Kann der große Knall im europäischen Football noch verhindert werden? Womöglich ist eine weitere Veränderung in der Führung der ELF ein entscheidender Schritt.
Am Wochenende ruht der Spielbetrieb in der European League of Football (ELF). „Bye Week“ werden solche spielfreien Tage weithin genannt. Was ja ganz gut passt zur ELF – denn in der Führungsetage herrscht derzeit das Motto: „Goodbye.“
Vor einigen Wochen hat Patrick Esume seinen Rückzug zum Ende der Saison angekündigt. Der frühere Football-Profi und -Trainer ist seit der Gründung der europäischen Football-Liga deren Commissioner und Gesellschafter – und sein angekündigtes Aus „auf eigenen Wunsch“ ging nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne.
„Mein Mandant und die ELF mit ihrem Geschäftsführer Zeljko Karajica gehen ab sofort getrennte Wege“, hieß es in einer Mitteilung von Esumes Anwältin. Grund für den Abschied seien „unüberbrückbare Differenzen bezüglich der Führung und finanziellen Gestaltung der ELF mit deren Geschäftsführer Zeljko Karajica“ sowie „unterschiedliche Vorstellungen der künftigen Ausrichtung der ELF“.
Zum Hintergrund: Die ELF steht wenige Wochen vor den Play-offs dieser Saison vor einer Zerreißprobe. Neun Teams, darunter Rhein Fire und Frankfurt Galaxy, haben sich in der Initiative European Football Alliance (EFA) zusammengeschlossen. Ihr klares Ziel: kein Weiter-so. Sie kritisieren die ELF-Führung in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung der Liga, mangelndes Marketing und ein nicht transparentes Arbeiten. Unter den gegebenen Umständen schienen der große Knall und ein mögliches Aus der ELF nur schwer abwendbar. Nun aber ändern sich wohl die Voraussetzungen.
Am Donnerstagabend kündigte die ELF in einer Pressemitteilung an, dass es weitere Veränderungen auf der Führungsebene geben wird. Verkauft wird dieser Schritt als „bedeutende und strategisch vorbereitete Weiterentwicklung ihrer Führungsstruktur“. Ziel sei, „das Fundament der Liga weiter zu stärken und den eingeschlagenen Wachstumskurs fortzusetzen“. Zu diesem Zwecke wird sich auch Zeljko Karajica von seinem Amt als Geschäftsführer zurückziehen.
Wie Esume bleibt auch Karajica jedoch bis zum Ende der Saison im Amt. Schon bald aber sollen neue Kräfte in der Führungsebene mit an Bord kommen. „In den kommenden Tagen werden wir einen erfahrenen Co-CEO und Chief Financial Officer (CFO) offiziell vorstellen“, teilt der ELF-Gründer selbst mit und betont: „Dieser Schritt wurde von allen ELF-Gesellschaftern einstimmig beschlossen.“ Es soll einen „reibungslosen Übergang“ geben.
Einer der Gesellschafter ist Heinz Kierchhoff, der sagt: „In nur fünf Jahren hat die ELF ein bemerkenswertes Maß an Professionalität und Wachstum gezeigt. Wir sind tief beeindruckt von dem Erreichten und überzeugt, dass die Liga als treibende Kraft den europäischen Sportmarkt mitgestaltet.“ Allerdings muss dafür auch eine Lösung mit den Franchises her, die als EFA rebellieren.
Dies wird unter Zeitdruck die wichtigste Aufgabe der neuen Führungscrew sein. Entsprechend wird das Thema in der aktuellen Pressemitteilung platziert. „Der neue Co-CEO wird unter anderem in engem Austausch mit der EFA stehen, um zentrale Themen wie Governance, Ligaregelungen und Franchise-Entwicklung voranzutreiben“, heißt es. Karajicas Rückzug soll also wohl eine neue Gesprächsbasis ermöglichen.
Wie reagiert Stuttgart Surge?
Ob dies die ELF befriedet und im aktuellen Modell zukunftsfähig macht? Bei Stuttgart Surge, aktuell Tabellenführer der Division West und bislang kein aktives EFA-Mitglied, beobachtet man die sich nun verändernde Lage. „Wir haben die neueste Entwicklung zur Kenntnis genommen und sind nun gespannt auf die nächsten Schritte in der Kommunikation mit den Franchises“, sagt Suni Musa, der Surge-Geschäftsführer.
Sportlich geht es für die Surge nach der „Bye Week“ am nächsten Samstag (17 Uhr) mit dem Auswärtsspiel bei den Cologne Centurions weiter.