Lenya war schwer krank und starb mit nur acht Jahren. Ihre Mutter Sabine Fischer will nun in Esslingen anderen Eltern beim Umgang mit der Trauer unterstützen.
Der Tod eines Kindes reißt Eltern den Boden unter den Füßen weg. Ein Schmerz, den Worte kaum fassen können, begleitet fortan ihren Alltag. Dazu kommen Verzweiflung, Ohnmacht und mitunter das Gefühl, von niemandem wirklich verstanden zu werden. Die tiefe Sehnsucht nach dem verstorbenen Kind schmerzt. Während das Umfeld oft relativ schnell in den Alltag zurückfindet, bleiben verwaiste Eltern mit ihrer Trauer häufig allein zurück.
So erging es auch Sabine Fischer aus Aichwald. Vor zwei Jahren starb ihre Tochter Lenya an einer unheilbaren Krankheit. Sie wurde nur acht Jahre alt. „Nach Lenyas Tod habe ich schnell gemerkt, wie gut mir der Austausch mit anderen betroffenen Eltern tut“, erzählt sie. Doch in der Nähe habe es keine passende Trauergruppe für verwaiste Eltern gegeben oder in bestehende Gruppen sei keine Aufnahme mehr möglich gewesen. Schließlich fand sie eine Selbsthilfegruppe in Salach im Kreis Göppingen, an der sie teilnehmen konnte. „Das ist ein weiter Weg für eine trauernde Mama“, sagt sie rückblickend.
Neue Trauergruppe „Regenbogen“ in Esslingen
Doch diese Trauergruppe war für sie in der ersten Zeit eine große Hilfe. Auch in den folgenden Monaten merkte Sabine Fischer, wie wertvoll der Kontakt mit anderen Müttern und Vätern ist, die dasselbe Schicksal tragen. Den anderen Teilnehmenden erging es genauso. So entstand die Idee, auch im Raum Esslingen eine Gruppe für verwaiste Eltern zu gründen. Nun startet Sabine Fischer zusammen mit Martina Steinbrenner die Trauergruppe Regenbogen. Sie hat vor 16 Jahren ihren Bruder verloren und gründete damals den Verein der Palliativ-Care-Teams im Kreis Böblingen, der in der ganzen Region aktiv ist. Auch Lenya und ihre Familie wurden von dem Verein unterstützt. Das Mädchen litt an einer degenerativen Muskelerkrankung, dem Kongenitalen Myasthene Syndrom.
„Die Trauergruppe bietet verwaisten Eltern einen geschützten Raum, in dem Trauer nicht bekämpft werden muss, sondern sein darf. Einen Ort, an dem ausgesprochen werden kann, was im Alltag oft keinen Platz findet, und an dem gegenseitiges Verstehen, Austausch und Vernetzung möglich sind“, sagen die Initiatorinnen über ihre Idee. Ziel sei es, Eltern dabei zu unterstützen, einen eigenen Weg mit ihrer Trauer zu finden und sie dabei Schritt für Schritt zurück ins Leben zu begleiten.
Esslinger Trauergruppe will sich regelmäßig treffen
Um Familien noch fundierter begleiten zu können, hat Sabine Fischer ein Studium der Sozialen Arbeit mit den Schwerpunkten pädiatrische Palliativversorgung, Abschied und Trauer begonnen. Ihr Ziel ist es, Familien mit einem schwerkranken Kind während der Krankheitsphase, beim Abschied und in der Zeit der Trauer zu begleiten. Martina Steinbrenner ist eigenen Angaben zufolge psychologische Beraterin und absolviert derzeit eine Ausbildung zur freien Trauerrednerin.
Die Trauergruppe „Regenbogen” wird sich einmal im Monat freitagnachmittags treffen. Das erste Treffen findet am 13. März ab 15 Uhr im Forum Esslingen (Schelztorstraße 38) statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Finanzierung der Trauergruppe übernimmt der Verein der Palliativ-Care-Teams. Der in Renningen ansässige Verein sammelt Spenden und unterstützt damit seit mehreren Jahren das Kinder-Palliativ-Care-Team am Olgäle sowie das Paluna-Team des Uniklinikums Tübingen. Zudem erfüllt er sterbenskranken Kindern und Jugendlichen ihre Herzenswünsche.
Wer ein Kind verloren hat und Interesse an der Esslinger Trauergruppe hat oder weitere Informationen benötigt, schreibt eine Mail an info@verein-pct.de.