Evangelos „Laki“ Sbonias muss beim Regionalliga-Absteiger SG Sonnenhof Großaspach eine neue Mannschaft formen. Foto: imago/Avanti/Ralf Poller

Die SG Sonnenhof Großaspach steckte zuletzt in einer Abwärtsspirale. Der neue Trainer Evangelos Sbonias soll den Regionalliga-Absteiger wieder nach oben führen. Wie er die Chancen sieht, die Stuttgarter Kickers zu ärgern, seinen Abgang in Freiberg und seine Ziele spricht er im Interview.

Der Umbruch beim Regionalliga-Absteiger SG Sonnenhof Großaspach war groß. Beim Neuaufbau kommt Trainer Evangelos Sbonias eine Schlüsselrolle zu. Der 39-Jährige spricht über die Ambitionen des Vereins in der am 5. August mit dem Spiel beim FC Nöttingen beginnenden Saison und seine eigenen Zukunftsvorstellungen.

 

Herr Sbonias, schon in der zweiten Runde kam das Pokal-Aus für Ihr Team bei Landesligist TSV Bad Boll. Wie ist das zu erklären?

Wir haben uns das natürlich anders vorgestellt, ganz klar. Wir sind super ins Spiel gestartet und haben die erste Halbzeit auch kontrolliert und gehen mit 2:0 verdient in die Halbzeit. Nach der Pause haben wir alles vermissen lassen und somit das Spiel aus der Hand gegeben, das ist bitter. Es gibt keine Ausreden für diese Niederlage. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir in Bad Boll neun Verletzte zu beklagen hatten und in der Viererkette mit vier gelernten Außenverteidigern spielen mussten.

Dennoch gelten Sie mit ihrer Mannschaft als schärfster Aufstiegskonkurrent der Stuttgarter Kickers. Nehmen Sie die Rolle an?

Unser Vorstand hat die Zielsetzung mit Platz zwei bis fünf klar vorgegeben. Das hat nichts mit Tiefstapelei zu tun, sondern ist mit unserer nahezu komplett neu formierten Mannschaft vielmehr ambitioniert, denn es gibt auch noch einige andere starke Mannschaften.

Zum Beispiel?

Den FC 08 Villingen, den 1. CfR Pforzheim oder den 1. Göppinger SV. Aber die Stuttgarter Kickers stehen über allen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals einen größeren Favoriten gegeben hat wie die Blauen vor der kommenden Saison.

Warum?

Weil sie in der vergangenen Runde 91 Punkte geholt haben, sie für diese Liga eine brutale Qualität im Kader haben, die zumindest in der Breite durch die Neuzugänge sogar noch größer geworden ist. Da kann in einem Spiel immer einmal etwas Unvorhergesehenes passieren, aber über die Strecke einer ganzen Saison gesehen, ist es äußert schwer vorstellbar, dass der Direktaufsteiger nicht Stuttgarter Kickers heißt. Ihre Stärke haben sie zudem im DFB-Pokal gegen die SpVgg Greuther Fürth eindrucksvoll bewiesen.

Eine Garantie gibt es im Sport aber nie.

Es ist ja das Faszinierende am Sport, dass die reinen Fakten keinen Erfolg garantieren. Und ich sage auch ganz offen und ehrlich: Wenn ich antrete, dann will ich nichts wegschenken, sondern immer das Maximale erreichen. Dafür bin ich zu ehrgeizig.

Warum haben Sie sich für die SG Sonnenhof Großaspach entschieden?

Ich kannte die handelnden Personen, die mir schon 2016 das Vertrauen schenkten und mir als Landesligatrainer des FV Löchgau die Rolle als Drittliga-Co-Trainer zutrauten. Dazu schlummert in der SG viel Potenzial, das zwischendurch vielleicht mal eingeschlafen war.

Woran lag das?

Ich möchte eigentlich viel lieber in die Zukunft schauen. Und ich weiß, dass die Entscheidungsträger durchaus reflektiert und selbstkritisch die Vergangenheit aufgearbeitet haben. Es wird nicht nur geredet, es wird gemacht, es wird gearbeitet. Hart gearbeitet. Jeden Tag. Egal, ob die Sonne scheint, es regnet oder schneit. Die Werte dieser Dorfklub-DNA werden wieder jede Sekunde gelebt. Das mag etwas romantisch klingen, aber dazu stehe ich.

Sie sind ein emotionaler Mensch, die wenig ausgeprägte Fan-Kultur bei der SG passt irgendwie nicht zu Ihnen.

Ich liebe die Emotionen und auch die Stimmung in den Stadien. Wir haben in Großaspach eine kleine, aber feine Fan-Szene. Wir arbeiten daran, diese weiter auszubauen, dies gehört auch zu den Zielen des Vereins.

Mit ihrem ehemaligen Chefcoach der SG, Oliver Zapel, waren sie vor knapp fünf Jahren auch bei Werder Bremen II. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Dass ich in den Profifußball zurück möchte und die Qualität habe, dort gute Arbeit zu leisten. Das wurde mir von Werder bestätigt, was mich sehr gefreut hat.

Ihnen fehlt die DFB-Fußball-Lehrer-Lizenz.

Das ist der nächste Schritt, der bei mir kommen muss. Doch nach der Reform wird es immer schwieriger, einen Platz zu bekommen.

Wie sehr hatten Sie eigentlich an Ihrem Rauswurf beim späteren Regionalliga-Aufsteiger SGV Freiberg im vergangenen April zu knabbern?

Da will ich gar nicht um den heißen Brei herumreden, sondern ganz ehrlich sein: Ich habe lange gebraucht, um das zu verarbeiten.

Mit der Bekanntgabe Ihrer Entscheidung, den SGV am Saisonende zu verlassen, mussten Sie damit rechnen?

Das mag sein. Aber es gehört auch zu meinen Werten, nicht zu taktieren, sondern offen und ehrlich zu kommunizieren und zu informieren. Mehr möchte ich zu diesem Thema nicht sagen. Ich wünsche den SGV-Jungs, denen ich immer noch sehr eng verbunden bin, alles gute in der Regionalliga.

Erster Spieltag
Freitag, 5. August: SV Oberachern – Offenburger FV, FSV 08 Bietigheim-Bissingen – SSV Reutlingen, FC Nöttingen – SG Sonnenhof Großaspach (alle 19 Uhr), FC 08 Villingen – Freiburger FC (19.30 Uhr). Samstag, 6. August: FV Ravensburg – Sport-Union Neckarsulm, TSG Backnang – 1. Göppinger SV (beide 14 Uhr), FC Holzhausen – Stuttgarter Kickers, ATSV Mutschelbach – FSV Hollenbach (beide 15.30 Uhr), 1. CfR Pforzheim – 1. FC Rielasingen-Arlen (16 Uhr).