Lange Zeit ging wenig voran – nun drückt die Stadt Esslingen bei der Neugestaltung ihres Marktplatzes aufs Tempo. Einstimmig hat der Gemeinderat die Planung nun abgesegnet – bis Pfingsten des Jubiläumsjahres 2027 soll der neue Marktplatz fertig sein.
Lange Jahre zogen sich die Diskussionen über die künftige Gestaltung des Esslinger Marktplatzes wie Kaugummi – nun drückt die Stadt aufs Tempo: Bis Pfingsten 2027 soll sich die bislang schmucklose Fläche im Herzen der Innenstadt als Extra-Geschenk zum Stadtjubiläum attraktiver präsentieren als bisher. Einstimmig hat der Gemeinderat nun grünes Licht gegeben und das Konzept der Planer mit viel Beifall bedacht. „Viele warten, dass sich etwas tut“, weiß der Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Und er verspricht mit Blick auf weitere Projekte wie die Bebauung des Karstadt-Areals: „Das Gesicht unserer Innenstadt wird sich in den nächsten fünf Jahren nachhaltig positiv entwickeln.“
Zusammen mit Michael Höger, einem früheren Abteilungsleiter im Grünflächenamt, hatten die Stadtplaner im April 2024 Überlegungen für den Marktplatz vorgestellt. Daraus haben Yvonne Bast-Schöning vom Stadtplanungsamt und ihr Team mit den Esslinger Landschaftsarchitekten Gänssle und Hehr einen Entwurf entwickelt. Vorgabe war, dass der Marktplatz unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden muss – ob als Aufenthalts-, Markt- oder Veranstaltungsfläche. Beschlossen war bereits, dass die öffentlichen Stellplätze bis auf wenige Behindertenparkplätze verschwinden und dass der Marktplatz künftig „autoarm“ sein soll. Nur die Zufahrt zur Tiefgarage Kleiner Markt bleibt.
Mehr Platz für Gastronomie
Ein heller Pflasterbelag wird den bisherigen Asphalt-Flickenteppich ersetzen und den Platz im Sommer weniger stark aufheizen. Zusätzliche Bäume und begrünte Baumbeete spenden Schatten. Ein Fontänenfeld und ein Trinkwasserbrunnen sorgen für Abkühlung. Rings um den Marktplatz soll es rund 300 Quadratmeter mehr Fläche für die Außengastronomie geben. Neue Sitzbänke an den Baumbeeten laden zum Verweilen ein. Der Marktplatz wird barrierefrei gestaltet, ein Blindenleitsystem bietet künftig Sehbehinderten Orientierung. Dezente Lichtinszenierungen erinnern an das frühere Katharinenspital.
Insgesamt will die Stadt in den nächsten Jahren 11,2 Millionen Euro in den Marktplatz und seine Peripherie investieren – 7,5 Millionen Euro kostet die Aufwertung des Platzes, weitere 3,5 Millionen Euro sind für den zweiten Bauabschnitt, der sich nach 2027 der Abt-Fulrad-Straße und der Agnespromenade widmen wird, veranschlagt. Pläne für den Kleinen Markt gibt es noch nicht – verschiedene Ratsfraktionen legen jedoch Wert darauf, dass dieser Bereich ebenfalls im Blick bleibt. Für Baubürgermeister Hans-Georg Sigel ist klar: „Die Neugestaltung des Marktplatzes ist ein sehr ambitioniertes Projekt. Das ist nur durch Einhaltung eines sehr, sehr straffen Zeitplans machbar.“ Und er versprach, die Stadt werde sich bemühen, die unvermeidlichen Belastungen der Anwohner so gering wie möglich zu halten.
