Schüler brauchen immer häufiger sozialpädagogische Unterstützung, die Probleme sind vielfältig. Das Projekt „SchuBs“ an der Esslinger Landenberger-Schule hilft.
Das Leben hat es mit Sabine F. (Name geändert) oftmals nicht gut gemeint: Von einer behüteten Kindheit konnte die heute 17-Jährige nur träumen, die Eltern boten keinen Rückhalt, Sabines schulische Karriere geriet ins Stocken und kam zeitweise zum Erliegen, das letzte Fünkchen Selbstvertrauen war dahin: Die Zukunft schien für Sabine F. in ein schwarzes Loch zu münden. Wer ihr jedoch heute begegnet, erlebt eine junge Frau, die sehr berührend von ihren schwierigen Erfahrungen erzählt – und die es geschafft hat, ihr Leben in die Spur zu bringen. Geholfen hat ihr ein Angebot der Esslinger Johannes-Landenberger-Schule, die jungen Menschen wie Sabine F. mit gutem Rat, pädagogischen Angeboten und viel menschlicher Zuwendung zur Seite steht. So hat schon manche Lebensgeschichte eine positive Wendung genommen. Doch dieses Angebot muss finanziert werden, was der Schule Sorgen bereitet.
Aufgewachsen ist Sabine F. in einer Familie, in der die Eltern mehr mit sich selbst zu kämpfen hatten, als dass sie für ihre Tochter da sein konnten. In der Schule tat sie sich schwer, sah sich Mobbing ausgesetzt. Schließlich traute sie sich gar nicht mehr in die Schule. „Drei Jahre lang war ich nicht im Unterricht“, erinnert sie sich. Alleine hätte sie sich wohl nicht aus diesem Teufelskreis befreit. Doch es gab Menschen, die es gut mit ihr meinten: Allen voran die Oma, die Sabine F. zu sich holte, die ihr Trost und Wärme gab und die sie unermüdlich ermunterte. „Sie hat mir immer gezeigt, dass ich es schaffen kann“, erinnert sie sich.
Stets ein offenes Ohr für alle Anliegen
Die Oma hat Sabine F. zugeraten, sich die Johannes-Landenberger-Schule im Beruflichen Ausbildungszentrum (BAZ) in Esslingen anzuschauen, die für junge Menschen da ist, die Unterstützung auf dem Weg ins Berufsleben brauchen. „SchuBs“ nennt sich ein Projekt, das schulunterstützende Begleitung mit sozialpädagogischer Betreuung anbietet. „Was ich in einer Probewoche erlebt habe, hat mir sehr gefallen“, erzählt Sabine F. „Die Lehrerinnen und Lehrer waren ganz anders als die, die ich bis dahin kannte.“ Besonders denkt die junge Frau an die Sozialpädagogin Melanie Heuberger, die für die Anliegen, Sorgen und Zweifel der Schüler stets ein offenes Ohr hat. Melanie Heuberger ist zur Stelle, wenn die jungen Leute Ermutigung brauchen, wenn es größere und kleinere Alltagsprobleme zu lösen gilt, wenn Missverständnisse und manchmal auch Meinungsverschiedenheiten auszuräumen sind. „Viele, die den Weg zu uns gefunden haben, kannten es bis dahin gar nicht, dass man mit ihnen über ihre Probleme redet und zu helfen versucht“, sagt die Sozialpädagogin, die schon für viele junge Menschen zur Vertrauensperson Nummer eins geworden ist.
„Unsere Schülerinnen und Schüler bringen unterschiedlichste Themen in die Schule mit“, weiß die Vize-Schulleiterin Andrea Wohlfahrt. „Die Bildungschancen und -zugänge unterscheiden sich, und nicht alle konnten und können auf ihrem Bildungsweg von zuhause unterstützt werden. Wir begleiten Schüler mit verschiedenen Ängsten, psychischen Erkrankungen, einer schwierigen Schulvergangenheit oder nach Brüchen in der Bildungsgeschichte.“
Dass solche Angebote immer wichtiger werden, ist für Schulleiter Peter Hudelmaier-Mätzke offensichtlich: „Die Problemlagen werden immer vielfältiger, sozialpädagogische Unterstützung ist immer öfter gefordert. Dazu gehört bei ‚SchuBs’ die tägliche Ansprechbarkeit genauso wie die Vernetzung mit internen und externen Hilfsangeboten.“ Dass das im Alltag der Regelschulen oft nicht zu leisten ist, weiß Andrea Wohlfahrt: „Nur mit schulischen Ressourcen ist es nicht möglich, die vielfältigen Bedarfe abzudecken. Durch die Arbeit von ‚SchuBs’ können Abbrüche vermieden und Schüler mit großem Unterstützungsbedarf erfolgreich begleitet werden.“ So wie Sabine F., die nach drei Jahren ohne Schulbesuch dank „SchuBs“ den Hauptschulabschluss gemeistert hat. Man mag sich nicht ausmalen, wo sie heute ohne diese Unterstützung stehen würde.
Finanzierung bereitet Sorgen
Sabine F. kann die schulunterstützende Begleitung nur empfehlen. Nun peilt sie eine Berufsausbildung an, zu der sie ohne „SchuBs“ wohl schwerlich gelangt wäre. Dass sie das auch Melanie Heuberger zu verdanken hat, ist für sie keine Frage: „Ich konnte außer meiner Oma noch nie einem Menschen so vertrauen wie ihr.“ Doch so erfolgreich „SchuBs“ im Allgemeinen und die Sozialpädagogin im Besonderen ist: Die Finanzierung bereitet Sorgen.
Anders als an öffentlichen Schulen, bei denen die Personalkosten für Stellen wie die von Melanie Heuberger ganz von der öffentlichen Hand getragen werden, erhält die Johannes-Landenberger-Schule als Schule in privater Trägerschaft nur eine Teilfinanzierung der Stelle durch das Wirtschaftsministerium. „Für den größeren Teil der Kosten brauchen wir dringend Unterstützung“, sagt Schulleiter Peter Hudelmaier-Mätzke. Er kann darauf verweisen, dass sich jeder Cent, der in ein Projekt wie dieses investiert wird, doppelt und dreifach auszahlen kann, wenn junge Menschen so den Weg in die Spur finden.
Lernen in der Landenberger-Schule
Schule
Die Esslinger Johannes-Landenberger-Schule ist eine private gewerbliche, kaufmännische, haus- und landwirtschaftliche Sonderberufs- und und eine gewerbliche haus- und landwirtschaftliche Sonderberufsfachschule. Qualifizierte Lehrkräfte bieten jungen Menschen dort in kleinen Klassen individuelle Unterstützung und Begleitung auf dem Weg in den Beruf. Träger ist die Diakonie Stetten. Ihren Sitz hat die Schule im Beruflichen Ausbildungszentrum (BAZ) in der Urbanstraße 28 in Esslingen.
Starthilfe
Mit dem Programm „Ausbildungsvorbereitung dual in Sonderform“ (AV dual) unterstützt die Johannes-Landenberger-Schule Schülerinnen und Schüler, die wegen Krankheit, Behinderung und Benachteiligung besonderen Förderbedarf haben. Beschult werden etwa Schüler mit Autismus, Epilepsie oder psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Borderline, die wegen ihres hohen Unterstützungsbedarfs nicht an einer Regelberufsschule unterrichtet werden. Ziel ist es, sie in ihrer Persönlichkeit, ihren theoretischen Kenntnissen und ihren fachpraktischen Fertigkeiten so weit zu fördern, dass sie den Übergang in eine weiterführende Berufsschule, in Berufsvorbereitung oder Ausbildung schaffen.