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Die Hannoveranerin  tritt beim Eurovision Song Contest 2011 in Nordrhein-Westfalen an.

Düsseldorf - Ausgerechnet Düsseldorf! Dass die Stadt am Rhein Gastgeberin des Eurovision Song Contests 2011 wird, ist sicherlich nicht nach Lena Meyer-Landruts Geschmack. Doch Düsseldorf lockt unter anderem mit einer spektakulären Arena.

Berlin ist sexy, aber leider auch arm. Auch wenn Grand-Prix-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut gerne in der deutschen Hauptstadt ihren Titel verteidigt hätte, muss sie beim Eurovision Song Contest 2011 in Nordrhein-Westfalen antreten. Düsseldorf ist zwar nicht sexy - hat aber mehr Geld. Und das gab am Ende wohl bei der Vergabe den Ausschlag. Besonders bitter dürfte Düsseldorfs Triumph für den ewigen Rivalen Köln sein - denn die Heimatstadt Stefan Raabs hatte sich anfangs auch beworben, zog sich dann aber aus dem Rennen zurück, weil die Lanxess-Arena ausgebucht war. Ein weiterer Kandidat war Lenas Heimatstadt Hannover, der allerdings von Anfang an keine großen Chancen eingeräumt wurden. Mitfavorit neben Berlin war Hamburg, Sitz des federführenden Eurovisionssenders NDR. Die Argumente für Berlin brachte Lena auf den Punkt. "Berlin ist groß, multikulturell und hat für mich alles", sagte die 19-Jährige.

Und Düsseldorf? Die Stadt hat null Bezug zu Lena. "Ein unwichtiger Fußballclub, viel Modegetue, Tote Hosen und eine Biersorte, die nach aufgeschäumtem Rheinwasser schmeckt, ältlich nämlich", lästerte Grand-Prix-Experte Jan Feddersen in seinem Blog auf den offiziellen NDR-Internetseiten. Ähnlich lesen sich auch viele Kommentare des Online-Tagebuchs. Ein Chris W. fragte dort zum Beispiel, was gegen Düsseldorf spreche, um gleich eine Antwort zu geben: "Es heißt nicht umsonst DüsselDORF." Doch die 600.000-Einwohner-Stadt hat etwas, was die 3,5-Millionen-Metropole Berlin in ihrer Bewerbung nicht bieten konnte: eine Multifunktionsarena, in der bei Konzerten gut 66.000 Zuschauer Platz finden. Mit Hilfe eines fahrbaren Dachs lässt sich die 2005 eröffnete Esprit-Arena auf Knopfdruck in eine Halle umfunktionieren. In Berlin hätte der Song Contest auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof stattfinden sollen. Dort hätte das überdachte Vorfeld behelfsmäßig in eine Halle verwandelt werden müssen - um dann nicht einmal 10.000 Zuschauern Platz bieten zu können.

Oft wird die Stadt nur auf das Thema Wirtschaft reduziert

Zwar war auch die Düsseldorfer Esprit-Arena schon belegt, aber dieses Problem will die Stadt mit einem tiefen Griff in die Kasse lösen: Um die Zweitliga-Kicker von Fortuna Düsseldorf umzuquartieren, soll eigens ein kleines Stadion für drei Spiele so massiv ausgebaut werden, dass es alle Auflagen erfüllt. Über die Umbaukosten mag man bei den Stadtverantwortlichen ebenso wenig reden wie über die Gesamtkosten für die ESC-Austragung. Im Gespräch ist eine zweistellige Millionensumme - der diesjährige Wettbewerb in Oslo hat den norwegischen Fernsehsender NRD rund 25 Millionen Euro gekostet.

In einer Stadt, die seit gut drei Jahren als schuldenfrei gilt, scheint Geld ein untergeordnetes Thema zu sein. Stadtsprecher Kai Schumacher begegnet Sorgen, Düsseldorf könne mit dem Song Contest seine Schuldenfreiheit riskieren: "Wir hätten uns nicht beworben, wenn wir das Ganze nicht stemmen könnten", sagt er.

Schumacher will auch nicht sagen, mit welchen Einnahmen die Stadt durch den Grand Prix zu rechnen hat - nur dies: Der Wettbewerb habe für Düsseldorf einen Werbewert von 140 Millionen Euro. "So viel müsste man mit klassischer Werbung ausgeben, um auf Düsseldorf als Marke aufmerksam zu machen." Bisher haftet Düsseldorf mit seiner mondänen Königsallee vor allem das Schickimicki-Etikett an. Oft wird die Stadt nur auf das Thema Wirtschaft reduziert. Marketing-Experte Bernd Günter von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität sagt: "Es gibt ja in Düsseldorf ein Problem, man könnte fast sagen, es ist ein Komplex: nämlich die internationale Bekanntheit - oder Unbekanntheit."

Für Düsseldorf geht nun eine schwarze Serie zu Ende. Um die Olympischen Spiele 2012 hatte man sich vergeblich beworben, und auch bei der Vergabe der Spielstätten für die Fußball-WM 2006 war man leer ausgegangen. Beim Song-Contest-Finale am 14. Mai 2011 werden dann aber schätzungsweise mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauer nach Düsseldorf blicken. Danach werden sie vielleicht in Abwandlung des berühmten Ausspruchs von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit sagen: Düsseldorf ist reich - und sexy. "Reich und sexy", so heißt übrigens ein Album der Toten Hosen - aus Düsseldorf.

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