Auf der frisch sanierten Augustinerbrücke ist schon eine Busspur eingerichtet. Auch Radfahrer dürfen sie nutzen. Foto: Ines Rudel

Wegen der Vollsperrung der Geiselbachstraße in Esslingen baut die Stadt zwischen der Haltestelle Eugen-Bolz-Straße und der unteren Mülberger Straße eine eigene Spur für Busse und Fahrräder. Wo die Autos in Zukunft parken sollen, ist unklar.

Esslingen - Es ist so etwas wie ein historischer Tag gewesen. Am Montag hat zum ersten Mal der neu geschaffene Mobilitätsausschuss des Esslinger Gemeinderats getagt – und gleich eine Entscheidung getroffen, die vor allem bei den Anwohnern der Rotenackerstraße zwischen der Haltestelle Eugen-Bolz-Straße und dem Hirschlandkopf, der Wielandstraße und der Unteren Mülbergerstraße auf wenig Gegenliebe stoßen wird.

Vom Frühjahr 2020 an muss die Geiselbachstraße, die wichtigste Verbindung in die nördlichen Esslinger Stadtteile, wegen der unumgänglichen Sanierung eines historischen Abwasserkanals für 15 Monate komplett gesperrt werden. Die Stadt befürchtet deshalb auf den Umleitungsstrecken vor allem im morgendlichen Berufsverkehr ein Chaos. Deshalb wird nun auf dem besonders stauträchtigen Streckenabschnitt am Hirschlandkopf eine Busspur gebaut.

Verspätungen im Busverkehr sollen minimiert werden

Damit sollen die Verspätungen im ÖPNV auf ein Minimum reduziert werden. Zudem hofft die Stadt, dass im Stau stehende Autofahrer durch die auf einer gesonderten Spur vorbeirauschenden Busse und Fahrräder – auch sie werden die Busspur nutzen dürfen – motiviert werden, auf Bus und Rad umzusteigen.

Das Ganze hat natürlich seinen Preis. Denn die öffentliche Verkehrsfläche ist auch in Esslingen begrenzt. Das bedeutet: entweder – oder. Also entweder Parkplätze – oder eben eine Busspur. Wegen der nun beschlossenen Busspur fallen insgesamt knapp 60 Parkplätze weg – angesichts der ohnehin knappen Stellplatzflächen in diesem Stadtgebiet eine beachtliche Zahl. „Natürlich wird der Parksuchverkehr in den angrenzenden Straßen steigen“, räumt der Erste Bürgermeister Wilfried Wallbrecht ein. Aber aus Sicht der Stadt sei ein pünktlicher ÖPNV ein höheres Gut als Parkplätze für die Bürger. Schließlich würden die dort verkehrenden Buslinien 105, 108, 110, 112, 132 und X20 täglich 3800 Fahrgäste transportieren.

Über die dauerhafte Einrichtung wird noch gesprochen – später

Die ÖPNV-Vorteile gelten aus Wallbrechts Sicht ganz unabhängig von der anstehenden Großbaustelle. Der Vorschlag der Stadt: der Ausschuss möge die Busspur nicht nur bis zum Ende der Baumaßnahmen in der Geiselbachstraße genehmigen, sondern gleich als dauerhafte Lösung beschließen. Doch da hat die Verwaltung die Rechnung ohne Teile des Mobilitätsausschusses gemacht. Eine dauerhafte Einrichtung einer solchen Busspur käme aus Sicht der CDU und der FDP aktuell nicht in Frage. Vielmehr solle die Stadt während der Sperrung die Entwicklung des Parksuchverkehrs rund um den Hirschlandkopf beobachten. Wie es dann nach Ende der Arbeiten in der Geiselbachstraße weitergeht, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Vertagt ist zunächst auch die endgültige Entscheidung darüber, zwei Linksabbiegespuren am Hirschlandkopf während der Bauarbeiten zu schließen, um den Verkehrsfluss dort zu verstetigen. Probleme bereitet vor allem die geplante Sperrung der Abbiegespur von der Hirschlandstraße in Richtung Stadtmitte. Wird diese Verbindung während der Geiselbachstraßen-Sperrung gekappt, muss die Buslinie 105 einen fünf Minuten längeren Umweg fahren, der den zusätzlichen Einsatz eines Busses nötig machen würde und so in den 15 Monaten rund 500 000 Euro Mehrkosten für Personal und Betriebskosten verursachen würde. Nun prüfe die Stadt Alternativen. Untersucht wird gerade, ob man während der Bauphase wenigstens die Linie 105 weiterhin am Hirschlandkopf links abbiegen lassen kann.

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