Nur noch zwei Standorte werden ernsthaft diskutiert: Der Gemeinderat tendiert zum Neubau an der Küferstraße. Aber auch der Um- und Ausbau in der Heugasse ist denkbar. Foto: Rudel

Erst im Herbst werden die Esslinger wissen, wo die neue Stadtbücherei gebaut wird. Die Verwaltung und die Parteien wollen die Bürger zunächst über Vor- und Nachteile der Standorte informieren.

Esslingen - Eigentlich hätte der Esslinger Gemeinderat am kommenden Montag, 24. Juli, in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause die Grundsatzentscheidung treffen wollen, an welcher Stelle die neue Stadtbücherei entstehen soll. Doch weil das Thema hoch emotional diskutiert wird, wollen die SPD, die Freien Wähler und die Grünen zunächst noch einen Zwischenschritt einlegen und die Bürgerschaft über die Vor- und Nachteile der vier angedachten Lösungen informieren.

Deshalb hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats am Montag in seiner nichtöffentlichen Sitzung beschlossen, am kommenden Montag zunächst nur die Vorlage, in der die Standorte abgewogen und konkrete Kostenschätzungen genannt werden, dem Gremium vorzustellen – und die Entscheidung über den Standort in den Herbst zu verschieben.

Infoveranstaltung Ende September im Rathaus

Die so gewonnene Zeit wollen die Kommunalpolitiker nutzen, um die vorliegenden Informationen auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Voraussichtlich Ende September wird es im Alten Rathaus eine Infoveranstaltung geben, in der der Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht und der Kulturbürgermeister Markus Raab die Standortoptionen Heugasse, Küferstraße/Kupfergasse, Blarerplatz sowie Kiesstraße/Küferstraße ausführlich vorstellen werden. Dabei können die Gäste Fragen zu der Standortuntersuchung stellen.

Erst nach dieser öffentlichen Informationsveranstaltung wird der Gemeinderat das umfassende Büchereipapier im Detail beraten. Das Ziel ist es, die Standortentscheidung nun am 9. Oktober in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause zu treffen. Die Verwaltung und der Gemeinderat reagierten mit dieser Entscheidung unter anderem auf Kritik aus dem Bürgerausschuss Innenstadt, der besonders im Hinblick auf den von einer deutlichen Mehrheit des Gemeinderats favorisierten Standort an der Küferstraße weiteren Informationsbedarf angemeldet hatte. Der auf Vorschlag der Grünen von allen Fraktionen eingebrachte Vorschlag, die Bücherei in einem Neubau direkt neben der Musikschule unterzubringen, war erst vor wenigen Wochen in der öffentlichen Diskussion aufgetaucht.

„Wir haben nichts zu verbergen“

Andreas Koch, Annette Silberhorn-Hemminger und Carmen Tittel, die Fraktionsvorsitzenden der SPD, der Freien Wähler und der Grünen, verteidigten die Verschiebung. Andreas Koch: „Bei einem solchen Projekt, das ja immerhin 20 Millionen Euro kosten wird und das in der Öffentlichkeit auf großes Interesse stößt, sollten die Bürger eingebunden werden.“ Annette Silberhorn-Hemminger ergänzt: „Es kommt ja nicht so oft vor, dass wir ein so großes und positiv besetztes Projekt auf den Weg bringen“, und Carmen Tittel erklärt: „Wir haben nichts zu verbergen.“

„Wir hätten auch schon in der kommenden Woche entscheiden können“, betont hingegen der kulturpolitische Sprecher der CDU, Edward-Errol Jaffke. Die CDU sei der Überzeugung, dass ein Neubau die besseren Entwicklungspotenziale habe als die „kuschelige“ Bücherei in der Heugasse. Jetzt gingen wieder drei Monate ins Land, in denen die Stadt bereits den architektonischen Wettbewerb hätte ausschreiben können. Edward-Errol Jaffke sagt: „Diese Zeit hätte man sich auch sparen können.“ Sollte die Grundsatzentscheidung für die Küferstraße fallen, will die Stadtverwaltung einen städtebaulichen Wettbewerb ausschreiben.

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