Wollen in den Play-offs ein Feuerwerk abbrennen: Aurieus Minton und Stuttgart Surge. Foto: Baumann

Das Surge-Team trifft im Kampf um den Einzug ins Halbfinale auf die Madrid Bravos – gegen die starken Spanier wird die Defensive besonders gefordert sein.

Der letzte Sieg bei den Fehervar Enthroners war nur noch eine Formsache. Schon vor dem 47:20-Erfolg in Ungarn stand fest, dass Stuttgart Surge die Division West der European League of Football (ELF) gewonnen hatte. Folglich lag das Risiko, T-Shirts mit dem Aufdruck „Champion“ zu bedrucken und nach dem abschließenden Spiel der Hauptrunde zu verteilen, bei null. Interessant war allerdings, was auf dem neuen Kleidungsstück der Surge-Footballer hintendrauf zu lesen war: „#BringItHome“.

 

Bringt es nach Hause – oder anders ausgedrückt: „Jetzt holt Euch auch den Titel!“

Seit Beginn der Saison gibt es bei Stuttgart Surge nur ein Ziel: das Finale dahoim am 7. September in der großen MHP-Arena. Nun fehlen noch zwei Siege. „Die Motivation ist enorm. Wir alle sind hier, um es ins Championship Game zu schaffen“, sagt Luis Bach, einer der Kapitäne des Teams, „doch der Weg ist wahnsinnig schwierig.“ Weshalb es für Jordan Neuman auch keinen Grund gibt, von der ursprünglichen Herangehensweise abzugehen: „Wir denken nicht voraus. Sondern Schritt für Schritt.“

Ein langfristig angelegtes Projekt

Der Coach von Stuttgart Surge ist enorm stolz auf sein Team. In der dritten Saison in Serie hat Stuttgart Surge auf eine zweistellige Anzahl von Siegen gebracht. „Das zeigt unsere Konstanz“, erklärt Jordan Neuman, „und auch, dass unser Programm auf Langfristigkeit ausgelegt ist.“ Was nichts daran ändert, dass es nun, in den Play-offs des Jahres 2025, von vorne losgeht.

Als drittbestes Team der Hauptrunde haben die Stuttgarter (Bilanz: 10:2) zwar – anders als die Vienna Vikings und die Munich Ravens (je 11:1) – den direkten Sprung ins Halbfinale verpasst, ein Problem ist das aber für niemanden. Im Gegenteil. Neuman ist es nicht unrecht, dass seine Mannschaft nun keine Pause hat und durch die Wildcard-Runde im Rhythmus bleibt, zumal Surge an diesem Samstag (15 Uhr) ein Heimspiel im Gazi-Stadion hat: „Wir sind“, sagt der Trainer, „genau da, wo wir sein wollten.“ Auch wenn der Gegner im Kampf um den Einzug ins Semifinale alles andere als einfach ist.

Bester Quarterback, bester Wide Receiver

Die Madrid Bravos schlossen mit einer Bilanz von 8:4 ab, haben aber den Vorteil, dass kaum jemand so gerne gegen Stuttgart Surge spielt wie Andrew Weidinger. Der US-Amerikaner, der auch schon in der NFL gearbeitet hat, ist seit dieser Saison Chefcoach in der spanischen Hauptstadt. 2022, als er in der ELF zum Trainer des Jahres ernannt wurde, gewann er mit den Barcelona Dragons zweimal gegen das Surge-Team, anschließend war Weidinger zwei Spielzeiten lang Offensive Coordinator bei Rhein Fire – das in beiden Jahren nach Siegen gegen die Stuttgarter (2023 im Finale, 2024 nach einem denkwürdigen Halbfinale im Regen) den Titel holte. „Er macht auch in Madrid einen tollen Job. Dass seine Mannschaft in der Wildcard-Runde steht, ist keine Überraschung“, sagt Jordan Neuman, für den die Niederlagen der Vergangenheit aber kein Problem (mehr) darstellen: „Die Play-offs sind die beste Zeit des Jahres. Wir brauchen keine Extra-Motivation.“ Weil jeder weiß, um was es geht.

Vor allem auf die Defensive des Gastgebers wird viel Arbeit zukommen. Bei den Madrid Bravos gibt in Reid Sinnet der beste Quarterback der Liga den Takt vor, er stellte mit 3953 Passing-Yards einen neuen ELF-Rekord auf. Seine wichtigste Anspielstation ist Wide Receiver Aron Cruickshank, auch er ist die Nummer eins auf seiner Position. Dazu kommt in Justus Seelig, der teilweise in Schwäbisch Hall ausgebildet wurde, ein junger Running Back, der zudem Qualitäten als Passempfänger hat. Mit einem Schnitt von 347,4 Passing-Yards pro Spiel führen die Bravos auch diese ELF-Statistik an. „Die Offensive der Madrider ist sehr explosiv“, sagt Luis Bach, der in Barcelona geborene Surge-Linebacker, „doch genau diese Herausforderung suchen wir. Wir sind alle heiß.“ Und optimistisch.

Schließlich hat auch Stuttgart Surge eindrucksvolle Zahlen zu bieten. Die Defensive ist nicht nur laut Statistik besser aufgestellt als die Verteidigung der Madrid Bravos, und im Angriff hat das Team von Jordan Neuman im Schnitt sogar noch mehr Punkte erzielt (43,1:42,3). Allerdings sind dem Cheftrainer auch diese Bilanzen vor dem Alles-oder-nichts-Duell an diesem Samstag ziemlich egal. „Die Wahrheit ist, dass die Madrid Bravos ein enorm starker Gegner sind, auf den wir uns zu 100 Prozent fokussieren müssen“, sagt er, „es geht nur darum, zu gewinnen und ins Halbfinale bei den Ravens einzuziehen. Egal wie.“

Denn dann wäre das Endspiel nur noch einen Schritt entfernt.

So laufen die Play-offs in der EFL

Wildcard-Runde
Die sechs besten Mannschaften der Hauptrunde in der European League of Football (ELF) sind in die Play-offs eingezogen. Die Teams auf den Plätzen drei bis sechs spielen in der Wildcard-Runde um zwei freie Plätze im Halbfinale. Stuttgart Surge (3.) trifft an diesem Samstag (15 Uhr) im Gazi-Stadion auf die Madrid Bravos (6.), am Sonntag (15 Uhr) erwartet dann Nordic Storm (4.) Titelverteidiger Rhein Fire (5.).

Halbfinale
Bereits sicher in der Vorschlussrunde stehen die Vienna Vikings (1.) und die Munich Ravens (2.). Sollte sich Stuttgart Surge gegen die Madrid Bravos durchsetzen, würde es am 30./31. August zum Duell bei den Ravens in Unterhaching kommen.

Finale
Das Championship Game der ELF findet am Sonntag, 7. September, ab 15 Uhr in der MHP-Arena in Stuttgart statt.