Kinderbetreuung kann herausfordernd sein. Die Pandemie mit Lockdowns, Kita-Schließungen und zu kalte Temperaturen für Outdoor-Aktivitäten machen Eltern das Leben schwer. Doch in der Pliensauvorstadt gibt es eine Alternative.
Wupps. Wieder fliegt ein kleiner Ball heraus. Mit einer Eselsgeduld heben Väter und Mütter die kunterbunten Spielgeräte auf und werfen sie zurück ins Bällebad, wo ihre Kinder schon sehnsüchtig darauf warten. Malte Seidel macht mit beim Elternsport – ohne erkennbare Ermüdungserscheinungen. Seine Tochter, so erklärt der engagierte Vater, sei drei Jahre alt, ein Pandemie-Kind, eine unter den Lockdowns Leidende, die daher nur wenig Kontakt zu Altersgenossen und anderen Kindern hatte. Das ist ein Grund, warum er an diesem Montagnachmittag zum Indoor-Spielplatz in das Gemeindehaus St. Elisabeth in der Pliensauvorstadt gekommen ist.
Es ist ein Spieleparadies auf Zeit. Seit Anfang Januar bieten der Förderverein des Esslinger Stadtteils und die katholische Kirche Esslingen einmal wöchentlich diesen Erlebnispark mit Spielgeräten, Sitzmöglichkeiten und Krabbelbereich für Kinder im Alter von bis zu vier Jahren an.
Warten auf Kita-Plätze
Phil Maier nutzt ihn gern. Der Vater sitzt weiter hinten im Raum und hat ein wachsames Auge auf seine Tochter. Einen Kita-Platz habe er für sie noch nicht bekommen, obwohl er keine besonderen Ansprüche an Ort oder Ausrichtung stelle, erzählt er. Er und seine Ehefrau seien auf der Suche nach einem Platz, und in der Zwischenzeit seien sie froh über das Angebot in der Pliensauvorstadt. Phil Maier ist vom Fach, arbeitet als Erzieher im Waldkindergarten Kirchheim und weiß daher, wie wichtig der Kontakt von Kindern zu ihren Altersgenossen ist.
Im Gemeindehaus geht es munter-fröhlich zu. Die lebhafte Atmosphäre gefällt Gert Hartmann und Gudrun Becker vom Förderverein Pliensauvorstadt. Gelassen bieten die beiden Hefezopf als unvermeidlichen schwäbisch-kulinarischen Evergreen, Kaffee, Tee und Snacks an der Theke des Gemeindehauses für die Erwachsenen an. Die Bewohner sollen sich in ihrem Stadtteil, in der Pliensauvorstadt, wohlfühlen, sagen sie. Dieses Gefühl des Ankommens und Zu-Hause-Seins wollen sie mit verschiedenen Angeboten vermitteln, und darum machen sie und viele weitere Ehrenamtliche mit beim Projekt Winter-Indoor-Spielplatz. Zum ersten Termin seien über 100 Besucher gekommen – das habe sie fast an die Kapazitätsgrenze gebracht. An den restlichen Montagen waren immer noch über 70 Gäste da. Das zeige deutlich den Bedarf.
Warmer Ort an kalten Tagen
Den kannte Raphael Maier schon zuvor. Er habe vor einiger Zeit mit seinen eigenen Kindern an einem ähnlichen Indoor-Angebot in Esslingen teilgenommen, erzählt der Pastoralreferent und Cityseelsorger der Katholischen Kirche Esslingen. Als im Sommer klar wurde, dass die Preise auch für das Heizen nach oben gehen und die Inflation immer weiter steigen würde, wurde er aktiv und stieß das Projekt in der Pliensauvorstadt an. Für Kinder sollte ein Ort zum Austoben, für Eltern eine Begegnungsstätte geschaffen werden, sagt der Theologe: „Wir wollen jungen Familien aller Milieus angesichts der Energiekrise im Winter einen warmen Ort bieten, für den kein Eintritt bezahlt werden muss.“ Bei niedrigen Temperaturen seien die Outdoor-Spielplätze nicht so attraktiv. Bis Ende März, sagt er, soll das Angebot laufen. Wenn das Wetter wieder besser werde, könnten die Kleinen auch draußen spielen. Aber Raphael Maier liebäugelt mit einer Neuauflage im nächsten Winter.
Patricia Sobl ist froh, dass es jetzt die Indoor-Spielmöglichkeit gibt. Drei Monate und zweieinhalb Jahre alt sind ihre Söhne. Der Kindergarten des Älteren, sagt sie, sei an diesem Tag kurzfristig wegen Personalmangels und eines hohen Krankenstands geschlossen worden. Da war sie froh um die Alternative im Gemeindehaus St. Elisabeth. Dort wurde an vieles gedacht. Im Foyer steht sogar ein Behältnis mit Söckchen in den Signalfarben orange, rot und gelb. Zur Sicherheit, sagt Raphael Maier – falls jemand vergessen sollte, dass das Gemeindehaus nur mit Hausschuhen oder Stoppersocken betreten werden darf. Bällebad, Rutsche und Kletterturm sind die Favoriten der Kinder, für die Allerkleinsten wurde ein Extra-Bereich zum Krabbeln und Liegen eingerichtet. Für Erwachsene werden Begegnungsmöglichkeiten, ein Ruheraum und Lektüre geboten. Nach dem Ende des Indoor-Angebots werden die Spielgeräte zur Seite geräumt, damit das Gemeindehaus für andere Zwecke genutzt werden kann. Doch es ist Raphael Maier wichtig, dass das Angebot keinen kirchlich-missionierenden Hintergrund hat – willkommen seien Menschen aller Konfessionen oder ohne kirchliche Bindung.
Beliebtes Bällebad
Sogar bei der Auswahl der Lektüre in der Leseecke für die Erwachsenen habe er darauf geachtet, dass ein breites Angebot gemacht werde. Ob die Mütter und Väter allerdings zum Lesen kommen, ist fraglich. Die Aufsichtspflicht liegt während des Besuchs des Indoor-Spielplatzes weiterhin bei ihnen. Auch darum sind die Eltern gut beschäftigt. Etwa am Bällebad. „Mama, gib mir den Ball zurück“, ruft ein Steppke noch. Und wieder fliegt ein Ball heraus.
Die Pliensauvorstadt und ihre Events
Veranstaltung
Der Indoor-Spielplatz im Gemeindehaus St. Elisabeth im Häuserhaldenweg 38 in der Pliensauvorstadt in Esslingen hat bis Montag, 27. März, immer montags zwischen 14.30 und 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Förderverein
Der Förderverein Pliensauvorstadt wurde 2003 gegründet und möchte das Gemeinwesen in dem Esslinger Stadtteil fördern. Das geschieht durch verschiedene Aktionen wie drei bis vier Stadtteilspaziergänge im Jahr, einen Spieletreff, Basteln oder das jährliche Stadtteilfest „Pliensauvorstadt live“ im Mai.
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