Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras wirbt um Vertrauen der Märkte. Foto:  

Athen verlässt nach acht Jahren das Hilfsprogramm. Das ist ein Erfolg. Es bleiben aber Fragen, meint Wirtschaftsredakteur Roland Pichler.

Berlin - War da nicht was? Als der Bundestag vor drei Jahren das dritte Hilfsprogramm für Griechenland beschloss, ging es hoch her. Mit der Faust in der Tasche billigten damals viele Unionsabgeordnete das 86-Milliarden-Euro-Programm. Zuvor hatte der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sogar überlegt, Griechenland zumindest für einige Jahre aus der Eurozone zu verbannen. Doch Kanzlerin Angela Merkel und die übrigen Staats- und Regierungschefs in Europa wollten keinen Grexit. Heute kann man sagen, das war ein Glück. Denn ein Auseinanderfallen der Eurozone ist vermieden worden. Immerhin haben sich die Euroländer in den vergangenen Jahren wirtschaftlich gut entwickelt. Ob das mit einer Spaltung der Währungsunion auch so gekommen wäre, ist zu bezweifeln.

Die Geldgeber sprechen von einer Zäsur

Inzwischen hat sich die Aufregung um Griechenland gelegt. Die Euro-Finanzminister, die das Ende des Griechenland-Programms beschlossen haben, sprechen von einer Zäsur. Doch der Neuanfang ist fragil. Vieles bleibt ungewiss. Es stimmt zwar, dass Griechenland nach acht Jahren mit drei Kreditprogrammen und unzähligen Sparauflagen formal wieder ein „normales“ Euroland wird. Ministerpräsident Alexis Tsipras hat klargestellt, dass Athen nicht länger unter der Aufsicht Europas stehen will. Doch finanziell bleibt Griechenland abhängig von zinsverbilligten Krediten des Eurorettungsfonds.

Weil auch die Eurogruppe nicht sicher ist, ob die Finanzmärkte Athen Geld geben, ist eine ungewöhnliche Sicherungslinie beschlossen worden. Zusammen mit der letzten Kreditrate wird Griechenland mit einer Kapitalreserve von 24 Milliarden Euro ausgestattet. So hohe Mittel hat die Eurozone bei früheren Programmländern nie locker gemacht. Damit ist Griechenland bis 2020 finanziell auf der sicheren Seite. Dies zeigt aber auch: Mit dem Vertrauen in das Land kann es nicht so weit her sein.

Griechenland hat viel Zeit verspielt

Ob die Kapitalmärkte wirklich wieder Zutrauen finden, muss sich erst herausstellen. Der griechischen Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zwar zu bescheinigen, dass sie Reformen in einem Umfang auf den Weg gebracht hat wie kaum ein anderes Land. Dass ein immenser Spardruck auf den Griechen lastet, liegt in erster Linie an der dortigen Politik. Die Regierung Tsipras versuchte zuerst, alle Reformen abzuwehren. Das Einsehen kam spät. Damit wurde viel Zeit verspielt.

Ob sich Griechenland tatsächlich gewandelt hat wie die Programmländer Spanien, Portugal und Irland, ist offen. Immerhin zeigen alle Wirtschaftsindikatoren nach oben. Die große Unbekannte bleibt jedoch, ob der Aufschwung trägt. Die Signale der Geldgeber müssen misstrauisch stimmen. Der Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich am letzten Hilfsprogramm nicht beteiligt. Grund ist die Überschuldung Griechenlands. Die Finanzmärkte achten genau auf die Zeichen des IWF. Ohne einen Schuldenschnitt wird Griechenland kaum wieder auf eigenen Beine stehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das endlich die Eurostaaten einsehen.

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