Buddy Bosch schreibt seine Lieder mit Herz, Humor und Hintersinn. Foto: Dmitry Nicolaev

Ob mit Bands wie der Kehrwoch Mafia, der Schwobakomede und Muggabatschr oder im Duo mit seiner Ehefrau Daniela Kirchner – der Esslinger Musiker, Sänger, Komponist, Texter und Produzent Buddy Bosch ist ein Tausendsassa. Nun präsentiert er bei den Galgenstricken sein erstes Soloprogramm.

Esslingen - Musik ist seine Leidenschaft. Ob als Musiker, Sänger, Komponist, Texter oder Produzent – Buddy Bosch lebt sie mit jeder Faser. Er feierte Erfolge mit der Kehrwoch Mafia, der Schwobakomede, mit Muggabatschr oder im Duo mit seiner Ehefrau Daniela „Ela“ Kirchner. Er hat in seinem Tonzimmer-Studio zahlreiche Kolleginnen und Kollegen produziert. Nun präsentiert er sein erstes Soloprogramm. „Von ällem ebbes“ verspricht er, wenn er am kommenden Samstag im Esslinger Kabarett der Galgenstricke auf der Bühne steht. Neben eigenen Songs wird auch die eine oder andere Coverversion bekannter Hits zu hören sein. Sein Credo: „Musik ist die universellste Sprache der Welt, und die schwäbische Mundart ist mein Dialekt. Emotionen auf Schwäbisch hör- und spürbar zu machen, ist meine Leidenschaft und meine Berufung.“ Und was vielleicht sein größter Vorzug ist: Buddy Bosch hat ein großes Herz. Das wissen nicht nur Freunde und Kollegen sehr zu schätzen – das spürt man auch in seinen Songs.

 

Im Schützencorps fing alles an

Im zarten Alter von acht Jahren hat Buddy Bosch begonnen, beim Bürgerlichen Schützencorps zu Esslingen die Marschtrommel zu spielen. Und dabei ist es nicht lang geblieben. Rasch hat ihn die Neugier motiviert, andere Instrumente auszuprobieren: Erst war’s die Ventilfanfare, später kamen Heimorgel und Schlagzeug hinzu. „All diese Instrumente habe ich mir selbst beigebracht“, erzählt der 51-Jährige. „Wenn mich musikalisch etwas reizt, muss ich es ausprobieren.“ Und dann tüftelt er so lange, bis er sich die nötige Perfektion erarbeitet hat.

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Eine Zeit lang schien es, als hätte er am Schlagzeug seine Berufung gefunden. Er spielte in verschiedenen Bands, doch irgendwann wollte er mehr: „Ich habe für einen Drummer ungewöhnlich viel gesungen und wollte weiter nach vorne auf die Bühne.“ Buddy Bosch griff zur Gitarre und begann, eigene Lieder zu schreiben. Anfangs setzte er auf deutsche Texte, doch rasch wurde ihm klar, dass er das, was er zu sagen hatte, am besten in seiner schwäbischen Mundart rüberbringen kann. Diesen Weg gingen damals auch andere – etwa Wolle Kriwanek oder der „Spätzlescowboy“ Hank Häberle jr., in dessen Band Buddy Bosch eine Zeit lang spielt. Doch Bosch wollte seinen eigenen Weg gehen: „Meine schwäbischen Texte sollten weder mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen, noch sollten sie sich unter der Gürtellinie bewegen.“

„Ich will gut unterhalten“

So hat Buddy Bosch, der mit bürgerlichem Namen Andreas Kirchner heißt, begonnen, über all das zu schreiben, was ihn bewegt und was ihm im Alltag begegnet ist. Dinge, die jeder kennt wie die Suche nach der zweiten Socke oder die Irrungen und Wirrungen der Erziehung: „Ich will nicht provozieren, nicht mahnen, nicht niveaulos sein und auch nicht politisieren, sondern gut unterhalten – mal lustig und mal nachdenklich sein.“ So sieht er sich auch nicht als Kabarettisten, sondern eher als Singer-Songwriter mit einer wohl dosierten Nähe zur Comedy.

