Evanescence in Stuttgart Popsängerin Amy Lee mit Sinfonieorchester

Von Elisa Beck 

Mozart und Beethoven statt Vorband: Evanescence sind in der Porsche-Arena mit einem Live-Orchester aufgetreten.

Stuttgart - Am Ende applaudiert das Publikum der Sängerin der US-Band Evanescence stehend in der ausverkauften Porsche-Arena. Sinfonieorchester, Live-Elektronik und Rockband errichten eine üppig geschmückte Klangwand auf dem aktuellen Best-of-Album „Synthesis“. Dieses ist ganz auf die Sängerin Amy Lee zugeschnitten, statt des üblichen Alternative-Gothic-Rock-Klangs mit fetten Gitarren und Schlagzeug untermalen nun hauptsächlich klassische Orchesterklänge ihre Stimme. Trotzdem klingt die Band immer noch nach Evanescence.

Außergewöhnlich ist jedenfalls der Einstieg in dieses Popkonzert: Das Orchester tritt auf wie bei einem klassischen Konzert und spielt unter anderem Mozarts „Kleine Nachtmusik“ und Beethovens „Mondscheinsonate“. Eine schöne Idee, um den Popkonzertbesuchern in der bestuhlten Arena klassische Musik näher zu bringen, denn diese ist eine wesentliche Inspiration für Amy Lee, die am liebsten Filmmusik komponieren würde. Das nach sechs Jahren Pause erschienene Album scheint ein Weg zu sein, dieses Bedürfnis auszuleben.

Nicht nur die Musik, sondern auch Amy Lees Stimme hat sich verändert.

Insgesamt gibt es wenig Showeffekte, der Fokus liegt ganz auf der Musik und vor allem auf Amy Lee, die auch Solostellen am Klavier übernimmt und sich teilweise selbst am Klavier begleitet. Gefühlvoll singt sie ihre Hits, aber auch zwei neue Songs des Albums. Die jugendliche Frische ihrer Stimme ist einer Tiefe gewichen, die vielleicht auch mit ihrem kürzlich verstorbenen Bruder zusammenhängt. Die episch anmutenden, filmmusikartigen Klänge lassen Amy Lees Stimme jedoch leider etwas untergehen. Vor allem Live-Elektronik und Orchester decken die Sängerin im Zusammenklang zu.

Dieser Abend ist eine One-Woman-Show, der mit Musikern vollbesetzten Bühne zum Trotz – denn Amy Lee ist nach der Pause das einzige verbleibende Evanescence-Mitglied. Da könnte man sich natürlich fragen, warum das Ganze noch unter dem Bandnamen verkauft wird und nicht als ­Solo-Tour läuft.

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