Die Kirchenbezirke Böblingen, Herrenberg und Leonberg sollen fusionieren. Wie das von Herrenberger Seite ohne Dekan funktionieren soll, war zuletzt unklar. Jetzt ist klar: Thomas Cornelius wird zum Interims-Dekan.
In der evangelischen Kirche bleibt derzeit kaum ein Stein auf dem anderen: Pfarrstellen werden gekürzt, Gemeinden gehen zusammen, Gebäude stehen zur Disposition. Und noch dazu soll es auch auf Verwaltungsebene einschneidende Veränderungen geben. Die drei Kirchenbezirke Böblingen, Herrenberg und Leonberg werden fusionieren. Ein genauer Zeitpunkt ist noch nicht festgelegt, doch die Landeskirche würde den Prozess gerne in etwa zwei Jahren abgeschlossen haben.
Von Herrenberger Seite wird hauptsächlich Interims-Dekan Thomas Cornelius die Gespräche führen, das steht seit Kurzem fest. Vorausgegangen war eine monatelange Hängepartie, nachdem der Dekan Eberhard Feucht Ende 2023 in Ruhestand gegangen war und der Oberkirchenrat die Stelle nicht neu besetzen wollte. „Es war naheliegend, dass ich das jetzt übernehme“, sagt Thomas Cornelius. Seit 1999 arbeitet er im Kirchenbezirk Herrenberg, war bereits seit 2004 Dekan-Stellvertreter und leitet seit 2015 die Gemeinde in Oberjettingen.
Mit der geplanten Fusion hat der 61-Jährige zwar einen dicken Brocken vor der Brust, will das aber in Ruhe angehen. Voraussichtlich im Herbst werden sich der Böblinger Dekan Markus Frasch, die Leonberger Dekanin Gabriele Waldbaur und Thomas Cornelius zusammensetzen, um erstmals die Modalitäten zu diskutieren. „Wir haben natürlich schon miteinander gesprochen“, so Cornelius, „aber nicht offiziell.“ Denn auf Herrenberger Seite sei wichtig gewesen, die offene Dekan-Frage klar geregelt zu haben – das ist nun der Fall.
Für den Oberjettinger Pfarrer und die Verantwortlichen im Herrenberger Kirchenbezirk ist wichtig, dass die Verhandlungen „auf Augenhöhe“ stattfinden können. „Das Ziel muss eine partnerschaftliche Lösung sein“, sagt Cornelius, „im Idealfall bringt man das Beste aus den drei Bezirken zusammen.“ Es gibt technische Aspekte, die zu klären sind, wie zum Beispiel eine einheitliche Finanz-Software (aktuell arbeiten die Bezirke hier ganz unterschiedlich). Zudem ist aus den drei Bezirkssynoden mit den gewählten Vertretern der Kirchengemeinden ein verkleinertes Gremium zu konzipieren. Und zudem müssen die Pfarrkollegen der drei Bezirke in Zukunft stärker zusammenarbeiten beziehungsweise eine neue Einheit formen.
Insofern gibt es viel zu tun, doch Thomas Cornelius ist Pragmatiker und geht zuversichtlich an das Projekt heran. „Uns war schon lange bewusst, dass irgendwann die Fusion ansteht – auch wenn es jetzt doch schneller geht als erwartet“, sagt der Oberjettinger, „die Umstände sind jetzt, wie sie sind. Wir müssen das Beste daraus machen und sehen, dass die drei Bezirke gut zueinanderfinden.“
Dabei hatte das Dekan-Thema im vergangenen Jahr große Aufregung im Kirchenbezirk Herrenberg ausgelöst. Denn im Sommer hatte der Oberkirchenrat den überraschten Herrenbergern kurzfristig mitgeteilt, dass die Dekansstelle nicht wieder besetzt werde, wenn Eberhard Feucht Ende 2023 in Ruhestand gehen würde. Die Art und Weise der Kommunikation hatte einen Sturm der Entrüstung bei den Mitgliedern der Kirchengemeinderäte und der Bezirkssynode zur Folge. Es kam zu Verhandlungen mit dem Oberkirchenrat, und schließlich lenkte die Landeskirche insofern ein, als sie zu Jahresbeginn einem Übergangsmodell zustimmte.
Der Kirchenbezirk bekommt für einige Jahre eine bewegliche Pfarrstelle zur Verfügung gestellt, um die im Dekanat anfallenden Aufgaben zu bewältigen und die anstehende Fusion vorzubereiten. Diese wird jeweils zur Hälfte von Thomas Cornelius als Interims-Dekan sowie von Pfarrer Ulrich Behrendts besetzt. Letzterer wird die Geschäftsführung der Gesamtkirchengemeinde Herrenberg übernehmen, die bis Ende 2023 noch Eberhard Feucht oblag.
Weil Cornelius und Behrendts dann aber weniger Zeit für ihre Aufgaben als Pfarrer haben, werden zwei zusätzliche 50-Prozent-Stellen ausgeschrieben, um die entstehenden Lücken aufzufangen. „Ich hoffe, die Stellen sind bald besetzt“, betont der Interims-Dekan, „denn im Moment ist die Belastung für uns sehr hoch.“
Gottesdienst Pfarrer Behrendts und Interims-Dekan Cornelius werden von Prälat Markus Schoch in der Herrenberger Stiftskirche am Sonntag, 16. Juni, um 10 Uhr in einem Gottesdienst mit ihren neuen Aufgaben beauftragt.
Bezirke und Gemeinden fusionieren
Aus drei mach eins
Im Kreis Böblingen gibt es drei evangelische Kirchenbezirke: den Böblinger mit aktuell rund 52 000 Gemeindegliedern, den Leonberger (etwa 41 000) und den Herrenberger (rund 38 000). Sie sollen zu einem Kirchenbezirk werden.
Gemeinden gehen zusammen
Vielerorts fusionieren auch Kirchengemeinden. Bis 1. Januar 2025 sollen zum Beispiel die vier Böblinger Gemeinden zu einer werden.
Info in Sindelfingen
Jetzt hat die Gesamtkirchengemeinde in Sindelfingen gemeldet, dass die Christus-, Johannes und Martinsgemeinde fusionieren wollen, zum 1. Januar 2025 oder 2026. An diesem Sonntag, 9. Juni, werden in allen drei Kirchen nach den Gottesdiensten öffentliche Gemeindeversammlungen stattfinden, bei denen Informationen zum Zusammenschluss vorgestellt werden, kündigt der geschäftsführende Pfarrer Jens Junginger an.