Von der einfachen Schnellküche bis zum aufwendigen Menü findet sich fast alles auf dem Estival in Esslingen. Nur die Bratwurst fehlt. Zudem gibt es zahlreiche Sommergetränke und rund hundert Weine.
Essen, trinken, plaudern – das sind die Hauptmotive, die die Gäste des Estivals auf den Esslinger Marktplatz treibt. Der Gastro-Check unserer Zeitung zeigt: Die Auswahl ist groß – für fast jeden Geschmack ist etwas dabei.
Wein Im Mittelpunkt steht der Wein. Einige der sieben Wirte tragen das Traubengetränk sogar im Namen, so der Estival-Newcomer „Wein-Moment“. Das Unternehmen handelt bereits in der dritten Generation mit Wein. Das Angebot ist – wie auf dem gesamten Festival – stark regional geprägt. Insgesamt werden beim „Wein-Moment“ elf Weine und sechs Sekte angeboten, aber auch andere Getränke wie der selbstkreierte Pamperol Spritz, der eine Alternative zum Aperol Spritz darstellen soll. Aperol, das langjährige Modegetränk, ist inzwischen etwas in die Jahre gekommen, wird aber immer noch stark nachgefragt. Die Wirtinnen Mona Maisack und Anna-Lisa Wenzler hatten nun den Eindruck, die Zeit sei reif für ein ähnliches, aber neues Getränk. Sie brachten den etwas weniger süßen Pamperol Spritz ins Spiel. „Wenn wir genauso viele Pamperol verkaufen wie Aperol, dann sind wir gut!“, lautete das selbst gesteckte Ziel. Die Erwartungen wurden übertroffen: Bis Dienstagabend wurden in ihrer Laube doppelt so viele Pamperol wie Aperol verkauft. Er besteht aus einem italienischen Likör mit Grapefruit, Zitrone und Orange sowie Wein und Sekt.
Sehr gut vertreten sind die Esslinger Wengerter auf dem Estival. Weine vom „Teamwerk“ gibt es beispielsweise in allen Lauben. Achim Jahn von den Esslinger Weingärtnern ist sich mit den Wirtinnen vom „Wein-Moment“ einig: Nach wie vor wird der Grauburgunder am stärksten nachgefragt, und es sind gerade im Sommer eher Weißweine und Rosé, die getrunken werden. Liebliche Weine haben gegenüber den trockenen aufgeholt, auch weil sich die vermeintliche Weisheit, Weinkenner bevorzugten trockene Weine und deshalb müssten diese besser sein, viele Weintrinker nicht mehr überzeugt. „Die Leute haben mehr Mut, auch die halbtrockenen und lieblichen Weine zu trinken“, schätzt Anna-Lisa Wenzler ein.
Große Küche Wie bei alle anderen Wirten auch, kann beim „Wein-Moment“ gegessen werden – unter anderem das schwäbische Dreierlei: Kässpätzle, Wurstsalat sowie Maultaschen mit Kartoffelsalat. Bei vielen Wirten wird sogar in den Lauben gekocht. Die Küche entspricht dem Niveau der jeweiligen Restaurants.
Bei „Kielmeyers 1582“ hat sich am Dienstagabend eine größere Gesellschaft niedergelassen. Ein Blick auf die Tische verrät: Hier gibt es vom Schweizer Wurstsalat bis zum Zwiebelrostbraten und Maultaschen vieles für verschiedene Geschmäcker. Seelachsfilet, Rinderleber, Thai Curry und einiges mehr ergänzen das Angebot. Beim Nachbarn „Currles Culinarium“ gibt es unter anderem schwäbische Klassiker wie Tafelspitzsülze, geschmelzte Maultaschen, geschmorte Schweinebäckle und Zwiebelrostbraten. Hier gibt es auch eine Reihe vegetarischer Gerichte. „Fleischmann Steakhouse und Weinbar“ bietet neben Steaks auch Streetfood „aus aller Welt an“, so aus Japan, Thailand und Mexico. „Pino und Accanto“ wartet mit italienischen Spezialitäten auf und hat auch italienische Weine auf der Karte. Keine Bratwurst, aber als kleineres Gericht immerhin eine Blutwurst bietet die „Weinstube Eißele“ an. Neben einer größeren Auswahl an Weinen gibt es auch hier vorrangig schwäbische Küche – nicht ganz überraschend die Maultasche ganz vorne. Im „Roten Hirsch“ gibt es als veganes Gericht Linsencurry mit Süßkartoffeln. Im Angebot sind außerdem eine Reihe von Fleischgerichten, unter anderem hausgemachte Fleischküchle und Winzergulasch. Und auch hier darf der Zwiebelrostbraten nicht fehlen, der, wie an anderen Lauben auch, zu den höherpreisigen Gerichten gehört.
Kleine Küche Im sogenannten Flanierbereich entlang der Stadtkirche gibt es einfacheres und damit auch preisgünstigeres Essen. Zum Beispiel frische Kartoffelchips mit verschiedenen Soßen. Neben den Klassikern Ketchup und Majo ist das unter anderem eine Knoblauchsoße, eine Chilisoße, aber auch etwas wertiger Trüffelöl mit Parmesan. Wer möchte, kann sich dies mit Schweinefleisch oder Truthahn anreichern lassen. Zudem finden sich hier Nudelgerichte. Was auf keinem Fest fehlen darf, sind Süßigkeiten wie Schokotrauben oder Crêpes oder auch Zimtschnecken, die es ebenfalls im Flanierbereich gibt.
Wer sich am Ende nicht so richtig entscheiden kann, bleibt vielleicht erst mal an einem der Cocktailwagen stehen. Oder, wenn der Hunger gestillt ist, macht man einen Ausflug in den Innenhof von Kessler oder lässt sich vom „Teamwerk“ bewirten. Die beiden Einkehrmöglichkeiten sind den Esslingern und ihren Gästen bestens bekannt. Durch ihre Lage unmittelbar am Markt fügen sie sich recht gut ins Estival ein. Dabei unterstreichen sie den Charakter des Festes, das gute Weine und Sekte in den Vordergrund rückt.
Esslingen, Stadt des Weines und Stadt am Fluss
Weinbau
Die Tradition als Weinstadt ist fast so alt wie die Stadt selbst, die im Jahr 777 das erste Mal in einer schriftlichen Quelle erwähnt wurde. Im Mittelalter gehörte Esslingen zu den bedeutendsten Zentren von Weinbau und Weinhandel. Noch immer gibt es viele Weinberge. Charakteristisch sind die Esslinger Steillagen mit ihren alten Trockenmauern. Sie sind bei der Bewirtschaftung allerdings auch eine besondere Herausforderung. Im Mittelalter wurden 1200 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Heute sind es noch 82 Hektar.
Neckar
Esslingen nennt sich selbst in amtlichen Mitteilungen Esslingen am Neckar und betont damit seine Lage am Fluss. Zudem gibt es romantische Kanäle, die sich mit dem Kanu befahren lassen. Auch wenn der Hauptfluss stark ausgebaut und schiffbar gemacht wurde, gibt es schöne Spazierwege am Ufer etwa durch den Merkelpark. Im Westen der Stadt entsteht gerade der Neckaruferpark