Das mittelalterliche Spektakel in Bietigheim-Bissingen ist umgezogen – mit Erfolg: Tausende Besucher strömen zur neuen Location am Möbelhaus Hofmeister.
Die Gestalten, die da am Wochenende rund um das Möbelhaus Hofmeister in Bietigheim unterwegs waren, sehen aus wie aus einer anderen Welt. Sie tragen Gewänder, Felle, Häubchen, Rüstungen, Helme... Und gewissermaßen sind sie das ja: aus einer anderen Welt. Denn es ist Mittelaltermarkt. Tausende feierten drei Tage lang eine längst vergangene Zeit.
Der Mittelaltermarkt in Bietigheim-Bissingen hat eine gewisse Tradition. 2017 fand er erstmals im Gewerbegebiet Buch statt und lockte Jahr für Jahr Mittelalter-Fans in die Region. Jetzt ist das Spektakel umgezogen, denn unter anderem war der Platz im Ortsteil Buch zu klein geworden. Beim großen Möbelhaus fanden nun alle inzwischen 80 Teilnehmer mit ihren Ständen und Zelten Platz.
Handwerkskunst und Kulinarisches
Und so nahm das Spektakel seinen Lauf. Mittelalterlich gewandete Menschen und solche in „zivil“ schlenderten durch das Marktgeschehen und schauten den Seifensiedern, Korbmachern, Schwertschmieden und Schmuckherstellen über die Schulter. Sie probierten Flammlachs, Kartoffelspiralen, paniertes Gemüse, kandiertes Obst, Rosenküchlein und Hackfleisch-Lauch-Suppe im Brotlaib.
Apropos: Das angebotene Essen hat keinen Anspruch auf Authentizität, sagt Veranstalter Markus Wiedenhöfer. Manches was da angeboten ist, habe es im Mittelalter durchaus gegeben, Spanferkel oder Krustenbraten etwa. Currywurst hingegen eher nicht, räumt er lachend ein. Aber das sei eben ein Tribut an das moderne Publikum.
Bei angenehmem Frühlingswetter kamen allein am Samstag rund 4000 Menschen zum Mittelaltermarkt. Damit ist Markus Wiedenhöfer, der schon die Märkte im Stadtteil Buch mitorganisierte, höchst zufrieden. „Wir haben tolle Händler, und die neue Location wird sehr gut angenommen.“
Besonders freut ihn das positive Feedback einiger Rollstuhlfahrer. Sie hatten sich zuletzt am alten Standort zunehmend schwer getan wegen der Enge dort. Das ebene Gelände und die breiten Laufwege bei Hofmeister seien ein absolutes Plus, so Wiedenhöfer.
Der Veranstalter ist selbst ein großer Mittelalter-Fan. Vor etwa 20 Jahren war er auf einer Veranstaltung. „Als Zivilist, ich fühlte mich etwas fehl am Platze“, sagt er heute. Nach und nach habe er sich in die Szene hineingelebt – und irgendwann angefangen, selbst Mittelaltermärkte zu organisieren.
Gemeinsam mit Katja Stößer betreibt er nun eine Event-Agentur, die nicht nur den Markt in Bietigheim, sondern auch weitere Veranstaltungen auf die Beine stellt. Am 14. und 15. März wird zum Beispiel erstmals auf Schloss Lichtenstein auf der Schwäbischen Alb ein kleiner Mittelaltermarkt stattfinden.
Tempelritter und Feuerkünstler
Doch zurück nach Bietigheim: Hier nahm also erstmals an drei Tagen in Folge das mittelalterliche Treiben seinen Lauf. Und es gab einiges zu sehen: Gaukler, Feuerkünstler, Lagerleben... Am Samstag zog sogar eine ganze Gruppe Tempelritter in Rüstungen und Kettenhemden über den Markt.
Mittelalterlich-kreativ waren auch die Spielideen für die kleinen Besucher. Neben Armbrustschießen und Karussell gab es zum Beispiel Rattenwerfen. Hier konnte der Nachwuchs mit kleinen Plüsch-Ratten auf ein schräg aufgestelltes Brett mit Mausefallen zielen. Wer traf, bekam einen Edelstein.