Nach Ansicht von Günther Oettinger muss die Europäische Union deutlich mehr tun als heute, um „eine Weltpolitik-Fähigkeit“ herzustellen. Foto: L/ICHTGUT/Leif Piechowski

Die Syrien-Krise belegt für EU-Kommissar Günther Oettinger, wie handlungsschwach die Europäische Union in der Außen- und Sicherheitspolitik ist. Er fordert von der Bundesregierung deutlich mehr Engagement.

Stuttgart - Angesichts der Syrien-Krise hat EU-Kommissar Günther Oettinger eine mangelnde Bereitschaft der Bundesregierung beklagt, sich militärisch außerhalb der Landesgrenzen zu engagieren. „Die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder und Außenminister Fischer war stärker als die heutige Koalition bereit, deutsche Soldaten in Krisengebiete zu entsenden“, sagte Oettinger unserer Zeitung im Interview. „Nichtstun oder sich auf andere zu verlassen ist aber keine Lösung. Wir werden entweder Stabilität exportieren oder Instabilität importieren.“

Oettinger kritisierte ausdrücklich die Reaktion der Europäer auf den Einmarsch der Türkei in die kurdischen Gebiete in Syrien. „Donald Trump hat Deutschland, Frankreich und andere vor einem dreiviertel Jahr gebeten, mit Bodentruppen eine Zone der Sicherheit in der türkisch-kurdischen Grenzregion herzustellen. Dazu gab es ein klares Nein aus Berlin“, erklärte der deutsche EU-Kommissar. „Das zeigt: wir sind als EU in der Außen- und Sicherheitspolitik nur so stark, wie es der politische Wille in den Mitgliedsstaaten zulässt.“

Was sagt Günther Oettinger zu Rüstungsexporten?

Die Europäische Union müsse alles tun, „eine Weltpolitik-Fähigkeit“ herzustellen, betonte Oettinger. „Zurzeit sind wir wirtschaftlich ein Riese, aber außen- und sicherheitspolitisch müssen wir noch zulegen.“ Welche Hindernisse dem im Wege stehen, und warum Oettinger hofft, dass diese Hürden in den nächsten Jahren beseitigt werden können, lesen Sie im Interview.

Auch Rüstungsexporte waren Thema in dem Gespräch. „Panzer oder Militärjets werden heute länderübergreifend produziert“, sagte Oettinger. „Wenn es weiterhin so ist, dass Rüstungsexporte in Länder außerhalb der EU nicht möglich sind, weil in dem Waffensystem einige Bauteile aus Deutschland eingebaut sind, werden Franzosen oder Spanier bald sagen: dann lassen wir die Deutschen bei Rüstungsprojekten außen vor. Das kann wohl nicht in unserem Interesse sein.“

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