im Londoner Wembley-Stadion 90 000 Zuschauer verfolgten, hat Klitschko seine Karriere beendet. Schon zuvor hat er für die Zeit nach dem Boxring vorausgeplant und im Jahr 2016 den Weiterbildungsstudiengang „Change and Innovation Management“ an der Universität St. Gallen (Schweiz) ins Leben gerufen. Nach dem Besuch von vier Modulen im Umfang von 17 Tagen und 14 950 Euro Einsatz können die Teilnehmer ein Zertifikat nach Hause nehmen, teilt die Uni mit. Den Studiengang betrachte Klitschko „als Herzenssache“.

Mit F.A.C.E. zum Erfolg

Das bestätigt der Hüne gerne. Mehrere Male pro Kurs schaue er auch persönlich vorbei, auch um den Teilnehmern zu vermitteln, was er als das Erfolgsgeheimnis seiner Karriere bezeichnet: „F.A.C.E.“ ist derzeit wohl Klitschkos Lieblingsabkürzung und steht für die vier Säulen „Focus“, „Agility“, „Coordination“ und „Endurance“ – also Fokus, Agilität, Koordination und Ausdauer. Die Methode sollen auch Führungskräfte nutzen, um Unternehmen für eine digitale Zukunft umzugestalten. „Die Methode passt 1:1 zur digitalen Transformation“, wirft Thomas Spreitzer von der Telekom ins Gespräch mit ein. „Jedes zweite Digitalisierungsprojekt scheitert daran, dass die Mitarbeiter nicht mitgenommen werden und der Fokus nicht funktioniert.“ Mit der Methode lernten die Unternehmer, sich selbst zu hinterfragen und sich neu zu erfinden.

Das erklärt auch, weshalb die Telekom und Klitschko kooperieren, und es erklärt, weshalb Klitschko die Methode auch für weitere Workshops zertifizieren lässt. Auch Unternehmen wie SAP und Porsche würden sie nutzen. Und Klitschko geht noch einen Schritt weiter: Die Methode könne gar helfen, in Deutschland die mittelständischen Unternehmen besser zu digitalisieren.

Schon als Kind geschäftstüchtig

Das klingt dann auch für einen „kompromisslosen, multidimensionalen Egoisten“ ziemlich geschäftstüchtig. Und auch eine Episode aus seiner Kindheit verweist darauf, dass zu Klitschkos Talenten das Business zählt. Als Zwölfjähriger habe er Filmbilder von Arnold Schwarzenegger aus einem Magazin fotografiert, entwickelt und verkauft, erzählt er. „Schwarzweiß für fünf Kopeken, in Farbe für zehn.“ Als er die Geschichte später einmal seinem Freund Arnold erzählt habe, habe dieser gesagt: „Und wo ist mein Anteil?“

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