Die Band Primal Fear bringt am 24. Juli ihr 13. Album raus. Gründungsmitglieder Mat Sinner (Bass und Gesang, von links), Tom Naumann (Gitarre) und Ralf Scheepers (Gesang) stammen aus dem Kreis Esslingen. Foto: Roberto Bulgrin

Seit 23 Jahren gibt es die Power-Metal-Band Primal Fear aus Esslingen. Jetzt hat die Gruppe mit „Metal Commando“ ein neues Album am Start.

Esslingen - Im Herzen sind sie Esslinger Jungs geblieben. Das machen die drei Gründungsmitglieder der Metal-Band Primal Fear bei einem Kaffee am Marktplatz deutlich. Seit Ralf Scheepers, Mat Sinner und Tom Naumann 1997 ihre Band gegründet haben, haben sie gemeinsam eine Menge erlebt. Und nun kehren sie und ihre Mitstreiter mit ihrem neuen, ihrem 13. Album „Metal Commando“ zu ihrem ursprünglichen Plattenlabel, Nuclear Blast aus Donzdorf, zurück. „Es ist wie eine Frischzellenkur“, sagt Sänger Ralf Schneepers. „Wir sind frischer denn je in Sachen Songwriting und Musik.“ Die Power-Metal-Band, die in frühen Jahren im Schelztor-Gymnasium probte, zeichnet sich durch eine mächtige Phalanx aus drei Gitarren, das treibende Schlagzeug, den kraftvollen Bass von Mat Sinner und den markanten Gesang von Ralf Scheepers aus.

Neuer Drummer bewährt sich

Der Schlagzeuger Michael Ehré ist gleichzeitig der Neueste in der Band. Seit etwas mehr als einem Jahr ist der Gamma-Ray-Drummer auch bei Primal Fear mit am Start. „Er war jetzt das erste Mal mit uns im Studio“, sagt Mat Sinner, der das aktuelle Album produziert hat. „Ich war mit ihm in Dänemark, wo wir die Drums aufgenommen haben.“ Anfang November war das. „Es war schweinekalt und hat nur geregnet“, erinnert sich Sinner. Von den touristischen Attraktionen in der Nähe der ältesten Stadt Dänemarks hätten die beiden nicht viel mitbekommen. Da ist es gut, dass der Schlagzeuger nicht nur nach dem Können, sondern auch nach der Kompatibilität mit dem Rest der Band ausgesucht wurde. „Er ist ein super Kerl, das ist unheimlich wichtig, weil wir immer viel Zeit miteinander verbringen, gerade während der Touren“, sagt Scheepers. „Im Studio war er noch eine Ecke professioneller als gedacht, er hat für uns alle eine super Basis gelegt“, so Sinner.

Der Schlüssel zum Glück

Wie viele Metaller zeigen auch die sechs Jungs von Primal Fear auf ihrer neuesten Platte ihre zarte Seite. Die Ballade „I Will Be Gone“ ist locker das sehnsüchtigste Stück der Scheibe und besticht mit einem einprägsamen Refrain. Mit mehr als 13 Minuten ist das letzte Stück, „Infinity“, gleichzeitig das längste – und beinhaltet das vermutlich längste Gitarrensolo des Albums. Auch Lieder zum Headbangen liefern die Jungs von Primal Fear auf „Metal Commando“ mit Songs wie der ersten Single-Auskopplung „Along Came the Devil“ zur Genüge. Persönliches Lieblingslied? Das wollen die drei Gründungsmitglieder allesamt nicht beantworten. „Das ist, als müsste man entscheiden, welches seiner Kinder man am meisten liebt“, lehnt Mat Sinner ab. „Das Album ist eine Sammlung von Songs, die wir aus einem Pool ausgesucht haben, das sind also schon mal alles Favoriten“, sagt Scheepers. „Die sind alle geil." Das Erfolgsrezept: „Wir machen unsere eigenen Songs und spielen nicht jemand anderem nach“, sagt der Bassist und Sänger. „Das ist die eigentliche Befriedigung und der wahre Schlüssel zum Glück.“

Musiker-Träume erlebt

23 Jahre Musikgeschichte haben die Bandmitglieder mit Primal Fear schon hinter sich. „Wovon viele Musiker träumen – im Opernhaus von Sydney, bei der Christus-Statue in Rio de Janeiro oder auf dem Sunset Strip in Los Angeles auftreten, das haben wir alles schon erlebt“, erläutert Mat Sinner die Erlebnisse. Da fällt es nicht leicht, sich zu entscheiden, welche Erinnerung am meisten bedeutet. Aber Tom Naumann hat einen Kandidaten, erinnert sich zurück an die ersten Platten. „In einer Zeit, in der keine auf unsere Musik gesetzt hat, haben wir im Sommer dennoch jedes große Festival mitgenommen“, sagt er. „Davon wird ein Musiker schnell abhängig“, witzelt Sänger Ralf Scheepers.

Tour auf 2021 verlegt

In diesem Jahr wird es aber wohl nichts mehr mit den Sommer-Festivals. Events wie das Wacken Open Air oder das Summer Breeze Open Air können in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Auch Primal Fear ist von der Absagewelle betroffen. Dutzende Konzerte konnten nicht gespielt werden. Auch die für diesen Herbst angekündigte Tour wird verschoben. Auf Februar 2021. „Wir touren dann durch zwölf europäische Länder und spielen auch in Stuttgart“, sagt Sinner.

„Total überraschend“, findet es Mat Sinner, dass es für die Band von Anfang an so gut lief. Mit ihrem letzten Album „Apocalypse“ haben sie es 2018 sogar auf Platz zehn der deutschen Albumcharts geschafft und den Platz drei Wochen lang gehalten. Für ihr jetziges Album hat die Band ihre Ziele noch höher gesteckt. Platz neun könne es schon werden, findet Scheepers.

Wurzeln in Esslingen

Trotz ihres internationalen Erfolges spielt die Band immer wieder gerne in Esslingen, zum Beispiel beim jährlichen Rock-for-One-World-Festival im Kulturzentrum Komma. „Wir haben hier gestartet, die ganze Welt gesehen und sich doch immer noch in Esslingen beheimatet und verwurzelt“, sagt er. Das werde sich so schnell auch nicht ändern, sind sich die drei einig. Dabei kommt ihre schwäbische Herkunft in ihrer Musik gar nicht zum Tragen. „Wir sind international unterwegs, also singen wir auf Englisch“, sagt der Sänger mit einem Lachen. „Anekdoten aus dem Schwäbischen“ gebe es auf dem neuen Album keine.

„Metal Commando“ erscheint am Freitag, 24. Juli, beim Musiklabel Nuclear Blast. Das Album ist als CD (15,99 Euro), als Digipak (17,99 Euro) oder als Black Vinyl (22,99 Euro) erhältlich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: