So wollen die Fans auch im Sommer 2024 Konzerte auf der Esslinger Burg erleben. Foto: Roberto Bulgrin

Internationale Stars waren auf der Esslinger Burg bereits zu Gast – die Gästeliste reicht von Al Jarreau über Van Morrison bis hin zu B. B. King. In der Open-Air-Saison 2024 setzt der Konzertveranstalter Music Circus auf starke Stimmen aus deutschen Landen.

Ein Blick aufs Thermometer macht in diesen Tagen nicht unbedingt Appetit auf Kulturgenuss unter freiem Himmel. Doch der nächste Sommer kommt bestimmt, und diese Aussicht weckt Vorfreude auf die Open-Air-Saison 2024. In Esslingen rückt dann die altehrwürdige Burg wieder in den Fokus: Dort gibt es jedes Jahr zur Sommerzeit nicht nur das Open-Air-Filmfestival des Kommunalen Kinos, sondern auch große Konzerte mit namhaften Gästen. Das Programm fürs kommende Jahr ist schon jetzt komplett: Die Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis eröffnet den sommerlichen Konzertreigen, gefolgt von Schlager-König Matthias Reim und der Sängerin und Songschreiberin Kerstin Ott. Und wenn sich diese Größen der deutschen Musikszene von der Burg verabschiedet haben, schlägt die Stunde der Film-Fans, die sich auf ein weiteres Kino auf der Burg freuen dürfen – diesmal hoffentlich bei deutlich besserem Wetter als in diesem Jahr.

 

Zwischen kräftigem Rock und zartem Folk

Mit Saltatio Mortis hat sich am 18. Juli 2024 eine Band angesagt, die es vorzüglich versteht, mittelalterliche Traditionen mit modernen Einflüssen zu vereinen. Die Jungs um ihren Frontmann Jörg Roth, der sich „Alea der Bescheidene“ nennt, können auf zwölf Alben, vier Nummer-eins-Platzierungen und eine goldene Schallplatte verweisen. Seit mehr als 20 Jahren ist die Band auf vielen Bühnen dieser Republik zuhause und versteht sich als verschworene Gemeinschaft. Das spürt man auch in ihren Konzerten. „Stetig getrieben von ihrer Neugier und Spielfreude betritt das Septett immer wieder neue Pfade und beweist mit jedem Album seine schier grenzenlose musikalische Kreativität“, wirbt der Veranstalter Music Circus. Die Texte kommen mitten aus dem prallen Leben, jeder Song hat auch etwas Autobiografisches und reflektiert Themen, die jeder kennt – und die die Menschen über die Generationen hinweg beschäftigen. Kenner und Liebhaber siedeln den Sound von Saltatio Mortis zwischen kräftigem Rock und zartem Folk an. Der Klang historischer Instrumente vereint sich mit der Wucht elektrischer Gitarren, gesellschaftskritische Worte stehen neben dem raffiniertem Wortzauber aus der nordischen Sagenwelt.

Wer an Matthias Reim denkt, der denkt unweigerlich an seinen Superhit „Verdammt, ich lieb’ Dich“, der 2,5 Millionen Mal verkauft wurden und 1990 stolze 16 Wochen lang auf Platz eins der deutschen Hitparade stand. Seither ist Reim, der am 19. Juli 2024 nach Esslingen kommt, eine feste Größe in der deutschen Musikszene. Hits wie „Ich hab’ geträumt von Dir“, „Ich hab’ mich so auf Dich gefreut“ oder „Ganz egal“ sind inzwischen in der Szene genau wie der Sänger selbst Kult. Matthias Reim ist in der Welt von Pop und Schlager zuhause, wobei er gerne auch mal rockigere Töne anschlägt. „Er ist immer derselbe geblieben – ein wenig verrückt, ein bisschen romantisch, ein gutes Stück Rock ’n’Roller – forever young“ – so charakterisieren ihn seine Fans. Und auch wenn er kürzlich in der Berliner Wuhlheide das 1500. Konzert seiner Karriere gespielt hat, bekommt das Publikum nie den Eindruck vermittelt, das alles sei für Matthias Reim inzwischen Routine. Der 65-Jährige gibt in jedem Konzert mächtig Gas, und wenn das Publikum schon nach den ersten Takten textsicher mitsingt, dann spürt man sofort, dass er den Fans mit seinen Texten aus dem Herzen spricht. Trotzdem ist er auf dem Boden geblieben: Wenn er mit immer neuen Superlativen bedacht wird, kontert Matthias Reim augenzwinkernd und in Anspielung auf seinen größten Hit cool: „Verdammt, bin ich das? Verdammt, bin ich das nicht? Jedenfalls kann ich allen Fans versprechen: Ich werd’ mich nicht verlieren …“

