In Kitzbühel wird Reichtum gern und offen gezeigt. Foto: www.mauritius-images.com/Alamy Stock Photos / Emil Oprisa

Mit Tricks schaffen es reiche Russen und Putin-Freunde, trotz der EU-Sanktionen ihre prächtigen Villen in dem Tiroler Nobelort zu behalten.

Wer seine Millionen zeigen und ausgeben möchte, der ist in Kitzbühel am richtigen Ort. Das Tiroler Städtchen ist das Mekka der Schönen und Reichen der Welt, die dort gern edlen Winterurlaub machen oder sich in einem Chalet niederlassen. So auch zahlreiche russische Oligarchen. Als Unterstützer von Präsident Wladimir Putin und dessen Krieg gegen die Ukraine stehen viele von ihnen auf der Sanktionsliste der Europäischen Union.

 

Ihr Besitz in der EU wird eingefroren, sie kommen nicht mehr ran. Das müsste auch bei Eduard Chudainatow so sein, einem schwer reichen Öl-Manager und Putin-Vertrauten. Mit einiger Finesse, wie es scheint, hat sich Chudainatow mit seinem privaten Umfeld aber aus den Sanktionen rausgemogelt. Auf drei Grundstücken mit vier Luxusvillen, die zum stolzen Preis von insgesamt 26 Millionen Euro gekauft worden waren, hat er weiterhin unbehelligt Zugriff. Man braucht dafür: eine Lebensgefährtin mit einem zypriotischen Pass.

Lebensgefährtin als Strohfrau

Der Tiroler Landtagsabgeordnete Markus Sint von der unabhängigen „Liste Fritz“ sowie das internationale Recherchenetzwerk OCCRP haben ziemlich akkurat über die Immobiliengeschäfte von Svetlana E. recherchiert. Diese gilt als langjährige Lebensgefährtin von Chudainatow. Immerhin hat sie laut OCCRP zwei Kinder von ihm.

E. ist Russin, hat aber einen Pass der Republik Zypern erlangt und ist somit EU-Bürgerin. Das geschieht vielfach auf der Mittelmeerinsel, Zypern gilt als Einfallstor für Russen in die EU. Als Zypriotin kaufte sie, das hat der Abgeordnete Sint feinsäuberlich dokumentiert, in den Jahren 2017, 2018 und 2021 die Kitzbüheler Anwesen.

Woher hatte Swetlana E. die 26 Millionen, und was macht eine Frau mit vier Villen? Sint war empört. „Behörden und Politik wissen um dieses Zypern-Schlupfloch“, kritisiert er. Als Russin hätte E. ein öffentliches Interesse an den Villen nachweisen müssen, als EU-Bürgerin stehen ihr die Pforten offen. Sie fungiere „nur als Strohfrau für einen sanktionierten Oligarchen“. Das OCCRP berichtet, dass E. bislang meist nicht gearbeitet hat und wenn, dann bei staatlichen russischen Stellen mit einem Jahresgehalt von unter 20 000 US-Dollar.

„Dann gute Nacht Österreich, gute Nacht Europa“

Da sich die Gemeinde, das Land Tirol und Österreich nach Ansicht Sints taub stellten, meldete er Mitte 2024 die Immobiliendeals an die zuständige Direktion Staatsschutz und Nachrichten (DNS) im Innenministerium. Bald darauf konnte Sint im Grundbuch nachschauen, dass die Villen eingefroren und damit sanktioniert worden waren, wie es die EU vorsieht.

Dagegen klagte Swetlana E. allerdings vor dem Innsbrucker Landesgericht – und bekam am 30. Januar dieses Jahres Recht, wie das österreichische Innenministerium auf Anfrage bestätigt. Die Richter haben auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes hingewiesen, dass „die bloße Darlegung einer beispielsweise familiären Verbindung“ zwischen einem Oligarchen und etwa seiner Partnerin nicht für eine Sanktionierung ausreichten. Ähnlich gelagert ist der Fall eines Anwesens in Kitzbühel, von Einheimischen als „Putin-Villa“ bezeichnet. Diese gehört offiziell einer zypriotischen Briefkastenfirma, tatsächlich aber laut OCCRP dem Oligarchen und Putin-Freund Arkadi Rotenberg. Auch dieses Haus ist nicht sanktioniert.

Und nun? Das Innenministerium schreibt, die „Herausforderung“ bestehe darin, Vermögen einer sanktionierten Person zuzuordnen, auch wenn das durch „Verschleierungsmethoden“ verborgen wird. Sint verlangt, dass viel hartnäckiger ermittelt wird. „Wenn so etwas wie mit den Villen durchgeht“, meint er, „dann gute Nacht Österreich, gute Nacht Europa.“