Die junge Generation entdeckt mitten in der Corona-Pandemie die Vorzüge der Börse. Das scheint paradox, ist aber nur folgerichtig, meint Veronika Kanzler.
Stuttgart - In der Corona-Pandemie sind die Kurse an der Börse eingebrochen, und zwar schneller als jemals zuvor. Innerhalb von zwei Wochen stürzten die Börsenindizes überall auf der Welt um 35 bis 40 Prozent ab. Und die Deutschen? Sie wurden ihrem Ruf als zögerliche, ja geradezu pessimistische Anleger nicht gerecht. Vielmehr ist das Gegenteil eingetreten. Inmitten der Pandemie haben viele ihre Scheu vor der Börse abgelegt und vor allem börsengehandelte Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), als Anlageform gekauft. Der Einstieg ist clever gewählt: Nach einem Börsencrash sind Wertpapiere günstig; in solchen Zeiten bekommen Anleger für dieselbe Menge Geld mehr Anteile. Aber auch die Anlageform ist klug: ETFs sind günstig in der Verwaltung, breit gestreut, und Sparpläne darauf sind bereits ab 25 Euro zu haben.
Es geht auch ohne Expertenwissen
Gerade für die junge Generation ist es ratsam, einen Teil des Geldes für später zu investieren. Wer die seit Jahren andauernde Niedrigzinspolitik verfolgt und zudem sieht, wie sich die deutsche Bevölkerungspyramide immer mehr zu einer Urne (unten schmal, oben breit) verformt, ahnt, dass das staatliche Rentensystem hohen Belastungen ausgesetzt sein wird. Die 20- bis 40-Jährigen wachsen mit diesem Wissen auf, und noch mehr Menschen sollten dieses Wissen nutzen. Ausgewiesene Experten müssen Anleger nicht sein. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass „Kaufen und Liegenlassen“ langfristig zum besseren Ergebnis führt.
Mehr Rendite als beim Girokonto
Konservative Geldanlagen sind nicht zu vernachlässigen. Ein Polster zu haben, das Sparern im Notfall zur Verfügung steht, ist wichtig. Sobald das beisammen ist, sollte das Ziel sein, Rendite zu erzielen. Wer nun die günstigen Einstiegskurse verpasst hat, muss sich nicht ärgern. Trotz aller Crashs, historisch gesehen ist es ziemlich unwahrscheinlich, nach 20 Jahren Verluste an der Börse zu machen. Wer sein Geld ausschließlich auf der Bank parkt, kann das – inflationsbedingt – nicht behaupten.
veronika.kanzler@stzn.de