Ladies Football Club an der Esslinger Landesbühne: Fünf Frauen kämpfen um ihre Selbstbehauptung. Foto: Björn Klein

Stefano Massini erzählt in „Ladies Football Club“ Geschichten einer Emanzipation. Im Esslinger Theater hat das Stück am 16. Mai vor der Weltmeisterschaft Premiere.

Die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis 19. Juli steigt. Um das runde Leder geht es schon jetzt an der Esslinger Landesbühne. In Stefano Massinis Stück „Ladies Football Club“ stehen elf Frauen mit ihren Geschichten im Fokus. Laura Tetzlaff inszeniert die Emanzipationsgeschichte aus dem Ersten Weltkrieg im Schauspielhaus. Die Premiere ist am Samstag, 16. Mai, um 19.30 Uhr.

 

Kickerinnen sind weder die Regisseurin Laura Tetzlaff noch Dramaturgin Sarah Frost. „Bei uns fliegen keine Bälle über die Bühne“, verraten die beiden. „Was mich interessiert, sind die starken Frauen und ihre Geschichten.“ Die hat Massini aus der Sicht von Sarah Frost sehr differenziert und griffig beschrieben. Zwar sei der Text nicht dokumentarisch, so die Dramaturgin, aber er beruhe auf wahren Begebenheiten.

Im Mittelpunkt stehen die Arbeiterinnen der Munitionsfabrik Doyle & Walker. Im Frühjahr des Jahres 1917 kicken sie während ihrer Pause im Fabrikhof. Ihre Ehemänner, Brüder und Väter sind an der Front. Mit Sister K, einer Fakebombe für Übungszwecke, die wie ein Ball aussieht, spielen sie Fußball – so, wie sie es bei ihren Männern und den Söhnen gesehen habe. Dann trainierten sie und wurden zunehmend besser. „Die Abwesenheit der Männer gibt den Frauen die Möglichkeit, sich in deren Domäne zu behaupten“, sagt Laura Tetzlaff.

Mit den Schauspielerinnen Kristin Göpfert, Eva Dorlaß, Lily Frank, Franziska Theiner und Silvia Willecke hat die Regisseurin tief in die Geschichten der Frauen hineingehorcht, die im Fokus von Massinis Stück stehen. Sabine Heymann hat den Text aus dem Italienischen übersetzt, der 2022 am Staatstheater Meiningen uraufgeführt wurde. Das Leben der Arbeiterinnen, die auf dem Fußballplatz lernen, sich selbst zu behaupten, verortet der Autor und Regisseur in der Geschichte des Ersten Weltkriegs.

Die Fußballerinnen schrieben eine ERfolgsgeschichte. Foto: Björn Klein

„Für uns sind die Frauen sehr gegenwärtig“, findet Ausstatter Christian Klein. Zwar verweist der Bühnen- und Kostümbildner auf „gewisse Anklänge an die Moden von damals“, doch in ein Museum will er die Fußball-Pionierinnen nicht stopfen. Was ihn besonders interessiert, ist der Raum. Denn anfangs hätten die Frauen keinen Raum, ihre Träume zu leben. „Den erobern sie sich mit ihrer Durchsetzungskraft“, sagt Tetzlaff. Dass die Frauen dieser Spielräume wieder beraubt werden, sobald die Männer aus dem Krieg zurückgekehrt sind, will Christian Klein ebenfalls im Bühnenbild spiegeln.

Spielt Musik im „Ladies Football Club“ denn auch eine Rolle? Gemeinsam mit Silvia Willecke, die als Gast in der Inszenierung dabei ist, hat Tetzlaff eine Sprachchoreografie einstudiert, „da wird auch gesungen“. So will das Regieteam die Zwischentöne in Massinis Text unterstreichen.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden Frauenteams zurückgepfiffen

Am Ende wurden die Frauen wieder zurückgepfiffen. Nach dem Ende des Krieges drängten die Männer die Frauen wieder zurück. 1921 wurden viele Frauenmannschaften zur Auflösung gezwungen und die Benutzung der Stadien in England wurde ihnen 50 Jahre lang verboten.

Vorurteile gegen den Frauenfußball gibt es bis heute auch in Deutschland – und das, obwohl die Fußballerinnen der Nationalmannschaft mit ihren Erfolgen auch auf internationalem Parkett Massen begeistern. Noch in den 1980er-Jahren durften Gymnasiastinnen nach Anweisung des damaligen Kultusministers Gerhard Mayer-Vorfelder nicht Fußball als Neigungsgruppe wählen – für Jungen war Gymnastik tabu. „Ladies Football Club“ macht nach Tetzlaffs Worten dennoch Frauen Mut, sich zu behaupten.

Die nächsten Spieltermine: Premiere ist am 16. Mai um 19.30 Uhr im Schauspielhaus des Esslinger Theaters; 23. Mai in Esslingen und 15. Juni um 20 Uhr in der Nürtinger Stadthalle K3N.