Diskutiert wird sie schon lange – nun soll die geplante Mobilitätsstation am Esslinger Bahnhof endlich Realität werden. Bis zum Sommer soll die Einrichtung im neuen Geschäfts- und Wohnensemble QBUS in Betrieb gehen. Bis dahin ist noch einiges zu tun.
Das Ziel ist klar: Damit der Klimaschutz vorankommt, sollen Autofahrer vermehrt zu Fuß gehen oder aufs Fahrrad umsteigen. Doch dafür braucht es eine funktionierende Infrastruktur – gerade an Bahnhöfen, wo viele Radler auf die Schiene umsteigen wollen. In Esslingen ist seit Jahren eine Mobilitätsstation im Gespräch. Die soll nun endlich kommen – im QBUS, einem Wohn- und Geschäftsensemble, das derzeit auf dem einstigen Busbahnhof-Areal an der Berliner Straße entsteht. Der Betriebsausschuss der Städtischen Gebäude Esslingen (SGE) hat nun mit einem Planungs- und Baubeschluss den Weg für das Projekt bereitet. Doch im Ausschuss gab es auch kritische Anmerkungen.
353 Fahrrad-Abstellplätze
Mobilitätsstationen sind schon vielerorts entstanden. Sie sollen helfen, den Übergang zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln zu vereinfachen, umweltverträgliche Transportmittel zu stärken und eine Mobilität ohne eigenen Pkw zu ermöglichen. Bewachtes Fahrradparken mit Fahrradwerkstatt, Verleih von Fahrrädern und Pedelecs, Lademöglichkeiten für E-Bikes und interaktive Informationsmöglichkeiten zu den Angeboten des öffentlichen Verkehrs und weiteren Mobilitätsangeboten gehören zum üblichen Repertoire von Mobilitätsstationen. Damit es nun auch in Esslingen vorangeht, sollen die nötigen Arbeiten im Januar ausgeschrieben werden, bereits im Sommer 2023 will SGE-Chef Oliver Wannek mit 353 Fahrrad-Abstellplätzen an den Start gehen.
Doch bis dahin ist noch einiges zu klären. Stadtrat Jürgen Menzel (Grüne) findet die Sitzungsvorlage der SGE „nichtssagend“. Sie biete wenig Neues, auch weil noch immer ein Betreiberkonzept fehle. Zudem wirken die Räume auf ihn zu niedrig: „Wir brauchen mehr Helligkeit. Das darf kein Loch geben, in das sich keiner reintraut.“ Für Heidi Bär (SPD) wirkt die Mobilitätsstation angesichts der langen Vorgeschichte „fast wie ein Jahrhundertprojekt“, das bislang „keinen so glücklichen Verlauf genommen“ habe. Angesichts der niedrigen Deckenhöhe wünscht sie sich, dass die SGE „hart verhandelt und schaut, was noch zu machen ist“. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) ist überzeugt, dass eine funktionierende Mobilitätsstation für ein verändertes Mobilitätsverhalten unerlässlich ist. Er habe den Eindruck, dass die Bauherren des QBUS das Projekt „nicht ganz so ernst nehmen, wie wir das wollen“. Der Zeitplan der SGE sei sportlich: „Ich habe Bedenken, ob wir das hinkriegen.“
Umstrittene Raumhöhe
Ulrich Fehrlen (FDP) fragt sich mit Blick auf die Raumhöhe der geplanten Mobilitätsstation, die durch Installationen an der Decke beeinträchtigt wird: „Wieso fällt das erst jetzt auf?“ Nun hat er Zweifel, „ob das noch zu ändern ist“. Johanna Renz (Linke) freut sich, dass das Projekt vorankommt. Allerdings setzt auch sie ein Fragezeichen: „Wie kann man über den Innenausbau reden, wenn es noch kein Betreiberkonzept gibt? Der künftige Betreiber sollte mitreden können.“ Herbert Schrade (CDU) wundert sich, dass die Frage der Raumhöhe erst jetzt aufs Tapet kommt. Und er fragt sich, ob die Kostenrechnung vom Januar 2022 angesichts steigender Baukosten noch aktuell ist. Gespannt ist er, ob die Mobilitätsstation so funktioniert.
SGE-Chef Oliver Wannek räumte ein, dass das Betreiberkonzept für die Mobilitätsstation noch nicht fertig ist. Dennoch müsse die Ausschreibung rasch auf den Weg gebracht werden, um den ambitionierten Zeitplan einhalten zu können. Um Zuschüsse zu erhalten, müssten ohnehin bestimmte Kriterien eingehalten werden. Mittlerweile habe es mehrere Krisengespräche gegeben, um nach Lösungen zu suchen. So habe man Wege gefunden, den Bodenaufbau zu reduzieren und Leitungen anders zu verlegen, um damit mehr Raumhöhe zu gewinnen. Zudem solle alles hell gestaltet werden. Und Baubürgermeister Hans-Georg Sigel sagte zu: „Wir tun alles, um rechtzeitig fertig zu werden, auch wenn das sportlich ist.“