Kleiner Markt bleibt im Fokus
Wie zuvor in zwei Ausschusssitzungen fanden die Pläne nun auch im Gemeinderat einhellige Zustimmung. Stefanie Schantze (CDU) freut sich, dass sich endlich etwas tut: „Das ist höchste Zeit.“ Wert legt ihre Fraktion darauf, dass der Bodenbelag pflegeleicht ist, dass die Fluchtwege ausreichend groß sind und dass ein regelmäßiger Austausch mit Bürgerausschuss, Gastronomie und Marktbeschickern gepflegt wird. Carmen Tittel (Grüne) begrüßt die Planungen und legt ebenfalls Wert auf breite Beteiligung – gerade bei der Wahl des Bodenbelags. Dass sich die Stadt um Fördermittel bemüht, findet sie „richtig und wichtig“. Klar ist für sie: „Es muss einen dritten Bauabschnitt hinter dem Rathaus geben.“ Tittel kündigte einen Antrag ihrer Fraktion an, dass die Stadt die Parkplätze in der Tiefgarage Kleiner Markt fest vermieten und dass sie über eine bessere Zufahrt zur Tiefgarage nachdenken soll, um den Parksuchverkehr zu reduzieren. Ein klares Ja zu den Marktplatzplänen gab’s von Christa Müller (SPD), die die Forderungen ihrer Fraktion erfüllt sieht: „Die Aufenthaltsqualität steigt, der Platz wird für vielfältige Anforderungen funktionieren, und die Planung wird dem Klimawandel gerecht.“
Michael Weinmann (Freie Wähler) prophezeit: „Der Bodenbelag soll rutschfest und reinigungsfreundlich sein, aber er wird irgendwann eine gewisse Patina haben.“ Der Stadt empfiehlt er, bei der Ausschreibung darauf zu achten, dass nur Firmen zum Zug kommen, die leistungsfähig genug sind, um den engen Zeitplan einzuhalten. Rena Farquhar (FDP/Volt) regte mobile Spielmöglichkeiten für Kinder an, und sie forderte, den Kleinen Markt rasch in die Überlegungen einzubeziehen: „Sonst bleibt das ein Flickenteppich.“ Tobias Hardt (Linke/FÜR) ist überzeugt: „Das wird sehr schön – ein Luxus, der allen zugutekommen wird.“ Darüber dürfe die Stadt „ihre Brot-und-Butter-Aufgaben aber nicht vergessen“.
„Überzeugende Lösung“
Jürgen Häußler (AfD) lobte die Planungen und wünscht sich, dass die Stadt bei Ingenieurleistungen und Bauarbeiten weiter auf örtliche Gewerbetreibende setzt. Und Andreas Klöpfer (WIR/Sportplätze erhalten) sprach von einer „überzeugenden Lösung“ für den Marktplatz. Die Wahl der Oberflächen müsse vor Ort diskutiert werden. Bei der Möblierung hofft er, dass auch die bisherigen Holzplateaus erhalten bleiben.
Fontänenfeld = Fontänenfeld?
Marktplatz
Vom geplanten Fontänenfeld verspricht sich die Esslinger Stadtverwaltung wichtige Effekte: „Das zentrale Element zur Optimierung des Mikroklimas und Abmilderung des Hitzeinseleffekts bildet ein in die Belagsfläche integriertes Düsenfeld an der nördlichen Platzkante. Verortet gegenüber dem Kielmeyerhaus und nach Südwesten geneigt, bietet es mit seinen in zwei Gruppen gebündelten Fontänen Abkühlung, Spielwert und einen Spiegel der Umgebungsbebauung.“
Bahnhofsvorplatz
Ähnliches hatten die Grünen bereits 2023 für den Bahnhofsvorplatz angeregt. Stefanie Schantze (CDU) zeigte sich nun verwundert, dass das damalige Urteil der Stadt ganz anders klang: „Für den Betrieb von Fontänenfeldern und Nebeldüsen gelten strenge Hygienevorschriften mit detaillierten Vorgaben zu regelmäßigen Wasserproben und Reinigungsintervallen. Die Stadt Nürtingen hat sich zum Beispiel erst jüngst aufgrund dieser Problematik gegen den Einbau von Nebeldüsen entschieden. Fontänenfelder sind an sommerlichen Hitzetagen attraktive Anziehungspunkte und Spielbereiche, gerade auch für kleinere Kinder, und erfordern aus hygienischen Gründen daher entweder die ausschließliche Verwendung von sauberem Trinkwasser (in erheblichem Umfang) oder eine technisch aufwendige Filter- und Entkeimungsanlage. Aus Gründen des Gesundheits- beziehungsweise des Ressourcenschutzes ist beides nicht unkritisch und daher sorgfältig abzuwägen.“ Ob die Stadtverwaltung nun auch den früheren Vorschlag der Grünen zu einem Fontänenfeld auf dem Bahnhofsvorplatz neu bewerten wird, blieb in der Gemeinderatssitzung offen.