US-Finanzminister Steven Mnuchin freut sich über die Dollar-Schwäche. Foto: AFP

US-Finanzminister Steven Mnuchin hat den schwachen Dollar als Vorteil für die USA bezeichnet – und damit den Sinkflug der Währung beschleunigt. Seine Aussage schürt Angst vor einem Abwertungswettlauf und setzt auch die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck.

Frankfurt - Der US-Finanzminister freut sich über den schwachen Dollar. Die Abwertung fördere die Handelschancen der USA, sagte Steven Mnuchin auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos – und versetzte dem Greenback damit einen weiteren Tiefschlag. Denn was Mnuchin später als sachliche Feststellung verteidigte, wurde von den Märkten ganz anders interpretiert: als Strategie. Getreu dem Motto „America first“, so der Verdacht, werde Washington auch vor einem Abwertungswettlauf nicht zurückschrecken.

Um den Dollar weiter zu schwächen, könnte die US-Regierung Druck auf die Notenbank Fed ausüben. Deren bisherige Chefin Janet Yellen hat die geldpolitischen Zügel behutsam, aber stetig gestrafft. Sollte ihr von US-Präsident Donald Trump berufener Nachfolger Jerome Powell von diesem Kurs abweichen und die Zinsen langsamer erhöhen als bislang angedeutet, so würde auch die eigentlich zu erwartende Aufwertung des Dollar gebremst.

Schlecht für Europa

Für Europa wäre eine solche Strategie in mehrfacher Hinsicht schädlich: Der steigende Kurs des Euro gegenüber dem Dollar gefährdet schon jetzt das zarte Pflänzchen des Aufschwungs im Süden Europas. Dieser Umstand wiederum könnte die Europäische Zentralbank (EZB) dazu bewegen, den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik noch weiter hinauszuschieben. Für Deutschland und andere Volkswirtschaften in Mittel- und Nordeuropa sind die Zinsen aber jetzt schon zu niedrig – bei einem Weiter-so der EZB stiege die Gefahr einer Überhitzung.

Noch ist dieses Szenario nur eine Drohkulisse. Wirtschaftlich betrachtet spricht vieles dafür, dass der Dollar wieder zulegt: Die US-Steuerreform dürfte das Wirtschaftswachstum beflügeln und ausländische Investoren anlocken, die für ihre Geschäfte in den Vereinigten Staaten natürlich Dollar kaufen müssen. Allerdings ist die Gefahr einer politischen Intervention nach den bisherigen Erfahrungen mit Trump nicht von der Hand zu weisen. Dem neuen US-Notenbankchef Powell kann man nur ein kräftiges Rückgrat wünschen.

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