Johannes Seule ist seit September neuer evangelischer Pfarrer in Steinenbronn – Anfang Dezember wird er ins Pfarrhaus einziehen. Der 34-Jährige will den vielen Krisen etwas entgegensetzen.
Mit einem Festgottesdienst ist Johannes Seule am vergangenen Sonntag offiziell als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Steinenbronn eingesetzt worden. Seit dem 1. September hat der 34-Jährige die Pfarrstelle in der Martinskirche inne und wird Anfang Dezember dann auch mit seiner Frau Damaris Schenk ins bis dahin renovierte Pfarrhaus im Tulpenweg einziehen.
Geboren und aufgewachsen in Plochingen, hat Johannes Seule zwar keinen Pfarrer im Stammbaum, aber dennoch spielte der Glaube schon immer eine große Rolle in seiner Familie. Sein Vater wirkt sogar als Laienprediger. Ein Studium der evangelischen Theologie lag nahe und schließlich reifte der Entschluss, Pfarrer zu werden. Über die Station seines Vikariats in Eislingen/Fils und einen kurzen Abstecher nach Engelsbrand-Grunbach (Enzkreis) führte ihn sein beruflicher Weg in die Landesstelle des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg. Zu seinen Aufgaben gehörte in den vergangenen drei Jahren die Unterstützung der Arbeit mit jungen Menschen vor Ort.
Mit einer Einladung als Gastprediger fing es an
Gerne nahm er auch eine Einladung zur Predigt im März 2021 beim Abendgottesdienst in Steinenbronn an. „Ich war sofort begeistert“, erzählt er von seinem ersten Kontakt mit dem Ort, der Martinskirche und der sehr engagierten Gemeinde. Dass sie seine neue berufliche Heimat werden würde und er deren 45. evangelische Pfarrer seit der Reformation, konnte er damals allerdings noch nicht ahnen. Anfang Juli 2021 erreichte ihn dann die Nachricht vom geplanten Wechsel seines Vorgängers Marc Stippich nach Stetten auf den Fildern. Johannes Seule war schnell klar: „Zeitpunkt, Lage, Menschen – hier können wir es uns gut vorstellen!“ Fehlte noch die Zustimmung vom Kirchengemeinderat, der ihn Mitte Januar dieses Jahres wählte.
Es ist eine Zeit der Verunsicherung, in der Johannes Seule Verantwortung in der evangelischen Kirchengemeinde übernimmt. „Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise und Krieg“, zählt er auf. Vor allem aber Corona brachte für das lebendige Gemeindeleben vielerorts empfindliche Eingriffe und Einschnitte. „Kirche ist der Ort, wo Menschen zusammenkommen“, hält er dagegen und sieht seine Aufgabe auch darin, die „Menschen in Beziehung zu halten“. Imponiert hat ihm beispielsweise, dass die Steinenbronner Konfirmanden des vergangenen Jahres in diesem Sommer die 2021 ausgefallene und bei den Mädchen und Jungs so beliebte gemeinsame viertägige Freizeit einfach nachholen durften.
Erst einmal ankommen, heißt die Devise
Unterkriegen lassen will sich der engagierte Gottesmann von Corona und allen anderen Krisen ohnehin nicht. „Ich stehe immer auf der Seite der Hoffnung“, meint er lachend. Wenn ihm auch die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien besonders am Herzen liegt, hat er zunächst in Steinenbronn keine konkreten Projekte im Sinn, sondern möchte ankommen, sich eingewöhnen und auf die neue Gemeinde einlassen. „Ich möchte die Leute mitziehen und schauen, wohin wir kommen“, formuliert er optimistisch und immer offen für Neues. Und länger bleiben als an seinen bisherigen Stationen, die ausbildungsbedingt immer schon dann endeten, „wenn ich richtig angekommen war“, will Johannes Seule sowieso.