Das Experiment zum „Designerbaby“ sorgt für heftige Diskussionen. Foto: 2527443

In China sind vor wenigen Wochen Zwillinge mit genmanipuliertem Erbgut geboren worden. Die Nachricht schlägt einen Tag nach der Veröffentlichung hohe Wellen. Wurde damit eine rote Linie überschritten?

München - Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Professor Peter Dabrock, hat die Genexperimente eines chinesischen Forschers scharf kritisiert. „Ich war geschockt und verärgert. Die Versuche sind unverantwortlich“, erklärte der evangelische Erlanger Theologieprofessor am Dienstag im Interview mit dem Radiosender Bayern 2. Die Rede vom „Super-GAU“ sei angesichts der Geburt der ersten genmanipulierten Babys in verschiedener Hinsicht berechtigt: Denn die Risiken solcher Eingriffe seien unkalkulierbar.

Ein chinesischer Forscher hatte kürzlich erklärt, mit Hilfe der sogenannten „Genschere“ (CRISPR-cas9-Methode) das Erbgut von Embryonen so verändert zu haben, dass sie nicht an Aids erkranken könnten. Die Zwillinge mit dem manipulierten Erbgut sollen vor einigen Wochen geboren sein. Bislang galten solche Experimente auf dem Weg zum „Designerbaby“ als Tabu.

Unklare Folgen

Dabrock habe die Sorge, dass nun andere ebenfalls die rote Linie überschreiten könnten. Doch nicht nur sei unklar, welche Neben- und Spätfolgen Experimente am Erbgut für die Kinder und deren Kinderkinder hätten; auch habe es sich nicht einmal um ein Heilexperiment gehandelt: „Es ging um einen Grundlagenversuch, den man an Hand lebender Menschen durchgeführt hat - also klassisch das, was man als Würdeverletzung bezeichnet. Eine totale Instrumentalisierung der beteiligten Personen“, kritisierte der Ethikrat-Vorsitzende.

Gewiss hätten solche medizinischen Techniken auch vermeintliche Vorteile, so Dabrock. Doch es zeige sich, dass die meisten Vorteile nur mit Humanexperimenten mit embryonenverbrauchender Forschung oder mit Nebenfolgen, die sonst bisher nicht akzeptiert werden, erreicht werden könnten. Der Theologe hält es daher für wichtig, die globale Zivilgesellschaft an Bord zu holen und das Ganze nicht nur in der Wissenschaft zu diskutieren.

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