Echte Tiere und Stofftiere sind eine unschlagbare Kombination, meint Norbert Nauen. Darum organisiert er zwei Vorleseaktionen im Tierpark Nymphaea. Im September werden dort Kindergeschichten vorgetragen und zum späteren Abhören aufgezeichnetSuperbären: Bei der Gestaltung der Stofftiere gibt es viele bärenstarke Ideen. Foto: Roberto Bulgrin

Norbert Nauen möchte mit seinen „Hoffnungsbären“ Kinder und Erwachsene in Not aufmuntern – auch durch eine Vorleseaktion im Tierpark Nymphaea.

Esslingen - Da gibt es den Punker mit Piercings, Irokesenschnitt und Lederjacke. Ein Astronaut mit Weltraumoutfit und schwerem Helm ist mit dabei. Himmlisch sieht der Engel mit dem Sternenkranz und den Flügeln aus. Und einer hat sogar einen Heiligenschein – allerdings nicht auf dem Kopf, sondern am Ohr. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – entsprechend grenzenlos ist die Fantasie, sagt Norbert Nauen und zeigt Fotos von liebevoll gekleideten, verkleideten und bekleideten Teddybären. Die Stofftiere mit den großen Glupschaugen, dem breiten Grinsen und der positiven Ausstrahlung sollen Freude, Optimismus und Zuversicht verbreiten: „Hoffnungsbären“ hat sie der 62-Jährige darum getauft. Er verteilt die bärenstarken Sympathieträger an Frauenhäuser, Seniorenheime, Krankenhäuser, Hospize, Palliativ- und Pflegeeinrichtungen. Und damit die „Hoffnungsbären“ weiterhin Hoffnung verbreiten können, ergänzt er seine Mission um zwei Vorleseaktionen im Tierpark Nymphaea auf der Esslinger Neckarinsel.

 

Eine Unmenge an Teddybären

Der Anruf kam unerwartet. Ein Bekannter teilte Norbert Nauen am Telefon mit, dass sein Arbeitgeber, ein Schweizer Unternehmen, eine Unmenge von übrig gebliebenen Stoffbären aus einer Marketing-Aktion verschenken würde. Ohne großes Nachdenken meinte Norbert Nauen: „Na, dann bringe mir doch einfach ein paar vorbei.“ Der Begriff „ein paar“ wurde sehr weit ausgelegt, denn als Norbert Nauen an jenem Abend im Jahr 2016 vor sein Haus in Köngen trat, traf in fast der Schlag. Unter seinem Carport standen drei zwei Meter hohe Paletten mit 3000 Teddybären: „Das hat mich umgehauen.“

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Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb ihm nicht, denn seine Frau lag im Krankenhaus und er wollte sie besuchen. Als er in der Klinik eintraf, nahm er die vielen besorgten, unglücklichen, unsicheren Patienten und deren Angehörige wahr. Da hatte er die ultimative Idee: Angst und Not auf der einen Seite, eine Unmenge an Teddybären auf der anderen Seite – das müsste sich doch wunderbar miteinander verbinden lassen.

Nackte Bären erhalten Persönlichkeit

Die Aktion „Hoffnungsbären“ war geboren. Ohne große Berührungsängste oder Hemmschwellen ging Norbert Nauen in Schulen, Geschäfte, Läden, Firmen und soziale Einrichtungen und brachte erst einmal seinen Eingangssatz an: „Guten Tag, ich möchte Ihnen einen Bären aufbinden.“ Das sorgte für Erstaunen, Nachfragen, Neugier – und das Eis war gebrochen. Dann konnte er seine Bitte vortragen: Seine „nackten“ Bären sollten ein passendes Outfit erhalten. Sehr viele Personen, sagt er, machten mit. Sie strickten, nähten, bastelten, häkelten, schnippelten und kreierten Modisches für seine Bären. Er bekam Wanderer, Dandys, Maharadschas, Braut und Bräutigam oder eine ganze Flotte von Supermännern mit Capes zurück. Diese liebevoll gestalteten „Hoffnungsbären“ verteilten er und seine Ehefrau Angelika an soziale Einrichtungen: „Kinder, die mit ihren Müttern in Frauenhäuser fliehen, lassen ihr ganzes Spielzeug zurück, und viele freuen sich, wenn sie bei ihrer Ankunft von einem Hoffnungsbären begrüßt werden“. Der Kontakt laufe hier vollständig über die Institutionen. Denn: „Ich darf nicht in die Frauenhäuser rein – aber die Bären schon.“ Über den Bären-Effekt ist er immer wieder erstaunt. Sie lösen Freude aus. Auch bei Erwachsenen: „Jeder hatte in seiner Kindheit mal einen Teddy. Da werden Erinnerungen wach.“ Die Menschen würden die tierischen Sympathieträger an- und ausziehen, knuddeln, im Arm halten oder einfach nur anschauen.

Darum hat das Ehepaar Nauen weitergemacht, als es die 3000 Bären verschenkt hatte. Von der Schweizer Firma hat es weitere Tiere erhalten. „Durch unsere Arbeit haben wir natürlich viele Schicksale kennengelernt“, fasst Norbert Nauen seine Erfahrungen zusammen. Darum möchte er seine „Hoffnungsbären“-Aktion weiter ausbauen. Im Tierpark Nymphaea sind zwei Vorleseaktionen für Kinder geplant. Auf dem Freiplatz am See wird der Schauspieler Gerhard Polacek Kindergeschichten vortragen. Seine Auftritte werden aufgezeichnet, auf der Homepage der „Hoffnungsbären“ eingestellt und können so von Kindern abgerufen werden. „Da steppt der Bär“, freut sich Nauen und zeigt nochmals seine Bärenfotos: Da gibt es Hippies mit Blumen im Fell, fesche Ladys mit schicken Kleidchen, Wanderer mit Stock und Hut, Kinderbären mit Schleifchen . . .

Bären im Tierpark Nymphaea

Die Termine
Die beiden Vorleseaktionen sind am Mittwoch, 1. September, und Mittwoch, 15. September, von 9.30 bis gegen 10 Uhr im Tierpark Nymphaea auf der Neckarinsel in Esslingen geplant. Eine Anmeldung ist laut Norbert Nauen nicht erforderlich. Er hofft, dass Corona eine Durchführung der Aktionen zulässt.

Weitere Schritte
Für seine Hoffnungsbären hat Norbert Nauen weitere bärig gute Ideen. So ist ein Kalender für 2022 geplant, der im September auf den Markt kommen soll. Auf den einzelnen Blättern sind liebevoll gekleidete und gestaltete Bären zu sehen. Der Erlös aus der Aktion soll seiner sozialen Mission zu Gute kommen, erklärt Norbert Nauen.

Mehr Infos stehen unter www.die-hoffnungsbaeren.de