Das Theaterstück handelt von verbalen Hänseleien, Cyber-Mobbing und physischer Gewalt Foto: Ines Rudel

Das Theaterstück „Am Limit!“ zeigt Jugendlichen, wie sie gegen Mobbing und Gewalt vorgehen können. Der Initiator des Projekts ist der Esslinger Verein Ein Stern für Lena* Gegen Gewalt!, der Angebote zur Gewaltprävention initiiert und finanziell unterstützt.

Esslingen - „Idiot!“ Die Formen der Gewalt sind ganz unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von verbalen Hänseleien, über das Cyber-Mobbing im Internet bis hin zur physischen Gewalt. Die Ludwigsburger Theatergruppe Q-Rage spielte am Donnerstag auf Initiative des Vereins Ein Stern für Lena * Gegen Gewalt! das Stück „Am Limit!“ auf der Bühne im Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße. Die Geschichte zeigt Szenen zu den Themen Gewalt und Mobbing aus dem Alltag vieler Jugendlicher.

Der Esslinger Verein Ein Stern für Lena* Gegen Gewalt! hat es sich zur Aufgabe gemacht, gewaltpräventive Angebote und Fortbildungsveranstaltungen in Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen Projekte zu initiieren und finanziell zu fördern. Die Namensgeberindes Vereins ist Lena Wacker, die 2015 im Alter von 21 Jahren in Stuttgart von ihrem Mitbewohner ermordet wurde. Nach dem Mord an ihrer Tochter haben die Eltern den Verein gegründet.

Mobbing und Hänseleien gehören zum Schulalltag

Die Schüler Julia (Laura Pletzer) und Max (Tobias Wagenblaß) sind bei „Am Limit!“ dickste Freunde. Als eine neue Mitschülerin, Anna, von dem Klassenkameraden Andi gemobbt wird, reagieren sie aber völlig unterschiedlich. „Alles nicht so schlimm, ist doch nur Spaß“ findet Max. Julia sieht das aber ganz anders. „Wir müssen da etwas machen“, meint sie. Das Mädchen hilft Anna, und wird damit selbst zur Zielscheibe der Hänseleien ihrer Mitschüler. Sie steht als Petze da, weil sie Andi bei der Klassenlehrerin gemeldet hat und wird nun unter anderem bei Instagram gemobbt. „Ich kann es nicht löschen, ich kann nichts machen“, ist die Jugendliche verzweifelt.

Zwischen den einzelnen Szenen des Stücks legen die beiden Schauspieler auf der Bühne immer wieder ihre Rollen ab und suchen das Gespräch mit dem Publikum. Die jeweiligen Ereignisse sollten nicht ohne eine Aufarbeitung bleiben. „Spaß ist es nur, wenn alle darüber lachen können“, erklärt die Schauspielerin Pletzer. Sobald einer der Beteiligten die regelmäßigen Hänseleien nicht mehr als Spaß verstehe, sei es Mobbing, stellt sie klar. Einen Lehrer oder die Eltern zu Hilfe zu holen habe nichts mit petzen zu tun. „Wenn ich es selbst nicht mehr lösen kann, ist es absolut gerechtfertigt, zu jemandem zu gehen“, erklärt Pletzer.

Die Themen Gewalt und Mobbing wurden im Unterricht aufgearbeitet

Im Zuge der Geschichte über Julia und Max geraten die beiden Freunde in Streit. Sie drohen sich zu entzweien, weil Max seiner Freundin zunächst nicht hilft. Zum Schluss gibt es aber doch noch ein Happy-End. „Es war heftig, die Gefühle von Julia zu spüren“, gibt die Schauspielerin Pletzer nach dem Ende des Stücks zu. Und Tobias Wagenblaß, der den Max spielte, ergänzt: „Es braucht eine gewaltige Portion Mut, den ersten Schritt zu gehen. Jeder kann einen Beitrag zu einer menschlicheren Welt leisten.“ Wer eine Situation beobachte, in welcher jemand Hilfe benötige, und nicht selbst eingreifen wolle, könne immer noch Hilfe holen, indem er etwa mit dem Handy die Polizei ruft.

Im Publikum sitzen während den Vorstellungen mehrere hundert Schüler der Esslinger Lerchenäckerschule, der Schule Innenstadt Esslingen und der Realschule Remshalden (Rems-Murr-Kreis) sowie der Albert-Schweizer-Schule aus Stuttgart. Neben dem Besuch des Theaterstücks wurden die Themen Gewalt und Mobbing auch im Unterricht aufgearbeitet.

Dass die Szenen der Theatergruppe Q-Rage den Alltag vieler Jugendlicher widerspiegeln, bestätigen vier Schüler aus Esslingen nach der Vorstellung im Foyer des Kulturzentrums. In der Schule sowie in den sozialen Medien werde gemobbt, erklärt ein Junge. Und seine Schulkameradin berichtet davon, wie ein Mädchen ihre Schule verlassen musste, weil sie von ihren Mitschülern regelmäßig bedrängt worden sei.

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