Sie blicken positiv in Richtung Zusammenschluss: Pfarrer Thomas Nonnenmann und Pfarrerin Lena Warren. Foto: Simon Granville

Aus den selbstständigen Gemeinden Weissach und Flacht wird eine gemeinsame große mit rund 3000 Mitgliedern. Welche Chancen und Herausforderungen die Pfarrer sehen.

„Nur durch die Fusion unserer Gemeinden kann die kirchliche Grundversorgung gewährleistet werden“, sagt die Flachter Pfarrerin Lena Warren. Schon Ende 2023 wurde beschlossen, dass Weissach und Flacht zu einer Kirchengemeinde verschmolzen werden sollen. Nun wird es konkreter.

 

Diese Entscheidung hängt mit größeren Veränderungen in der Evangelischen Landeskirche zusammen. Immer weniger Mitglieder und ein Mangel an Pfarrpersonal machen den Kirchengemeinden zu schaffen. Der „Pfarrplan 2030“ soll diese Entwicklungen auffangen, indem Pfarrstellen reduziert und gleichmäßiger verteilt werden. In Flacht entfällt dann das Amt der Pfarrerin Warren. Die Kirchengemeinderäte entschieden sich zu einer Fusion, um Verwaltungsaufgaben zu reduzieren und die kirchliche Betreuung durch nur eine Pfarrperson zu sichern.

Vor der Fusion: Die Kirchengemeinden nähern sich bereits an

Dass der Fusionsprozess Zeit braucht, ist für Warren und den Weissacher Pfarrer Thomas Nonnenmann klar. „Immerhin können wir den Übergang relativ lange planen“, sagt Warren. Denn die Zusammenlegung ist erst für 2028 angesetzt. Laut den beiden Pfarrern ist bis dahin Zeit genug, um neben bürokratischen Aufgaben die Kirchengemeinden auch gedanklich zusammenzuführen. Bereits jetzt sei eine Annäherung im Gange – etwa durch gemeinsame Konfirmandenfreizeiten und den Seniorenkreis Communitas. Dieser wird von den beiden Kirchengemeinden gemeinsam veranstaltet. Jedoch müssen die Flachter Senioren dafür nach Weissach kommen.

Lena Warren ist Pfarrerin in Flacht. Foto: Simon Granville

Nonnenmann sieht darin kein Problem: „Die Teilnehmer sprechen sich untereinander ab, da herrscht ein gutes Miteinander.“ Auch wenn der Ortswechsel in diesem Fall funktioniert – den Pfarrern ist es ein Anliegen, weniger mobile Menschen zukünftig nicht auf der Strecke zu lassen. Deshalb sind sie froh, dass keine der Kirchen schließen muss. „Dieser Ort ist am emotionalsten für unsere Mitglieder, er dient zur Identifikation“, erklärt Pfarrerin Warren.

Pfarrplan 2030 : Nur ein Pfarrer für eine riesige Gemeinde

Aber den beiden Pfarrern ist auch bewusst: Die Fusion stellt eine große Herausforderung dar. Denn obwohl die Mitgliederzahlen sinken, wird eine große Kirchengemeinde mit rund 3000 Mitgliedern entstehen, die von einem Pfarrer versorgt werden muss. Das wird Warren und Nonnenmann zufolge Auswirkungen auf das Pfarramt haben. Zwar könnten mit einer Pfarrstelle weiterhin Kernaufgaben wie Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen sichergestellt werden. Aber andere Anlässe, etwa Geburtstags- und Krankenvisiten, könnte auch ein Besuchsdienst übernehmen.

„Ich glaube, am Anfang wird das richtig hart“, sagt Nonnenmann. Umso wichtiger ist es ihnen, ihre Gemeinden von Beginn an in den Prozess einzubeziehen. Informationsabende und Erläuterungen im Gemeindebrief halten sie für einen wichtigen Schritt. Ebenso essenziell ist es für beide, ihre Gemeinden offen zu informieren. Der Weissacher Pfarrer ist sicher: „Da kommen bestimmt noch kritische Fragen auf uns zu.“

Welche Erwartungen haben Jugendliche an eine Fusion?

Dennoch geben sich Warren und Nonnenmann zuversichtlich. So könne man aus der Vielzahl der verschiedenen Menschen in der größeren Gemeinde Potenzial schöpfen. Das sehr aktive Gemeindeleben in Weissach und Flacht sehen die Pfarrer auch als Möglichkeit, bestehende Konzepte zu überdenken. Bald steht etwa ein Treffen mit Teenagern an, bei dem deren Erwartungen gehört und neue Ansätze für Jugendgottesdienste entwickelt werden sollen.

„Das ist eine der großen Chancen der Fusionierung: Wir stellen uns gegenseitig Ideen vor und werden so viel kreativer“, sagt Warren. Auch bei der Familienarbeit entstehe bereits Neues: In der Kirche Kunterbunt begegnen sich die Kirchengemeinden bei Spiel und Spaß. Diese Gemeinsamkeit wünschen sich die Pfarrer auf lange Sicht für die neue Gemeinde. „Zusammen kriegen wir das gut hin“, ist Warren überzeugt.