Ein Blick in die Zukunft: So stellen sich die Planer das Bild der Ritterstraße nach der geplanten Umgestaltung vor. Foto: Stadt Esslingen / GDLA

Pläne für eine schönere Ritterstraße gibt es in Esslingen schon lange, gescheitert sind sie jedoch an den Finanzen. Nach dem Jubiläum 2027 will die Stadt Ernst machen.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird im Esslinger Rathaus über eine Aufwertung der Ritterstraße diskutiert. Erklärtes Ziel ist es, „dieses wichtige Bindeglied zwischen östlicher und westlicher Altstadt als sozialen, öffentlichen und vielfältig nutzbaren Raum zu stärken“. An Vorschlägen, Wünschen und Ideen fehlt es nicht, doch die knappen Kassen haben der Stadt immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun will man Ernst machen – allerdings erst nach dem Stadtjubiläum 2027. Eine konkretisierte Planung wurde nun im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) des Gemeinderats vorgestellt. Stattliche Zuschüsse, mit denen man im Rathaus rechnet, sollen die Realisierung ermöglichen. Ob sich auch der Wunsch nach einem Zugang zum Rossneckar erfüllen lässt, ist allerdings ungewiss.

 

Mit der Umgestaltung der Ritterstraße will die Stadt die Aufenthaltsqualität verbessern und zur Belebung der östlichen Altstadt beitragen. „Trotz der komplexen Rahmenbedingungen und der vielfältigen Anforderungen ist es gelungen, im Planungsbereich ein Mehr an grüner Infrastruktur zu schaffen“, ist die Verwaltung mit Blick auf das Konzept des Heidelberger Planungsbüros GDLA überzeugt.

Dazu gehören acht weitere Baumstandorte, attraktivere Baumbeete in der Ritterstraße sowie zwei zusätzliche Baumstandorte in der Küferstraße. Fußgänger und Radfahrer sollen in der Ritterstraße gleichberechtigt unterwegs sein, beschattete Zonen sollen den Blick zur Altstadt und zum Wasser eröffnen, die Straße mit ihrer reichen Geschichte soll als historische Flaniermeile erkennbar sein. Der Rossneckarplatz am Eingang zur Ritterstraße aus Richtung Maille-Kreuzung, der sich heute als schmucklose Parkfläche unter Wert verkauft, soll zu einem Kristallisationspunkt urbanen Lebens werden.

Esslinger Stadträte behalten die Finanzlage im Blick

Wo heute noch Autos parken, könnte ein Kristallisationspunkt urbanen Lebens entstehen. Foto: Roberto Bulgrin

Weil die Stadt erst nach dem Stadtjubiläum mit der Umgestaltung der Ritterstraße beginnen will, um im Jubeljahr nicht zu viele Baustellen in der Innenstadt zu haben, sind für 2027 temporäre Maßnahmen geplant, die eine erste Ahnung von den geplanten Veränderungen geben sollen. Die eigentliche Neugestaltung soll erst 2028 beginnen und in Etappen über die Bühne gehen, wobei die Stadt die Finanzen angesichts der angespannten Haushaltslage genau im Blick behalten möchte. OB Matthias Klopfer hat unlängst verordnet, dass neue Investitionen nur dann umgesetzt werden, „wenn sie weitgehend durch Fördermittel oder das Sondervermögen des Bundes finanziert werden können“. Bei der Ritterstraße sieht sich Finanzbürgermeister Ingo Rust auf der sicheren Seite: Das Projekt wird in drei Etappen realisiert, die Kosten werden auf fünf Millionen Euro begrenzt, wobei die Stadt guten Mutes ist, 3,2 Millionen Euro an Zuschüssen zu bekommen. Nach dem formellen Baubeschluss, den der Gemeinderat noch bestätigen muss, kann noch in diesem Jahr ein offizieller Förderantrag eingereicht werden. Die Aussichten auf Bewilligung schätzt man im Rathaus als positiv ein.

Im ABMK fanden die Pläne einhellige Zustimmung. Dass die Stadt dieses Projekt in finanziell angespannten Zeiten anpackt, fand Tim Hauser (CDU) allerdings unglücklich: „Da wurde in den vergangenen 20 Jahren viel Zeit verplempert.“ Ob das vorhandene Pflaster durch einen neuen Bodenbelag ersetzt werden muss, der dem neuen Belag am Marktplatz ähnelt, bezweifelte Hauser, der die Realisierung des Projekts an die Bewilligung der Fördergelder knüpft. Carmen Tittel (Grüne) legte Wert auf die Feststellung, dass die Stadt trotz klammer Kassen auf Investitionen nicht verzichten dürfe. Sie bemängelte, dass der seit Jahren geforderte Zugang zum Rossneckar fehlt. „Andere Städte schaffen das doch auch.“ Doch da verwies Yvonne Bast-Schöning, die das Projekt im Stadtplanungsamt betreut, auf allzu hohe Hürden: Einerseits stehe der Denkmalschutz größeren Eingriffen ins historische Mauerwerk der Rossneckar-Einfassung entgegen. Und andererseits münde just an dieser Stelle ein Mischwasserkanal in den Rossneckar, was zu hygienischen Problemen führen könne.

Zugang zum Rossneckar bleibt ein Thema

Bei Veranstaltungen wie den Gartentagen herrscht Trubel in der Ritterstraße. Foto: Roberto Bulgrin

Daniel Scharpf (SPD) begrüßte die Pläne, beklagte aber den zwei Jahrzehnte dauernden Vorlauf. Er würde sich wünschen, dass im Zuge der Ritterstraßen-Umgestaltung auch die lange geforderte öffentliche Toilette in diesem Bereich gebaut wird. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) zeigte sich „bereit, die Planungen weiterhin mitzugehen“, will die Entwicklung der städtischen Finanzen jedoch genau im Blick behalten. Genau wie Rena Farquhar (FDP/Volt) wollte aber auch sie wissen, wie lange die Stadt notfalls die Bremse treten könne. Farquhar findet überdies: „Nicht alles, was eine Förderung bekommt, muss realisiert werden.“ Finanzbürgermeister Ingo Rust sieht bis zur förmlichen Ausschreibung der Bauarbeiten 2027 die Möglichkeit, das Projekt zu stoppen. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel sagte derweil zu, im Bereich der Maille nach anderen Möglichkeiten für einen Zugang zu den Esslinger Neckarkanälen zu suchen.

Die Ritterstraße im Wandel der Zeit

Die Straße
 Die Ritterstraße verbindet die Fischbrunnenstraße im Norden und die Kiesstraße im Süden der östlichen Altstadt. Sie ist ein Entree zur Innenstadt.

Die Geschichte
Nach dem Stadtbrand von 1701 wurde die heutige Ritterstraße als barocke Repräsentationsstraße neu angelegt.

Die Gebäude
Das aktuelle Bild der Ritterstraße wird vor allem geprägt durch das Amtsgericht im einstigen reichsstädtischen Rathaus sowie den Ritterbau, der einst Palais des Ritterkantons Kocher war. Typisch sind einige Wohn- und Geschäftshäuser im neubarocken Stil. Das Gebäude Ritterstraße 5 beherbergte einst die Konsumgenossenschaft. In der Ritterstraße 17 ist heute das Technische Rathaus der Stadt Esslingen untergebracht.

Der Verkehr
Da das Verkehrsaufkommen in der Ritterstraße vor allem wegen des Parksuchverkehrs von Anwohnern und Verwaltung als störend bewertet wurde, hat die Stadt 2016 mit Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung begonnen. Seit Februar 2021 ist die Ritterstraße bereits Fußgängerzone.