Festo kann nicht nur Produkte. Das Esslinger Unternehmen steht auch national und international für die Vermittlung von Know-how. Seit 60 Jahren gibt es Festo Didactic.
Hollywood mitten in Esslingen. Thriller mit Adrenalin-Kicks wurden im Stadtteil Berkheim zwar nicht gedreht. Doch Technik-Fans und Tüftler mit Daniel-Düsentrieb-Genen hielten bei den Filmen den Atem an. Zumal die Titel vielversprechend klangen. „Arbeitende Luft“ hieß 1963 der erste Streifen. Ein Lehrfilm über Pneumatik. Produziert von Festo Didactic. Als Unternehmen innerhalb der Esslinger Festo Gruppe macht es seit 60 Jahren aber nicht nur Filmreifes.
Festo Didactic agiert global. Sogar auf Barbados und den Fidschi-Inseln. In 176 Ländern, aber auch innerhalb von Deutschland vermittelt es technische Aus- und Weiterbildung. Wissen als Exportschlager. Dabei standen am Anfang Wissenslücken. Seit seiner Gründung 1925 hat das Unternehmen Maschinen zur Holzbearbeitung produziert. In den 1960er Jahren wollte Festo nach eigenen Angaben aber in die noch junge Pneumatik vordringen.
Gruppenfotos und Tafelaufschriebe sorgten für Auflockerungen
In den USA war sie populär. Doch in Europa kannte sie kaum einer. Viele Kunden fragten sich: Nutzung von Druckluft – wie sollte das gehen? Seminare wurden organisiert. Das Interesse war groß. Beim ersten Pneumatik-Vortrag 1957 in Schwenningen musste Kurt Stoll, einer der damaligen Geschäftsführer, drei Stunden lang Fragen beantworten.
So fing es an. Mit Pneumatik-Seminaren. Frontalunterricht war zunächst normal. Ab den 1960er Jahren saßen die erwachsenen Seminarteilnehmer laut einer Festo-Infobroschüre im Altbau in Berkheim in Reih und Glied vor den Dozenten. Aufgelockert wurde der Unterricht vor allem durch Tafelaufschriebe und die Gruppenfotos am Ende. Doch die Pädagogik reifte. Der oft sperrige Lehrstoff wurde mit der Zeit eingängiger mit Hilfe von Broschüren, Wandtafeln, Foliensätzen, Aufgabenblättern, Dia-Serien oder Zeichenschablonen präsentiert.
Lehrbücher würzten den Lehrstoff zusätzlich. Technisches Wissen wurde damit vermittelt. Die „Kurzeinführung in die Pneumatik“ war 1965 das Erstlingswerk. Lehrfilme kamen hinzu. Ingenieure wurden zu Regisseuren. Ein sechsköpfiges Festo-Team produzierte Anfang der 1980er Jahre einen Imagestreifen mit Drehorten in einer Milchfabrik in Kanada, einem Chemie-Betrieb in Mexiko sowie Schauplätzen in New York, Indien, Singapur.
Zelluloid war irgendwann überholt. Mit der Digitalisierung kamen Online-Seminare, Lernsoftwaren, Lernportale, Trainingszentren oder virtuelle Lernfabriken. Längst ging es nicht mehr nur um Pneumatik. Weitere erklärungsbedürftige Inhalte aus dem Bereich der Industrie ploppten laut Festo mit der Zeit auf – etwa Künstliche Intelligenz (KI) in der Automatisierungstechnik, Mechatronik, Prozesstechnik, Robotik oder neuere Energie- und Umwelttechnologie.