Esslingen will eine ganze Reihe ambitionierter Projekte anpacken. Das wird nicht ohne Beeinträchtigungen abgehen. „Wer schön sein will, muss buddeln“, findet die Stadt.
Die Esslinger Innenstadt wird zur großen Baustelle: An allen Ecken und Enden wird in nächster Zeit gebaut, zahlreiche Zukunftsprojekte stehen auf dem Programm. Mit einem Spatenstich hat nun die Neugestaltung des Marktplatzes begonnen. Im Rathaus verhehlt man nicht, dass mit den diversen Baumaßnahmen auch Beeinträchtigungen verbunden sind. Doch die Stadt wirbt mit dem Slogan „Wer schön sein will, muss buddeln“ für Verständnis. In einer Infoveranstaltung im CVJM-Haus hat die Verwaltung nun die diversen Innenstadtprojekte vorgestellt, und viele nutzten die Gelegenheit, sich bei den Fachleuten Antworten aus erster Hand zu holen.
Nachdem er zuletzt einen dramatischen Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen vermelden musste, unterstrich OB Matthias Klopfer im CVJM-Haus die Bedeutung von Investitionen: „Es ist ein Glück, dass wir die Zukunft unserer Stadt aktiv gestalten können.“ Von Projekten wie dem Marktplatz und der Bebauung des Karstadt-Areals verspricht sich Klopfer Impulse für die Innenstadt. Allerdings signalisierte er, dass die Stadt die Projekte angesichts geringerer finanzieller Spielräume nochmals betrachten muss – etwa die Pläne, die Abt-Fulrad-Straße und den Kleinen Markt aufzuwerten. Eventuell müsse die Stadt die Ritterstraße vorziehen, ehe sie sich den flankierenden Maßnahmen zum Marktplatz zuwendet. „Darüber werden wir im Gemeinderat bis zur Sommerpause intensiv diskutieren“, so Klopfer.
Hoffnung auf ein gutes Jahr für Esslingen
Baubürgermeister Hans-Georg Sigel nahm die Zuhörer mit auf einen virtuellen Rundgang durch die Innenstadt. Mit Blick auf diverse geplante Projekte hofft er, „dass 2026 trotz aller Schwierigkeiten ein gutes Jahr wird“. Und mit Blick auf Großprojekte wie den neuen Marktplatz oder die Bebauung des Karstadt-Areals betonte er: „Es wird zeitweise laut und dreckig, aber das gehört zu solchen Baustellen nun mal dazu. Dafür wird sich unsere Innenstadt schöner denn je zeigen, wenn erst einmal alles fertig ist.“
Marktplatz Fast zehn Millionen Euro investiert die Stadt in ihren neuen Marktplatz, der 2027 zu Pfingsten eingeweiht werden und sich dann „autoarm, grüner und mit deutlich mehr Platz für Außengastronomie und konsumfreien Aufenthalt“ präsentieren soll. Für die Bauarbeiten bleibt der Platz eingezäunt, Webcams geben Einblicke. Etwa ab Ende Januar wird der erste Bauabschnitt abgegraben, um Strom- und Wasserleitungen verlegen zu können. Voraussichtlich im März beginnen dann entlang der Fachwerkhäuser im Norden die ersten Pflasterarbeiten. „Dann wird man bereits einen ersten Eindruck bekommen“, verspricht der Baubürgermeister, für den die Neugestaltung des Marktplatzes „unser wichtigstes Projekt“ ist.
Schelztorsporthalle Seit September 2023 ist die Halle wegen statischer Probleme geschlossen. 15 Millionen Euro sind für die Sanierung veranschlagt. Der für Mitte 2026 geplante Baubeginn dürfte sich verzögern, da die Stadt hofft, bei einem Förderprogramm zum Zug zu kommen. Ein vorzeitiger Baubeginn könnte Probleme bereiten.
Stillstand auf dem Karstadt-Areal hat ein Ende
Karstadt-Areal Nach langen Jahren des Stillstands investiert Strabag Real Estate auf dem bisherigen Kaufhaus-Areal einen dreistelligen Millionenbetrag. Dafür entstehen rund 160 neue Wohnungen und 12 000 Quadratmeter Handels- und Gewerbeflächen. Auf dem bisherigen Parkplatz wird schon kräftig gearbeitet, erste Arbeiten im bisherigen Kaufhausgebäude sollen demnächst beginnen. Da die geplante Tiefgarage nur den Mietern des neuen Wohn- und Geschäftszentrums „qess“ zur Verfügung steht, wird deutlich weniger Verkehr in der Martinstraße erwartet. Ein Verkehrs- und Logistikkonzept soll helfen, die Belastungen während der Bauzeit möglichst gering zu halten.
Neue Weststadt Mit dem Baublock A, der mit dem Alten Zollamt den Auftakt der Neubebauung auf dem früheren Güterbahnhof-Areal bildet, bekommt das Stadtviertel nun auch ein Entree hin zum Bahnhof. Beim Schlachthof-Areal sieht Sigel derzeit noch keinen entscheidenden Fortschritt.
Ritterstraße Die Ritterstraße soll zur lebendigen und verkehrsberuhigten Zone werden. Im Frühjahr will die Verwaltung ihre Pläne im Gemeinderat vorstellen, Baubeginn soll 2028 sein. Ein Landeszuschuss von 3,2 Millionen Euro ist bereits bewilligt.
Pliensaubrücke Die Pliensaubrücke besteht aus drei Abschnitten – der Teil, der den Neckar überspannt, muss durch einen filigraneren Neubau ersetzt werden. Voraussichtlich im September soll der Rückbau des bisherigen Brückenabschnitts beginnen.
Neckaruferpark Derzeit gehen die Arbeiten am Neckaruferpark in den Endspurt. Eigentlich wollte die Stadt schon Ende 2025 Einweihung feiern – nun wird die feierliche Eröffnung der lang gestreckten Grün- und Erholungsfläche bis Ostern angestrebt.
Esslinger Infrastrukturprojekte
Fernwärme
Esslingen hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Das wird nur durch einen massiven Ausbau des Fernwärmenetzes zu erreichen sein. Die Stadtwerke wollen ihr Fernwärmenetz jedes Jahr um etwa 4000 Meter verlängern. Gerade in der Altstadt wird das nicht einfach.
O-Busse
Bis Ende 2026 will Esslingen eine der ersten Städte bundesweit mit einem emissionsfreien Nahverkehr sein. Für die Umstellung des Esslinger Linienverkehrs auf 100 Prozent Elektromobilität muss das derzeit 29 Kilometer lange Oberleitungsnetz um weitere fünf Kilometer verlängert werden. Leitungsarbeiten stehen 2026 am Altstadtring und hin zum Esslinger Norden an.
Klimaanpassung
Der Klimawandel zeigt immer deutlicher Wirkung. Die Stadt versucht, durch gezielte Maßnahmen gegenzusteuern, pflanzt klimaresistente Bäume und plant grüne Naherholungsflächen. Zusammen mit offenen Wasserflächen, Flachbrunnen und Wasserspielen sollen sie der Überwärmung entgegenwirken und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Der Esslinger Schattenweg wird ausgebaut, das Trinkbrunnen-Netz wird erweitert, der Schutz vor Starkregen und Hochwasser wird verbessert.