Die Entscheidung, Strafzölle zu verhängen, ist richtig. Peking hat sich zu lange auf die Blauäugigkeit der Europäer verlassen können, kommentiert Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.
Dieser Warnschuss ist auch in China deutlich zu vernehmen: Die EU reagiert auf die wettbewerbsverzerrenden Subventionen Pekings und wird Strafzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge verhängen. Das ist eine richtige Entscheidung, denn die EU-Kommission hat die verantwortlichen Stellen in China schon vor Jahren auf die offensichtlichen Missstände hingewiesen, doch Peking hat sich einfach taub gestellt.
Erwartbare Empörung in China
Natürlich hat China nun mit der zu erwartenden Empörung reagiert. Doch die EU kann zu Recht darauf hinweisen, dass der Schaden in den kommenden Monaten noch abgewendet werden kann. Die Sanktionen treten erst im November in Kraft. Peking hat also genügend Zeit zu beweisen, dass man ernsthaft an einer Lösung interessiert ist.
Verständlich ist, dass vor allem die deutschen Autobauer vor der Gefahr eines Handelskrieges warnen. Allerdings dürfte keine der beiden Seiten ein Interesse daran haben, dass der Streit eskaliert. Vergessen wird gerne, dass auch die Chinesen stark vom europäischen Absatzmarkt abhängen. Vor allem, nachdem die USA ihren Markt durch eigene Schutzzölle praktisch abgeschottet haben.
China als Systemrivale
Europa muss sich aber noch aus einem anderen Grund auf diese Machtprobe einlassen. China verfolgt mit seinen wirtschaftlichen Entscheidungen immer aggressiver auch geopolitische Ziele und versucht, seinen Einfluss in der Welt auszudehnen. Zu lange haben die Europäer diesem Tun mit bisweilen übergroßer Naivität zugesehen. Nun wächst in Europa die Erkenntnis, dass es sich im Fall von China längst nicht mehr nur um einen einfachen Handelspartner handelt, sondern um einen Systemrivalen.