Der Esslinger Intendant Marcus Grube setzt auf zeitgenössische Stücke und Musiktheater. Foto: Roberto Bulgrin

Zeitgenössische Dramatik, Musical und Open-Air-Theater zum Esslinger Stadtjubiläum: Das sind die Höhepunkte im Spielplan 2026/27 der Esslinger Landesbühne.

Legenden, Lügen und Lieder aus Esslingens Stadtgeschichte setzt die Esslinger Landesbühne zum Stadtjubiläum in Szene. Das Open-Air-Theater in der Maille steht 2027 im Zeichen von 1250 Jahren Esslingen. Der Regisseur und Autor Andreas Kloos, der in Esslingen den Publikumsrenner „Blues Brothers – Ein Roadtrip Through The Länd“ hat, blickt ab dem 18. Juni 2027 auf Historisches.

 

Dieser Tage stellte Intendant Marcus Grube, dessen Vertrag in Esslingen kürzlich bis zum Ende der Spielzeit 2031/2032 verlängert wurde, den neuen Spielplan auch in den Gastspielorten vor. Ein Programm nicht nur für die Stadt Esslingen zu konzipieren, sondern für die Kommunen in Baden-Württemberg, das reizt ihn. Parallel zur Theaterarbeit bereitet Grube mit den städtischen Planern die Sanierung des Esslinger Stadttheaters vor, die 2028 beginnt. Dann muss das Theater an eine Interimsspielstätte ausweichen.

Programm der WLB in Esslingen

Mit Shakespeares Tragödie „Richard III.“ beginnt die Spielzeit am 26. September 2026 im Schauspielhaus der WLB. Regie führt Eva Lemaire, die mit dem Dramaturgen Alexander Schreuder eine enge Zusammenarbeit mit der WLB verbindet. Das gilt auch für Konstanze Kappenstein, die Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ in Szene setzt (ab 2. Oktober). Das Frühwerk des Klassikers gerade einem jungen Publikum zu erschließen, ist Grube wichtig.

Ein weiterer Schwerpunkt sind zeitgenössische Autorinnen und Autoren. Marius von Mayenburgs „Nachtland“ kommt am 8. Oktober in der Regie von Tobias Rott auf die Bühne – ein Stück über das schwere Erbe der deutschen Nazi-Vergangenheit. Jenke Nordalm inszeniert Rebekka Kricheldorfs „Das Waldhaus“ (18. März 2027) – da blickt die Autorin kritisch und mit Humor auf rechtsgerichtetes Denken. Auch Rott und Nordalm gehören zu den stilbildenden Regisseuren – beide bringen viel Erfahrung mit neuer Dramatik mit. Yasmina Rezas Komödie „James Brown trug Lockenwickler“ ist ab 9. Januar 2027 zu sehen; „Die ganze Welt“ von Theresia Walser und Karl-Heinz Ott ab 12. März.

Das Esslinger Stadttheater wird ab 2028 umfassend saniert. Foto: Roberto Bulgrin

Das musikalische Ensemble ist ein Pfund, mit dem Marcus Grube wuchern kann. Volker Ludwigs Großstadtmusical „Linie 1“ mit der Musik von Birger Heymann feiert seit seiner Premiere vor 40 Jahren am Berliner Grips-Theater Erfolge. „In den Geschichten vom Überleben in der Großstadt in ‚Linie 1“ liegt viel Aktuelles“, sagt Grube – die Neuauflage in der Regie von James Edward Lyons hat am 11. Dezember Premiere.

„In den Geschichten vom Überleben in der Großstadt im Musical ‚Linie 1’ des Berliner Grips-Theaters liegt viel Aktuelles“

Marcus Grube, Intendant WLB Esslingen

Den Filmklassiker „Harold and Maude“ von Colin Higgins bringt Laura Tetzlaff auf die Bühne. Die Chefin der Jungen WLB inszeniert regelmäßig im Erwachsenentheater. Die Bühnenadaption des Kultfilms haben Grube und seine Dramaturgie auf den Spielplan gesetzt, da nach seinen Worten mit Gesine Hannemann „die perfekte Besetzung“ in absehbarer Zeit in den Ruhestand geht (6. März). Mit einer Hommage an die wohlhabende Gesellschaftsdame „Florence Foster Jenkins“ inszeniert Florian Hackspiel eine tragikomische Geschichte – obwohl sie beim Singen kaum einen Ton traf, trat sie regelmäßig auf und kaufte sich auf großen Bühnen ein (29. Mai).

Mit Theater für Kinder ab vier Jahren feiert die Junge WLB am 19. Juli eine besondere Premiere. Das Bilderbuch „Spinne spielt Klavier“ setzt Momo Mosel in Szene. „Als der Ring verloren ging“ von Marc Becker ist eine tierische Detektivgeschichte für Kinder ab vier Jahren; „Angst oder Hase“ für Kinder ab zehn Jahren der jungen Kinder- und Jugendtheaterautorin Julia Haenni aus der Schweiz inszeniert Spartenleiterin Laura Tetzlaff (ab 26. September).

Junge WLB in Esslingen – was ist geplant?

Christine Nöstlingers Kinderbuchklassiker „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“ ist ab 22. November als Familienstück im Schauspielhaus der WLB zu sehen – mit diesem Format bewegt sich die Junge WLB bewusst weg vom klassischen Weihnachtsmärchen. Die Geschichte vom Kind, das die Eltern bei einer Firma bestellt haben, aus dem Jahr 1975 haben schon die Eltern und Großeltern des Kinderpublikums verschlungen. Frances van Boeckel setzt das Familienevent in Szene.

In „Sagdochmalluca“ von Lena Gorelik geht es um Gewalt in der Schule (ab 27. Februar). Auf ein ästhetisches Abenteuer nimmt die Junge WLB Jugendliche ab 14 Jahren bei „Gelber Mond – Die Ballade von Leila und Lee“ von David Greig mit (ab 30. April). Eng in die Arbeit der Jungen WLB sind die Partnerklassen von Schulen aus Esslingen und der ganzen Umgebung eingebunden. Da leistet die Theaterpädagogik der Landesbühne kontinuierlich wichtige Bildungsarbeit.