Begnadeter Netzwerker

Und noch etwas ist Buddy Bosch: ein begnadeter Netzwerker in Sachen Kultur. In seinem Berkheimer Tonzimmer-Studio hat er Kolleginnen und Kollegen um sich geschart, mit denen er unterschiedlichste Konzepte realisiert. Zuletzt half er, die DooWop-Mädla auf den Weg zu bringen – vier großartige Musikerinnen und Komödiantinnen, die Hits der 50er- und 60er-Jahre mit eigenen schwäbischen Texten kombinieren. Jeder Song der Mädels bekommt einen Videoclip – Kamera und Regie übernimmt Buddy Bosch, der vor Ideen nur so sprüht: Zuhause im Esslinger Stadtteil Sirnau treffen sich Kreative bei ihm, um immer neue Projekte anzustoßen. Und dann gibt es kein Halten mehr: „Wenn ich von einer Idee überzeugt bin, muss ich sie realisieren. Und ich bleibe so lange dran, bis ich zufrieden bin.“

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Das hat er vor Jahresfrist mit dem Songprojekt „Nur gemeinsam!“ bewiesen, das zur Esslinger Corona-Hymne wurde. Eigentlich war’s bereits sein zweites Mutmacher-Projekt: Zu Beginn der Pandemie hatte er bereits Kolleginnen und Kollegen zusammengetrommelt, die gemeinsam das Lied „Da ben i dahoim“ der Gruppe Wendrsonn einspielten – jeder sang vor privater Kulisse eine Textpassage. Dieser Titel, der auch nach zwei Jahren noch zu Herzen geht, wird in Buddy Boschs Soloprogramm ebenso zu hören sein wie Klassiker von Wolle Kriwanek und Grachmusikoff, eine schwäbische Version eines Chansons von Georg Kreißler oder eine Coverversion des Evergreens „Falling in Love with you“, zu der der Autor Olaf Nägele einen Mundart-Text beigesteuert hat. Vor allem aber gibt es jede Menge eigener Songs zu hören – allen voran den zauberhaften Titel „Ällweil lauft mr d’Zeit drvo“, mit dem er einen wohltuenden Kontrapunkt zur Hektik des Alltags setzt und an das erinnert, was wirklich zählt im Leben. So, wie er das in seinen Songs immer wieder tut.

Auftritt bei den Galgenstricken

Mit seinem Soloprogramm „Von ällem ebbes“ ist Buddy Bosch am Samstag, 12. Februar, ab 20 Uhr im Esslinger Kabarett der Galgenstricke zu Gast. Karten gibt es im Vorverkauf unter Telefon 07 11/35 44 44, Restkarten an der Abendkasse.

Buddy Bosch über sein Faible für schwäbische Mundart

Vorurteile
 Lange Zeit gab es starke Berührungsängste gegenüber schwäbischer Mundart, die ich mir bis heute nicht erklären kann. Vielleicht fanden manche unseren Dialekt zu spießig. Man musste bloß den Fernseher einschalten, um zu sehen: Wenn Schwaben mitspielten, gaben sie meist eine ziemlich lächerliche Figur ab und mussten in einem merkwürdigen Dialekt reden, bei dem ich mich oft gefragt habe: Wer redet so? Ich kannte keinen. Musik
Ganz deutlich war die Ablehnung in der Musik zu spüren. Englisch war das Maß aller Dinge – wer in Deutsch gesungen hat, hatte es schwer. Und schwäbische Texte gingen für viele schon mal gar nicht. Das hat sich inzwischen geändert: Die Fantastischen Vier haben gezeigt, dass HipHop mit deutschen Texten funktioniert, auch Sarah Connor singt deutsche Texte. Und ich habe das Gefühl, dass schwäbische Mundarttexte eher angenommen werden.

Daheim
Für mich war es nie eine Frage, schwäbisch zu sprechen und zu singen. Ich muss nicht verstecken, wo ich herkomme. Mundart bedeutet für mich, daheim zu sein. Manche haben mit dem Begriff Heimat ein Problem. Gegen ein Zuhause, wo man sich wohlfühlt, kann niemand etwas haben. Dazu gehört die jeweilige Mundart – in jedem Land auf der Welt. Ich habe das Gefühl, dass Jugendliche diese positive Verbundenheit wieder mehr annehmen.