Der Turnsport sorgte zuletzt für reichlich negative Schlagzeilen. Was bedeutet das für das Engagement der EnBW in diesem Bereich? Wir haben nachgefragt.
Vier statt drei Tage, die 40. Auflage, dazu wieder spannende Wettbewerbe und ein starkes Teilnehmerfeld – der DTB-Pokal könnte ab Donnerstagnachmittag wieder eine ausgedehnte Feierstunde des Turnsports werden. Wenn da nicht die Geschehnisse der vergangenen Wochen wären. Seit Dezember erschüttern Berichte von ehemaligen und aktuellen Turnerinnen über Missbrauch im Trainingsbetrieb die Szene. Und auch die Sponsoren?
Die EnBW ist Titelsponsor des DTB-Pokals, der in diesem Jahr in der Porsche-Arena Geburtstag feiert. Und tatsächlich beobachtet man auch beim Energieunternehmen ganz genau, was sich an den Turnstandorten in Baden-Württemberg seit Aufkommen der Vorwürfe so tut.
„Die EnBW verfolgt die Erfahrungsberichte der betroffenen Sportlerinnen mit großer Betroffenheit und Anteilnahme“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion – man betont: „Leistungs- wie auch Breitensport müssen nach unserer Überzeugung zu jedem Zeitpunkt die persönlichen Grenzen der Sportler*innen respektieren und ihre Gesundheit schützen.“
Eben diese Grenzen sind nach bisherigen Erkenntnissen von Trainerinnen und Trainern aber immer wieder überschritten worden. Eine Trainerin und ein Trainer am Standort Stuttgart sind suspendiert worden. Am Standort Mannheim durchsuchte – wie in Stuttgart zuvor – die Staatsanwaltschaft Räumlichkeiten, leitete zudem ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Übungsleiterinnen ein. Die Nachwuchs-Bundestrainerin Claudia Schunk, die lange in Mannheim wirkte, ist vom Deutschen Turner-Bund (DTB) vorübergehend freigestellt.
„Stetiger Austausch“ mit den Turnverbänden im Land
Bei der EnBW heißt es zu den harten Maßnahmen der Aufarbeitung: „Wir unterstützen mit Nachdruck alle Maßnahmen, die den Interessen der Beteiligten Rechnung tragen und zur Klärung der Vorwürfe sowie zur Frage möglicher Konsequenzen führen.“ Die Frage ist zudem: Kann und will das Unternehmen in diesem Umfeld weiter als omnipräsenter Sponsor aktiv sein?
Der Energiekonzern teilt hierzu mit: „Die Frage nach Konsequenzen für das Sponsorat stellt sich derzeit nicht – der Turnsport hat auch in Zukunft einen festen Platz im sportlichen Engagement der EnBW.“ Allerdings spricht man auch von einem „stetigen Austausch und offenen Dialog“ mit dem Schwäbischen und dem Badischen Turnerbund (STB und BTB) – bei beiden Verbänden ist die EnBW maßgeblicher Sponsor. Soll heißen: Das Unternehmen erwartet regelmäßige Informationen zum Stand der Aufarbeitung und möglichen Konsequenzen.