Trübe Erkenntnisse aus der jüngsten Bezirkssynode der evangelischen Kirche: Der Pfarrplan „haut sehr ins Kontor“, sagt Dekan Ulrich Erhardt.
Die deutschlandweite Krise der Kirchen, der katholischen wie der evangelischen, spiegelt sich auch in den Entwicklungen im Rems-Murr-Kreis wider. Etliche betrübliche Entwicklungen galt es bei der Bezirkssynode der evangelischen Kirche in Waiblingen zu konstatieren – mit Tagesordnungspunkten, „die es alle in sich hatten“, und mit großen Themen, „die die Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte derzeit umtreiben“, wie Pressepfarrer Markus Eckert berichtet. Konkret ging es bei der Synode um die folgenden Bereiche: Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, die Missbrauchsstudie in der evangelischen Kirche und die Kürzungen der Pfarrstellen.
Von der Melanchthonkirche ist nichts mehr übrig
Das passende Bild für die aktuelle Lage und die gravierenden Veränderungen und Einschnitte konnte vor gut vier Wochen in Fellbach beobachtet werden: Gnadenlos packte der Greifbagger zu und machte Turm und Kirchenschiff der Melanchthonkirche dem Erdboden gleich. Die bisherige Gemeinde im Westen der Stadt wird mit der Luthergemeinde im Zentrum Fellbachs zusammengelegt. Ursache, man ahnt es wohl: der Mitgliederschwund.
Ein Beispiel, ebenfalls aus Fellbach, welche personellen Auswirkungen dies hat: Es ist ein besonderer Umstand, der dazu führt, dass die evangelischen Kirchengemeinden Fellbach und Schmiden-Oeffingen für den Pfarrplan 2030 zusammen gesehen werden. Denn von den zur Zeit 6,5 Pfarrstellen bleiben am Ende insgesamt 3,75 Pfarrstellen übrig. 2,25 Stellen für Fellbach und 1,5 Stellen für Schmiden-Oeffingen.
Um derartige Entwicklungen ging es bei der Synode auch im Bericht des Dekans Ulrich Erhardt. Seiner Einschätzung nach ist es neben den Austritten vor allem der demografische Wandel, der dazu führt, dass die Gemeinden kleiner und kleiner werden. Derzeit gehören etwa 60 000 evangelische Christen dem Kirchenbezirk Waiblingen an.
Es geht nicht „um die Titanic, die sinkt“
Sein Bild von Kirche sei aber „nicht das der Titanic, die sinkt“, sondern „einer fröhlich feiernden Gemeinschaft“. Trotz aller schlechten Nachrichten erlebe er Gemeinden, in denen die Menschen sich engagierten und das Gemeindeleben pulsiere. „Eine Kirche, die sich fröhlich zeigt, kann sich auch sehen lassen“, ermutigte er die Mitglieder der Bezirkssynode und berichtete von spannenden Begegnungen mit Menschen zum Beispiel auf der Hochzeitsmesse in Fellbach oder davon, dass sich Kirche in den Demokratiebündnissen des Landkreises engagierten. Es gehe darum, sich um die Anliegen der Menschen zu kümmern, auch wenn man deren Namen nicht kenne.
Dabei ist es unvermeidlich: Weniger Mitglieder bedeuten eben auch weniger Pfarrer. So wurden im Grunde alle Kürzungen des Pfarrplans, mit denen jede einzelne Kirchengemeinde im Kirchenbezirk in den letzten Monaten gerungen hat, von der Bezirkssynode auch so verabschiedet. Der Pfarrplan, so Erhardt, „haut so sehr ins Kontor“, dass er dankbar gewesen sei, dass alle Kirchengemeinden sehr kreativ und verantwortungsbewusst damit umgegangen seien. Manche Einzelheiten mussten noch eingefügt werden, damit Rechtssicherheit bestehe.
So wurde im Pfarrplan festgehalten, was passiert, wenn mancher Plan im unwahrscheinlichen Fall nun doch nicht mehr aufgeht. Außerdem musste noch abgestimmt werden, in welcher Weise im Gemeindeverbund Leutenbach-Nellmersbach-Weiler zum Stein, die Pfarrstellen aufgeteilt werden. Schlussendlich folgte die Bezirkssynode dem Beschluss der Kirchengemeinde, die Stellen auf zweimal 75 Prozent aufzuteilen. Somit erwartet die Bezirkssynode, dass die Landessynode diesen Plan in der Sommersynode so akzeptiert und dann auch beschließt. Damit wäre eine der stärksten Kürzungen von Pfarrstellen in der Landeskirche beschlossene Sache.
Im Rems-Murr-Kreis nur noch zwei statt drei Dekanate
Mit Veränderungen, Kürzungen, einschneidenden Maßnahmen bei der evangelischen Kirche im Rems-Murr-Kreis ist es damit allerdings nicht vorbei. Denn der Dekan verriet, dass es damit auf anderer Ebene auch weitergeht: Der Plan ist demnach, dass es in Zukunft im Rems-Murr-Kreis auch nicht mehr drei, sondern neben Waiblingen nur noch ein zweites Dekanat geben soll – entweder Schorndorf oder Backnang. Immerhin, keine aktuell bevorstehende Entscheidung, aber eine für die weitere Zukunft.