Der Unternehmer Roland Mack leitet mit seiner Familie den Europa-Park in Rust. Foto: dpa

Den Europa-Park kennt fast jeder. Aber wer ist der Mann an der Spitze des erfolgreichen Familienunternehmens? Und warum denkt er auch kurz vor seinem 75. Geburtstag nicht ans Aufhören?

Vor fast 50 Jahren eröffnete Roland Mack den Europa-Park, nach wie vor steht er selbst an der Spitze seines Unternehmens. Kurz vor seinem Geburtstag am 12. Oktober haben wir ihn in seinem Büro in Rust getroffen.

 

Inzwischen sind Ihre Kinder bereits mit in der Geschäftsführung ihres Unternehmens. Denkt man da nicht langsam an den eigenen Ruhestand?

Das, was ich hier mache, bereitet mir unheimlich viel Spaß. Und in so einem Familienunternehmen baut man viel Know-how auf. Ich möchte meine Lebens- und Berufserfahrung an die nächste Generation weitergeben. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Der große Brand im Europa-Park und die Coronakrise haben uns ausgebremst. Da war meine Kompetenz gefragt, auch wenn das tägliche operative Geschäft heute in der Hand meiner Söhne und meines Bruders liegt. Aber ich habe mir vorbehalten, überall meine Meinung dazu zu sagen.

Haben Sie eine Idee davon, wann Sie sich zurückziehen wollen?

Ich halte es damit wie mein Vater. Er war geschäftsführender Gesellschafter bis zu seinem Tod, obwohl er am Ende nur noch zwei Prozent der Firma hielt. Das war damals eine kluge Entscheidung, weil mein Bruder und ich damals wussten, dass wir ohne den Vater nichts ganz Entscheidendes machen können. Bei uns herrscht die Regel, dass die Familie in wichtigen Fragen Einstimmigkeit erzielt.

Stehen Ihre Söhne hinter der Strategie?

Ja, weil wir uns vor Jahren selbst eine Familiencharta erarbeitet haben. Es ist geregelt, wer welche Rolle übernimmt. Auch in unserer Familie herrscht nicht immer Sonnenschein. Wir haben in Hinblick auf unsere Charta mit Mediatoren gearbeitet und beispielsweise Rollenspiele gemacht. Da bin ich auch mal in die Rolle meiner Tochter geschlüpft und habe gemerkt: ‚Hoppla, ich würde ganz anders reagieren, wenn ich in ihrer Situation wäre.’ Wir haben nun mit der Familienverfassung Instrumente an der Hand, mit Konflikten umzugehen.

Um was geht es genau in Ihrer Charta?

Eines der obersten Gesetze darin ist, dass wir ein Familienunternehmen bleiben wollen. Weil wir aber in einer modernen Industriegesellschaft leben, sind Weiterentwicklungen darin ebenfalls vorgesehen. Außerdem ist darin geregelt, wer überhaupt Gesellschafter im Unternehmen werden kann. Nur wer mit dem 28. Lebensjahr eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, die dem Unternehmen gerecht wird, kann diese Position bei uns bekommen. Bei uns läuft das anders als in der Politik, wo man auch ohne Abschluss Minister werden kann.

Es klingt so, als würden Sie vom Mack-Nachwuchs sehr viel erwarten.

Absolut. Die Schule war immer hart bei den Macks. Mein Vater hat viel von mir erwartet und sein Vater schon von ihm. Mit Abstand erkennt man aber die Sinnhaftigkeit dieser Strenge. Das Leben ist eine Achterbahn, mal geht es hoch und mal runter. Da schadet es nicht, wenn alle gewohnt sind, Härten auszuhalten. Mein Vater war sehr kompromisslos und wenig diskussionsbereit.

Roland Mack im Gespräch in seinem Büro. Auf dem Gemälde im Hintergrund Vater Franz Mack. Foto: Margrit Müller

Wie muss man sich das Verhältnis zwischen Ihnen beiden vorstellen?

Weil ich angefangen habe, mit ihm zu diskutieren, war ich für ihn früher der Student und Kommunist. Mein Vater war Vollbluthandwerker. Schon nach einem Semester wollte er wissen, wie lang das ‚Drama an der Universität’ noch gehe. Er war der Meinung, ich sollte lieber einen handwerklichen Beruf erlernen. Während des Studiums bin ich mit meinem Vater keinem Konflikt aus dem Weg gegangen. Meine Mutter musste manchmal einschreiten. Als ich zwölf Jahre alt war, hat er mir ein Reißbrett gekauft. Während die anderen Fußball gespielt haben, hat er mich dorthin geschickt. Als ich gesagt habe, dass die anderen draußen spielen, meinte er nur: ‚Du musst dir eines merken, du bist nicht die anderen’. Irgendwann habe ich das auch begriffen. Wenn man fleißig ist und sich einbringt, dann kann man es auch zu etwas bringen.

Erwarten Sie diese Haltung auch von der heutigen Generation? Manchmal heißt es ja, junge Leute seien zu faul.

Bei uns im Unternehmen gibt es hoch motivierte und erstklassige junge Mitarbeiter. Man darf nichts verallgemeinern. Ich sehe aber auch, dass schon Sechsjährige mit dem Handy herumlaufen. Wir haben früher im Wald gespielt und mit Steinschleudern aufeinander geschossen. Das waren andere Lebensmodelle. Insgesamt müssen wir erkennen, dass Wohlstand und soziale Absicherung nur möglich sind, wenn wir auch bereit sind, Arbeit und Risiken auf uns zu nehmen. Wenn ich in China sehe, wie schnell dort Dinge entstehen, dann müssen wir schon aufpassen. Wenn wir zu langsam und zu teuer werden, dann verlieren wir unseren Wohlstand.

Die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben – manche sprechen auch von ‚Work-Life-Balance’ – spielt heute ja eine viel größere Rolle. Hat das nicht auch gute Seiten?

Diese Begrifflichkeit ‚Work-Life-Balance’ ist schon verkehrt. Es geht davon aus, dass ‚Work’ etwas Schlechtes ist und ‚Life’ etwas Gutes. Ich habe mich immer aufs Geschäft gefreut, auch wenn ich abends todmüde war. So führt man ein zufriedenes Leben. Ich wohne direkt am Park, das Privat- und Berufsleben vermischt sich da. Aber ich respektiere auch andere Arbeitsformen. Wir bieten als Europa-Park mehr als 70 verschiedene Arbeitszeitmodelle an.

Sie klingen sehr überzeugt von ihrer Arbeit. Aber hatten Sie auch mal ernsthafte Selbstzweifel?

Als wir in der Bauphase des Europa-Parks standen, ist wenige Monate vor Eröffnung unser Geschäftspartner verstorben, der eigentlich den Park betreiben sollte. Ich war damals gerade mit dem Studium fertig, hatte meinen Vater vom Park überzeugt und es gab kein Zurück mehr. Und auch einen Gastronomen hatten wir noch nicht gefunden. Die Skepsis gegenüber dem Projekt war groß. Da dachte ich schon, hoffentlich bist du nicht der erste Diplomingenieur deines Jahrgangs, der direkt Konkurs geht. Aber es ist anders gekommen. Heute sind wir der größte und beliebteste Freizeitpark Deutschlands. Das ist doch eigentlich ein Hoffnungsschimmer – auch in Hinblick auf das, was Deutschland momentan erlebt. Wenn alle sagen, das wird nichts, dann kann man mit harter Arbeit und großem Glauben trotzdem etwas erreichen.