Ein verregnetes Kino auf der Burg hat das Koki in die Bredouille gebracht. Foto: Christian Bendig

Esslinger Kultureinrichtungen stoßen immer häufiger an ihre finanziellen Grenzen. Die Stadt will dem Kulturzentrum Dieselstraße unter die Arme greifen. Um eine starke Szene zu bewahren, braucht es jedoch Planungssicherheit und langfristige Perspektiven.

Esslingen ist stolz auf eine starke und facettenreiche Kulturszene mit einem eigenständigen, weithin geschätzten Profil. Mit den kulturellen Vorzügen der Stadt schmückt sich gerne auch die Politik. Was Wertschätzung wirklich bedeutet, zeigt sich allerdings erst in schwierigen Zeiten. Letztere haben viele Künstler und Kultureinrichtungen in Coronazeiten und danach schmerzlich zu spüren bekommen. Vieles hat sich wieder normalisiert. Trotzdem leidet die Kultur an ganz eigenen Long-Covid-Symptomen, weil das Publikum noch nicht so zahlreich kommt wie vor der Pandemie. Dabei wären starke Besucherzahlen angesichts rasant gestiegener Kosten nötiger denn je.

 

Es ist gut und ehrenvoll, wenn die Stadt Esslingen dem Kulturzentrum Dieselstraße in der Not unter die Arme greift. Doch allein mit Erste-Hilfe-Maßnahmen ist es auf Dauer nicht getan. Wenn Künstler und Kultureinrichtungen ständig mit Existenznöten kämpfen, muss die Kreativität leiden. Wenn das Budget immer stärker durch Ausgaben etwa für Miete und Energie belastet wird und die Förderung durch die öffentliche Hand nicht im selben Maße steigt, kann das nur auf Kosten des Angebots gehen. Und schon beißt sich die Katze in den Schwanz, weil Abstriche am Programm kaum geeignet sind, den Publikumszuspruch zu steigern.

Nur gemeinsam stark

Dieses generelle Problem lässt sich nicht mit punktuellen Pflästerchen lösen. Koki und Dieselstraße markieren nur die Spitze eines Eisbergs. Matthias Klopfer hatte völlig recht, als er im OB-Wahlkampf für die ersten hundert Tage seiner Amtszeit einen Kulturgipfel angekündigt hatte, bei dem alle Fragen, Wünsche, Nöte, Ideen und Visionen der Esslinger Kulturszene auf den Tisch kommen, um gemeinsam einen stabilen Weg in die Zukunft zu finden. Höchste Zeit, dass diese gute Gipfel-Idee realisiert wird. Wenn die Probleme nicht grundlegend angepackt werden, darf man sich nicht wundern, wenn vieles, was die Esslinger Kultur auszeichnet, irgendwann verschwindet. Nur wenn alle Beteiligten – Künstler, Kultureinrichtungen, Kommunalpolitiker und Publikum – ihren Beitrag zum Gelingen leisten, kann die örtliche Szene ihre hohe Qualität halten. Was einmal verspielt wurde, kann für immer verloren sein. Und dann würde einer funktionierenden Stadtgesellschaft weitaus mehr fehlen als nur ein netter Zeitvertreib.