Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon und Pfarrer Dieter Kümmel haben sich klar für geänderte Gottesdienstordnung ausgesprochen. Foto: Susanne Müller-Baji

Die evangelische Kirchengemeinde will künftig gleichgeschlechtliche Ehen offiziell segnen.

Stuttgart-Zuffenhausen - Manches war neu am Donnerstag bei der Kirchengemeinderatssitzung im Zuffenhäuser Johanneshof: So war es die erste mit Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon. Im öffentlichen Teil des Abends stand aber auch ein Diskussionspunkt an, mit dem man sich zum seit 2017 geltenden Status als „Regenbogengemeinde“ bekennen will. Was bedeutet, dass man Homosexuelle ausdrücklich willkommen heißt. Pfarrer Dieter Kümmel sagte in seinem Impuls, dass man das bislang vielleicht nicht deutlich genug nach draußen getragen habe. Nun aber möchte man unter den Vorreitern sein und auch schwule und lesbische Ehen segnen.

Das habe es bisher schon ab und zu gegeben, „hälingen“ wie Kümmel sagt, aber nun soll es offiziell in die Gottesdienstordnung aufgenommen werden. Wie Kirchengemeinderat Thomas Siegel es ausdrückte: „Wir machen so ein Brimborium um die Hochzeit und hinterher kommen die Leute nie wieder in die Kirch’. Und bei solchen Paaren, die der Kirche wirklich nahe stehen, sollen nicht mal die Glocken läuten?” Dass das Geläut in Zukunft erklingen soll, steht nun außer Frage; wie eine solche Segnung aber genau ablaufen wird, darüber erwartet man Mitteilung vom Oberkirchenrat.

Dann gilt es auch zu entscheiden, ob ein solcher Bund fürs Leben ins reguläre Kirchenregister eingetragen wird. Die offizielle Bezeichnung lautet Segnung: Handelt es sich also um eine kirchliche Hochzeit zweiter Klasse? Pfarrer Dieter Kümmel verneint, der rechtliche Vertrag werde ohnehin auf dem Standesamt geschlossen. Überdies gelte: „In der evangelischen Kirche ist auch die Eheschließung zwischen Mann und Frau eine Segensfeier, kein Sakrament.“ Interessant: Das Thema fällt an sich in die Ausgestaltungshoheit der Gemeinden. Dadurch, dass der Oberkirchenrat es behandle, räume man ihm nicht nur für Homosexuelle, sondern für alle einen höheren Stellenwert ein, so Kümmel.

Seminarserie um Zuffenhäuser Widerstandspfarrer folgt

So oder so war man sich in Zuffenhausen am Donnerstag weitgehend einig, nur eine Besucherin führte die Bibelstelle an, wonach Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Dekanin Dangelmaier-Vinçon betonte, dass das aber nicht bedeute, dass auch eine Ehe ausdrücklich zwischen Mann und Frau bestehen müsse. Die Abstimmung im Gremium und auch unter den Gemeindepfarrern verlief anschließend einstimmig

Die geänderte Gottesdienstordnung könnte ab dem neuen Jahr gelten und Dekanin und Pfarrer unterstrichen, dass man hoffe, dass aus der punktuellen Änderung in Zuffenhausen eine allgemeine für die gesamte Landeskirche werde. Draußen, im urbanen Stuttgarter Umfeld stoße das Thema ohnehin auf Unverständnis, so Pfarrer Kümmel: „Da sagt man eher: Habt Ihr eigentlich keine anderen Probleme? Das ist doch alles selbstverständlich.“

Dass Glauben ein Zeichen setzen soll, davon handelt übrigens auch in die von Kümmel initiierte Seminarserie um Zuffenhäuser Widerstandspfarrer: Am Donnerstag, 10. Oktober, geht es um Julius von Jan, in Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ aufgenommen, am 21. November um den späteren Kultusminister Gotthilf Schenkel. Am 23. Januar steht Nazi-Gegner Herbert Werner im Mittelpunkt. Alle Seminare finden um 18 Uhr im Paulusstüble statt. Den Abschluss bildet ein Gottesdienst am 16. Februar um 11 Uhr, in der Pauluskirche, Unterländer Straße 15, bei dem Amos-Preisträger Pfarrer Rainer Schmid zu Gast ist.

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