150 neue Wohnungen für die Pliensauvorstadt: Wo die Sportler des VfL Post aktiv waren, soll in den nächsten Jahren ein neues Stadtquartier entstehen. Foto: Roberto Bulgrin

Die Pläne der Stadt, das einstige Sportgelände des VfL Post zu bebauen, wurden (und werden) in Esslingen heiß diskutiert. Zuletzt wurde das städtebauliche Konzept nochmals überarbeitet, mehr Grün soll entstehen.

Die geplante Bebauung des früheren VfL-Post-Areals in der Esslinger Pliensauvorstadt beschäftigt Gemeinderat und Verwaltung seit Jahren, und sie ist vor allem im Stadtteil umstritten. Während die Stadt anstelle des Sportplatzes Wohnraum schaffen möchte, haben sich viele Menschen vor Ort für einen Erhalt der Grünflächen eingesetzt. Selbst im OB-Wahlkampf wurde das Thema heiß diskutiert, der spätere Rathauschef Matthias Klopfer sagte zu, dass er sich die Pläne nochmals genauer anschauen werde. Mittlerweile hat ein zweistufiger Planungswettbewerb ein korrigiertes Konzept gebracht. Diese Pläne wurden nun im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Gemeinderats einhellig begrüßt.

 

150 Wohnungen entstehen

Das rund 2,5 Hektar große Areal, das der VfL Post für den Vereinssport nicht mehr benötigt, gehört inzwischen der Stadt. Dort soll nun ein Stadtquartier mit vielfältigen Wohnformen entwickelt werden – rund 150 Wohnungen sind in insgesamt neun Gebäuden geplant. Doch es gab nicht nur im Stadtteil auch Kritik an diesen Überlegungen. Manche lehnten das Projekt ganz grundsätzlich ab und hätten sich gewünscht, dass das Sportgelände als Frischluftquelle und Bewegungsareal erhalten bleibt. Andere kritisierten die Dichte der Bebauung. Letzteren Bedenken haben die Planer in der zweiten Stufe des Wettbewerbs Rechnung getragen. So kann der geplante Grünbereich, der als Aktiv- und Bewegungsfläche für alle im Stadtteil zur Verfügung stehen soll, statt zunächst geforderter 6500 Quadratmeter nun fast 10 000 Quadratmeter groß sein. Franz Schneider, Vizechef des Stadtplanungsamts, betonte nun im ATU: „Wir brauchen zwar dringend Wohnraum, wollen aber trotzdem eine angemessene Bebauung haben.“

Die Korrekturen wusste das Preisgericht zu würdigen: „Insgesamt zeigt der Entwurf in vorbildlicher Art und Weise, wie auf Basis eines maßgeschneiderten städtebaulichen Ansatzes ein lebendiges Quartier mit Vielfalt und enormem Mehrwert für den gesamten Stadtteil entstehen kann.“ Und Oberbürgermeister Matthias Klopfer lobte unlängst bei der Präsentation des Wettbewerbsergebnisses: „Durch die deutliche Reduzierung sind nun auch Dichte und Maßstäblichkeit dem Ort angemessen.“ Nun sollen die Gewinner des Wettbewerbs, die Büros Superwien Urbanism ZT und DnD Landschaftsplanung ZT aus Wien, ihre Wettbewerbsarbeit weiter konkretisieren und einen städtebaulichen Entwurf ausarbeiten, auf dessen Grundlage ein Bebauungsplan-Vorentwurf entwickelt wird. Die Erschließung des Areals könnte dann in den Jahren 2024/2025 beginnen.

„Mehr Lebensqualität“

Ehe die Planer grünes Licht für den nächsten Schritt erhalten, musste der Ausschuss für Technik und Umwelt das Wettbewerbsergebnis absegnen. Die Zustimmung war einhellig. Stadtrat Jürgen Menzel (Grüne) lobte, dass in der zweiten Stufe des Wettbewerbs die Grünfläche optimiert wurde: „Das lässt mehr Lebensqualität erwarten.“ Jüngste Überlegungen, wie die Stadt eine aktivere Rolle auf dem Wohnungsmarkt einnehmen könnte, würde Menzel gerne mit Blick auf die Pläne für das VfL-Post-Gelände konkretisieren. Solchen Gedanken kann Heidi Bär (SPD) einiges abgewinnen: „Vielleicht kann dieses Projekt ein erster Aufschlag sein.“ Die Überarbeitung der Pläne aus der ersten Wettbewerbsstufe habe sich sehr gelohnt – klimatische Aspekte und der Grünanteil hätten sich klar verbessert. Und Hermann Falch (Freie Wähler) zeigt sich „begeistert von dieser Lösung“, den Zeitplan der Stadt findet er jedoch sehr ambitioniert.

Ulrich Fehrlen (FDP) ist überzeugt, dass die Pliensauvorstädter von der geplanten Grünfläche mehr profitieren könnten als von einem reinen Vereinsgelände. Und Karin Pflüger (CDU) lobte die Verbesserungen in der Anordnung der Gebäude, die sich positiv ausgewirkt hätten. Damit am Ende auch alles so realisiert wird wie von der Stadt gewünscht, könne man die Details ja in einem städtebaulichen Vertrag regeln. Johanna Renz betonte derweil, die Linke bleibe zwar bei ihren grundsätzlichen Bedenken gegen die Bebauung dieses Areals. Sie müsse jedoch „anerkennen, dass die Überarbeitung des Wettbewerbsentwurfs gelungen ist“.

Unterwegs zu einem neuen Stadtquartier

Gelände
 Die etwa 2,5 Hektar große Fläche des ehemaligen VfL-Post-Areals in der Pliensauvorstadt, die mittlerweile der Stadt Esslingen gehört, wird nicht mehr für den Vereinssport benötigt. Nun soll dort ein Wohnquartier mit vielfältigen Wohnformen entstehen – ein Projekt, das vor Ort nicht unumstritten ist.

Projekt
In neun Gebäuden sollen insgesamt mehr als 150 Wohnungen entstehen. Außerdem ist eine fast 10 000 Quadratmeter große Grün- und Freifläche geplant, die als Aktiv- und Bewegungsfläche allen Menschen aus der Pliensauvorstadt zur Verfügung steht.

Wettbewerb
Aufschluss über die künftige Gestaltung eines gemischt genutzten Wohnquartiers auf dem einstigen VfL-Post-Areal sollte ein Planungswettbewerb bringen, den die Stadt ausgeschrieben hat. 19 Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros hatten sich daran beteiligt.

Sieger
Zwei Entwürfe wurden im November 2021 ausgewählt – anschließend durften die beiden Preisträger ihre Arbeiten nach den Vorgaben und Anregungen des Preisgerichts erneut überarbeiten. Schließlich gingen die Wiener Büros Superwien Urbanism ZT und DnD Landschaftsplanung ZT als Sieger hervor.