Texte für Herz und Seele

Im dritten Burg-Konzert des kommenden Jahres ist am 21. Juli die Sängerin und Songschreiberin Kerstin Ott auf der Esslinger Burg zu Gast. Nachdem die damalige Hobbymusikerin 2005 mit „Die immer lacht“ einen unverhofften Youtube-Hit gelandet hatte, mischt die heute 41-jährige Berlinerin seither mit Songs wie „Herzbewohner“, „Regenbogenfarben“, „Ich geh meinen Weg“, „Scheißmelodie“ oder „Nachts sind alle Katzen grau“ die deutschsprachige Schlagerszene auf. Das Geheimnis ihres Erfolgs sind neben einer starken Stimme und eingängigen Melodien vor allem ihre Texte, die nicht selten autobiografische Züge tragen. Themen wie Liebe, Mut und Hoffnung, Einsamkeit, Trauer, Stärke und der Willen, immer wieder aufzustehen, sprechen vielen ihrer Fans aus dem Herzen und der Seele. „Ich klopfe alles, was mir passiert, darauf ab, ob da eine Geschichte für einen Song drinsteckt, oder suche fiebrig nach diesem einen Wort, um das herum sich etwas stricken lässt“, hat Kerstin Ott in einem Interview verraten. „Manchmal sind es drei, vier Stunden, in denen nichts geht. Oft weiß ich das aber auch sofort und mache etwas anderes.“ Nur eines geht für sie gar nicht: einen Song abzuliefern, hinter dem sie nicht voll und ganz steht. Und diese Authentizität ist es, die viele ihrer Fans ganz besonders an ihr schätzen.

Illustre Namen auf der Burg

Die Burg
 Hoch über den Dächern der Altstadt gelegen, prägt die Burg das Bild der Esslinger Altstadt. Dabei war die Anlage nie eine Burg im eigentlichen Sinne, sondern Teil der Esslinger Stadtbefestigung. Heute ist die Burg eine Touristenattraktion – der Dicke Turm und die Hochwacht zählen zu den beliebtesten touristischen Fotomotiven. Zur Sommerzeit bietet das historische Gemäuer eine stimmungsvolle Kulisse für Kulturveranstaltungen. Das war schon Ende der 60er-Jahre so, als dort das erste Burgfestival über die Bühne ging. Im Kultursommer 1993 wurde die Burg vollends zum Schauplatz unterschiedlichster Open-Air-Kulturveranstaltungen: Ob Oper, Rockkonzerte mit Größen wie den Hooters oder Willy De Ville, die zauberhaften Aufführungen der spanischen Theatertruppe La Fura Dels Baus und das Open-Air-Filmfestival des Kommunalen Kinos machten damals Lust auf mehr Kultur auf Esslingens Höhen.

Die Gäste
Internationale Stars gaben sich auf der Burg bereits ein Stelldichein: Ob Van Morrison, Ritchie Blackmore, Rosanne Cash, B. B. King, Katie Melua, Al Jarreau, Eric Burdon, Runrig, Steve Winwood, Crosby, Stills & Nash oder Ian Anderson und die Band Jethro Tull – sie alle wussten das besondere Ambiente sehr zu schätzen. Aber auch Stars der deutschen Szene wie Wolfgang Niedecken und BAP, Konstantin Wecker, Hannes Wader, In Extremo, Pur oder Schlager-König Dieter Thomas Kuhn, dessen Konzerte in Esslingen Kult sind, waren schon zu Gast.