Anja Wessels-Czerwinski mit einer Auswahl an Upcycling-Produkten. Foto: Roberto Bulgrin

In der Esslinger Altstadt gibt es mit „Eva’ Ottilie“ ein neues Angebot, mit dem wohnungslose Menschen besser integriert und unterstützt werden sollen. Der Treffpunkt ist offen für alle Menschen, die hier gemeinsam basteln und sich austauschen. Neben Upcycling-Produkten wird es auch eine Foodsharing-Station geben.

Wer durchs Schaufenster blickt, könnte meinen, dass am Ottilienplatz 3 ein neues Geschäft aufgemacht hat. Was die evangelische Gesellschaft, kurz Eva, anbietet, hat mit Verkaufen oder gar Profit nichts zu tun. In den Regalen liegen unterschiedliche Upcycling-Produkte. Ihren Besitzer wechseln sie gegen eine Spende. Ob kleine Beutel aus OP-Masken, Stoff-Kürbisse oder Skulpturen aus Büchern – alles ist selbstgefertigt aus Dingen, die keiner mehr braucht.

 

Die Eva ist ein diakonisches Unternehmen mit 150 Diensten in Stuttgart und der Region. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Im Kreis Esslingen betreibt die Eva verschiedene Angebote der Wohnungsnotfallhilfe. Mit „Eva’s Ottilie“ in der Esslinger Altstadt geht nun ein weiteres Angebot an den Start, um Randgruppen Teilhabe und Integration zu ermöglichen. Offen ist es für alle Bürgerinnen und Bürger. „Der Raum soll zu einem Ort werden, in dem Welten aufeinandertreffen können“, sagte Sabine Henniger, Mitglied im Vorstand der Eva, bei der Eröffnung. Gerade dass es keine festgelegte Konzeption gibt, mache das Konzept von „Eva’s Ottilie“ aus. Sie sprach deshalb von einem „Entwicklungsraum“. Ursprünglich gab es die Idee, ein Café zu betreiben. Aber die baurechtlichen Hürden seien zu hoch gewesen, so Peter Gerecke, Abteilungsleiter der Dienste für Menschen in Armut, Wohnungsnot und Migration der Eva. Im oberen Stock des Hauses können Obdachlose ein neues Zuhause bekommen, es sind sechs neue Plätze für ambulant betreutes Wohnen entstanden.

Upcycling – Alten Dingen neues Leben einhauchen

Ein Eckpfeiler von „Eva’s Ottilie“ ist das Upcycling. Anja Wessels-Czerwinski schwebt vor, dass sich hier Menschen treffen und gemeinsam kreativ werden. Sie leitet die Beratungsstelle für Wohnungslose der Eva in Esslingen. „Do it yourself liegt ja voll im Trend, aber so einfach wie Youtube es vormacht, ist es am Ende oft doch nicht“, sagt sie. Man will sich deshalb gegenseitig unterstützen und anleiten – nicht nur was die Bastelei angeht. „Wir wollen ein Ort gegen soziale Vereinsamung sein“, sagt Wessels-Czerwinski. So gibt es die „Vernetzungs-Pinnwand“, auf der man einen Zettel hinterlassen kann, wenn man etwas sucht oder anbieten möchte. Das können Dinge genauso wie Begleitung oder ein offenes Ohr sein. „Wir kennen unsere Klientel und wissen, wer passen könnte“, sagt Anja Wessels-Czerwinski. Geplant sind zudem handwerkliche Workshops, aber auch Vorträge zu Themen wie Nachhaltigkeit, Gemeinwohl oder Gesundheit.„Eva’s Ottilie“ versteht sich als Informationsbörse. Eine individuelle Beratung zu sozialen Hilfen sei zwar nicht möglich. „Aber wir können weitervermitteln“, betont die Fachbereichsleiterin.

Foodsharing – Jeder darf kostenlos Lebensmittel mitnehmen

Eine weitere Säule von Eva’s Ottilie wird Foodsharing sein. Voraussichtlich ab Ende November kann man hier Lebensmittel kostenlos abholen. Die Ware steht entweder gut verpackt draußen oder während der Öffnungszeiten im Laden. „Man muss nicht bedürftig sein, um etwas mitnehmen zu dürfen“, betont Claudia Fleischmann von Foodsharing Esslingen. „Unsere Passion ist es, Lebensmittel vor der Mülltonne zu bewahren“, sagt sie. Die Initiative hat feste Kooperationen mit Supermärkten, Bäckereien oder Kantinen, von denen sie übrig gebliebene Lebensmittel bezieht.

Damit die Idee aufgeht, sucht „Eva’s Ottilie“ noch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Geöffnet ist bis Ende des Jahres nur dienstags ab 9 Uhr, Termine für Workshops oder Vorträge werden ausgehängt. Ab Januar sollen die Zeiten ausgedehnt werden.

Wer das Projekt unterstützen möchte, meldet sich per Mail unter evas-Ottilie-ES@eva-stuttgart.de