Beim Kauf von Elektrogeräten gibt es immer ein neues Ladekabel dazu. Foto: dpa/Jens Büttner

Die EU-Kommission schiebt das Vorhaben, Elektromüll zu reduzieren, seit längerer Zeit vor sich her. Das Parlament macht jetzt Druck.

Brüssel - Es ist ein altes Anliegen: Der Elektroschrott durch Ladekabel und Ladegeräte für Handys soll drastisch reduziert werden. Das Europa-Parlament fordert ein Gesetz gegen die Müllmengen. Die EU-Kommission hat bereits mehrfach einen Vorschlag angekündigt, doch dann immer wieder das Vorhaben auf die lange Bank geschoben.

 

Im Zuge des Green Deal war ein Vorschlag für den Herbst 2020 angekündigt, dann wurde er auf Anfang 2021 verschoben. Jetzt heißt es, dass damit erst nach der Sommerpause zu rechnen ist.

Die Chefin des Binnenmarktausschusses im Europa-Parlament, Anna Cavazzini (Grüne), macht der Kommission jetzt Druck. In einem Schreiben an Margrethe Vestager, Vize-Präsidentin der Kommission, sowie Industriekommissar Thierry Breton und Justiz-Kommissar Didier Reynders schreibt die Grüne: „Ich dränge darauf, einen Vorschlag für ein einheitliches Ladegerät so bald wie möglich zu machen ohne weitere Verzögerungen.“

13 300 Tonnen Müll allein an Ladegeräten in der EU – pro Jahr

Cavazzini listet auf, wie häufig das Europa-Parlaments seit 2014 die Forderung nach Vereinheitlichung beschlossen hat, und verweist darauf, dass E-Schrott eine der Müllarten mit den größten Wachstumsraten in der EU ist.

Die EU geht davon aus, dass EU-weit bis 2028 jedes Jahr allein 13 300 Tonnen an Ladegeräten für alte Handys entsorgt werden müssen. Schätzungsweise 600 Millionen Ladegeräte für Handys nebst Kabeln sollen derzeit in der EU zirkulieren. Derzeit gibt es bei jedem Handykauf ein neues Set dazu.

Denkbar sind zwei Lösungen. Zum einen könnte der EU-Gesetzgeber einen einheitlichen Standard für das Ladegerät vorschreiben. Derzeit sind noch drei Standards vertreten. Apple setzt auf „Lightning“, so gut wie alle anderen Anbieter auf den „USB-C-Stecker“, und bei günstigeren Smartphones sind „Mikro-USB“s gängig.

Denkbar wäre aber auch, den Verkauf von Handys, Tablets und allen anderen mobilen Endgeräten gesetzlich vom Verkauf des Ladegeräts abzukoppeln. Das Aufkommen an E-Schrott würde so reduziert, weil der Verbraucher nicht mehr bei jedem Handy gratis ein Ladegerät dazu bekäme. Er müsste sich nur dann ein neues Ladegerät kaufen, wenn es verloren ginge oder ein anderen Stecker benötigt würde.