Lokalpolitiker der Stadt am Neckar wollen den eigenen Tourismus aufmöbeln – und nehmen dabei eine Idee aus Weinstadt zum Vorbild.
Die Remstäler Halbhöhenlage als Vorbild für Esslingen? Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) mit einem attraktiven Vorzeigeprojekt, das man auch am Neckar gerne hätte? Nun, einige Lokalpolitiker aus der Stadt am Neckar haben jedenfalls, womöglich bei einem Ausflug über den Schurwald, im Weinstädter Ortsteil Großheppach eine Location entdeckt, die nicht nur von der Weinstädter Stadtverwaltung als „Publikumsmagnet“ eingestuft wird. Es geht um die Luitenbächer Höhe, die als Attraktion kurz vor der Remstal-Gartenschau 2019 mit besten Ausblicken in die Landschaft erstellt wurde.
So etwas hätte man Esslingen offenkundig ebenfalls gerne. In der Debatte um die Einführung einer Beherbergungssteuer hat die Esslinger CDU-Fraktion deshalb angeregt, die Einnahmen einer solchen Steuer „vorrangig für die Planung, Finanzierung, Realisierung und Unterhaltung einer gastronomisch betriebenen Aussichtsplattform in den Esslinger Weinbergen“ zu verwenden. Als Vorbild dient den Christdemokraten eben jene Luitenbächer Höhe oberhalb von Großheppach.
Plattform in den Weinbergen mit Blick auf Altstadt und Marktplatz
Eine solche Plattform könnte in Kooperation mit Weingärtnern, Gastronomen sowie Kultur- und Veranstaltungsbetrieben bespielt werden. Als Standort favorisiert die Esslinger CDU Weinberglagen mit Blick auf Altstadt und Marktplatz.
Bis Mitte 2026 solle die Stadtverwaltung mit dem früheren Schorndorfer OB Matthias Klopfer an der Spitze ein Realisierungskonzept vorlegen. Die geplante Beherbergungssteuer bringe Geld, das man „in dieses Angebot und weitere touristische Angebote investieren“ sollte, erklärte der CDU-Fraktionschef Tim Hauser gegenüber der Esslinger Kreisredaktion unserer Zeitung.
In Weinstadt sind die Verantwortungsträger natürlich begeistert, der Hauptstadt des Landkreises Esslingen nun als Vorbild zu dienen. „Es freut uns sehr, dass wir mit der Luitenbächer Höhe beziehungsweise der 105 Grad Oex-Sunset Lounge einen attraktiven Ort inmitten der Rebhänge schaffen konnten, der von anderen Weinbaukommunen als Vorbild für ähnliche Aktivitäten empfunden wird“, erläutert die Rathaussprecherin Susanne Herrmann auf Nachfrage. Es sei im Marketing stets wichtig, „immer neue Wege zu gehen“. Das treffe gerade auch auf den Weinbau und den damit verbundenen Erhalt der hiesigen Kulturlandschaft zu.
Als besondere Qualität der Luitenbächer Höhe sieht man im Weinstädter Rathaus „die herrliche Lage inmitten der Rebhänge auf Halbhöhe – die Besucher können fantastische Aussichten über die Landschaft des unteren Remstals und dabei auch die Weine direkt am Ort der Produktion genießen“. Gleichzeitig sei die Luitenbächer Höhe ein von der Architektenkammer Baden-Württemberg als „Weinarchitektur Weinsüden“ ausgezeichnetes Bauwerk, was dem vinologischen Genuss noch eine optische Qualität an die Seite stelle.
Allerdings sollte man in Esslingen auch wissen, dass es durchaus Proteste gegen diese touristische und gastronomische Bespielung der Großheppacher Plattform gibt. Gerade bezüglich des Ausschanks durch örtliche Weingüter bei der sogenannten 105 Grad Oex-Sunset Lounge hat die Weinstädter Verwaltung nach Querelen gewisse Restriktionen verfügt.
Anwohnerbeschwerde über die Luitenbächer Höhe
Zu den Ursachen erläutert die Weinstädter Rathaussprecherin Herrmann: „Hintergrund sind zu klärende rechtliche Fragen nach einer Anwohnerbeschwerde. Derzeit läuft ein Bebauungsplanverfahren, das die Aussichtsplattform planerisch absichert.“
Und wie sieht’s künftig oberhalb von Großheppach aus? „Die Stadt geht davon aus, dass es auch 2026 – wie im Jahr 2025 – zehn Veranstaltungstage auf der Luitenbächer Höhe geben wird, davon sieben mit der Sunset Lounge.“