Mit Pollern und Tempo 30 wollte die Stadt Esslingen die Situation in der Sulzgrieser Straße verbessern – dafür gab’s Kritik. Nun ist der Versuch beendet – manches bleibt.
Kaum ein Thema hat die Menschen im Esslinger Stadtteil Sulzgries zuletzt derart bewegt wie der Verkehrsversuch in der Sulzgrieser Straße: Mit Pollern, Leitschwellen, veränderten Parkregelungen und einer durchgehenden Tempo-30-Regelung zwischen Sulzgries und Rüdern wollte die Stadt die Verkehrssituation verbessern. Bei vielen Anwohnern kam das, was die Kommune umgesetzt hat, jedoch gar nicht gut an: Als die CDU im vergangenen Herbst zum Lokaltermin bat, kamen rund 120 Interessierte, die allermeisten machten ihrem Ärger Luft. Dennoch blieb der Versuch bislang bestehen – sehr zum Ärger der CDU-Ratsfraktion, die noch vor wenigen Tagen zum wiederholten Mal auf ein Ende drängte. Nun meldet die Stadt Vollzug: „Der Verkehrsversuch in der Sulzgrieser Straße ist beendet.“
Im Rathaus verweist man darauf, dass seit vielen Jahren Klagen kommen, dass auf der Sulzgrieser Straße zu schnell gefahren wird. Deshalb habe man in einem Verkehrsversuch seit Sommer 2025 „verschiedene Maßnahmen erprobt, die die Situation verbessern und die Sicherheit erhöhen sollen“. Dieser „befristet angeordnete und fachlich begleitete Verkehrsversuch“ sei nun beendet worden. Ein Großteil der Maßnahmen werde nun dauerhaft umgesetzt, die Ergebnisse des Verkehrsversuchs werden am 6. Mai im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) des Gemeinderats vorgestellt.
Verbessern die Maßnahmen in Sulzgries die Übersichtlichkeit?
Zwischen Sulzgries und Rüdern gilt nun durchgehend Tempo 30. Das Parken auf Höhe der Kirche und des Friedhofs bleibt zeitlich begrenzt. Bleiben sollen auch die Halteverbote sowie die größeren Ausweichflächen für den Busverkehr. „Diese Maßnahmen verbessern die Übersichtlichkeit“, findet die Verwaltung. Die zusätzliche Querungshilfe auf Höhe der Kirche sowie punktuell angebrachte Poller auf Gehwegen sollen ebenfalls bleiben. Neben den Markierungen der Vorfahrtsregelungen in Rüdern hält die Stadt auch an den angepassten Parkmarkierungen an den Einmündungen fest.
Dagegen verschwinden die provisorischen Einengungen vor dem Bürgerhaus beziehungsweise rund um den Bauernackerweg, die sich laut Verwaltung nicht bewährt hätten. „Ziel dieser Einengungen war es, die Geschwindigkeit im Ortsteil Rüdern zu senken“, erklärt die Stadt. „Dies ist nicht gelungen: Im Durchschnitt wird weiterhin deutlich schneller als Tempo 30 gefahren. Deswegen sollen mobile oder teilstationäre Geschwindigkeitsüberprüfungen sowie Geschwindigkeitsdisplays regelmäßig eingesetzt werden.“ Baubürgermeister Hans-Georg Sigel und Ordnungsbürgermeister Yalcin Bayraktar sind sich einig: „Unser Ziel ist es weiterhin, die Geschwindigkeit auf der gesamten Strecke zu reduzieren und so die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen.“
Schon im Januar 2025 hatte die CDU-Ratsfraktion „Maßnahmen zur Regelung des Parkens in der Sulzgrieser Straße zwischen Feuerwehr und Bürgerhaus“ gefordert und „das vermehrte Auftreten von Dauerparkern, darunter Lastwagen und Anhänger, die nie bewegt werden“ moniert. Das behindere nicht nur den Verkehrsfluss erheblich, sondern gefährde auch die Verkehrssicherheit, hieß es damals. Dass die Stadt das Parken im Bereich von Kirche und Friedhof – wie von der CDU gefordert – inzwischen zeitlich begrenzt hat, begrüßt Fraktionschef Tim Hauser. Dagegen hat er den Verkehrsversuch, mit dem weitere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung erprobt werden sollten, von Anfang an kritisch gesehen: „Seit Beginn der Maßnahme erreichen die CDU-Gemeinderatsfraktion fast wöchentlich zahlreiche E-Mails und Hinweise von Anwohnerinnen und Anwohnern sowie von Verkehrsteilnehmern“, ließ Hauser die Verwaltung im Januar wissen.
„Untauglich und sogar kontraproduktiv“
Fraktions-Vize Herbert Schrade kam nach zahlreichen Gesprächen vor Ort zu dem Schluss: „Der Verkehrsversuch schafft mehr Probleme als Lösungen und ist für viele Anwohner nicht mehr zumutbar.“ Für zusätzliche Verunsicherung hatte gesorgt, dass provisorische Fahrbahnmarkierungen zwischenzeitlich dauerhaft angebracht und erst auf Hausers Hinweis hin wieder beseitigt worden waren.
Dass die Stadt den Verkehrsversuch beendet hat, begrüßt Hauser: „Das war höchste Zeit, weil sich vieles als untauglich und sogar kontraproduktiv erwiesen hat. Das haben viele Bürgerinnen und Bürger bestätigt, die eine Verbesserung der Verkehrssituation wollen, aber tagtäglich feststellen mussten, dass es so nicht geht.“ Deshalb will es Hauser mit der Ankündigung aus dem Rathaus, dass einzelne Maßnahmen dauerhaft etabliert werden, nicht bewenden lassen: „Wir wollen am 6. Mai im Ausschuss nicht nur informiert werden, sondern nochmals im Einzelnen darüber sprechen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und was verzichtbar ist. Das sind wir den Menschen vor Ort schuldig.“
Blick zurück
Ausgangslage
Die Verkehrssituation in der Sulzgrieser Straße beschäftigt die Esslinger Stadtverwaltung schon seit einigen Jahren. „Geschwindigkeitsmessungen und andere Maßnahmen wie eine beidseitige Einengung am Ortseingang haben bisher nicht zur gewünschten dauerhaften Geschwindigkeitsreduktion geführt“, heißt es im Rathaus.
Verkehrsversuch
Die Stadtverwaltung hatte die Sulzgrieser Straße im vergangenen Jahr zwischen der Feuerwehr Sulzgries und der Uhlbacher Straße zusammen mit der Polizei und den städtischen Verkehrsbetrieben überprüft und mögliche Maßnahmen entwickelt. Diese wurden mit dem Bürgerausschuss RSKN abgestimmt und in der Einwohnerversammlung sowie im ABMK vorgestellt. Die Umsetzung vor Ort erfolgte nach den Sommerferien 2025. Doch die Kritik im Stadtteil war von Anfang an unüberhörbar.