Eine Zeit wie diese musste Esslingens Kommunales Kino noch nie überstehen. Nun hoffen die Kinomacher, dass die Coronalage möglichst bald Lockerungen zulässt – und dass es vielleicht sogar eine Chance fürs Kino auf der Burg geben könnte.
Esslingen - Die Macherinnen und Macher des Kommunalen Kinos Esslingen sind es gewohnt, sich mit großem Engagement fürs Lichtspiel zu engagieren. Und wenn sie demnächst auf das 40-jährige Bestehen ihres „Koki“ zurückblicken, werden gewiss auch Erinnerungen an die eine oder andere schwierigere Situation wieder lebendig. Doch eine Zeit wie diese hatten die Kino-Enthusiasten von der Maille noch nie erlebt: Seit fast einem Jahr ist coronabedingt an Normalbetrieb nicht mehr zu denken, beim neuerlichen Lockdown im Herbst mussten bereits zum zweiten Mal die Lichter ausgeknipst werden – und keiner weiß, wann und wie es weitergehen wird. Das gilt nicht nur für den Kinosaal im Lorch-Areal, sondern auch fürs alljährliche Kino auf der Burg, das zu den Höhepunkten im Jahresprogramm gehört. Noch haben die Koki-Geschäftsführer Sibylle Tejkl und Stefan Hart die Hoffnung nicht aufgegeben, dass anders als im vergangenen Jahr diesmal vielleicht doch etwas möglich sein wird. Schließlich wissen Leinwand-Enthusiasten aus vielen Filmen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die meisten Mitglieder bleiben treu
Es war nicht leicht für die Koki-Crew, 2020 den Optimismus zu bewahren: Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr ging erst einmal gar nichts, und als die Infektionszahlen im Sommer einen Neustart erlaubten, konnte von Normalität nicht die Rede sein: Nur jede zweite Reihe im Kinosaal durfte belegt werden, zwischen Zuschauern, die nicht zur Familie gehörten, mussten zwei Plätze frei bleiben. So war der kleine Kinosaal, der mit 83 Plätzen ohnehin nicht allzu üppig ist, im extremsten Fall mit lauter Einzelbesuchern bereits mit 16 Zuschauern ausverkauft, die Regel waren 20 bis 30 Zuschauer. „Und trotzdem waren wir froh, dass wir überhaupt spielen durften“, erinnert sich Geschäftsführerin Sibylle Tejkl. So geht es nicht nur den Hauptamtlichen in der Geschäftsstelle, sondern auch den vielen Ehrenamtlern, die sich übers Jahr und ganz besonders beim Kino auf der Burg engagieren: „Es ist nicht leicht, wenn man das, wofür man eigentlich brennt, über so lange Zeit nicht tun kann“, gibt Geschäftsführer Stefan Hart Einblick in seine Gefühlslage. Immerhin erfreulich: Die allermeisten der mehr als 1300 Mitglieder halten dem Koki gerade jetzt die Treue, neue Mitstreiter sind sogar hinzugekommen.
Sibylle Tejkl und Stefan Hart verfolgen aufmerksam die aktuellen Entwicklungen, die darüber entscheiden, was im Koki geht und was nicht. Dass etwa die Kanzlerin einen Vier-Stufen-Plan für Lockerungen in Aussicht gestellt hat, lässt hoffen – jede Erhöhung der Infektionszahlen ist jedoch ein neuerlicher Dämpfer. Und keiner weiß, was kommen wird, wenn erste Schritte zurück zur Normalität möglich sind. „Die Konkurrenz durch Streamingdienste gab es auch vor Corona, doch sie hat sich durch die Pandemie weiter verschärft“, weiß Sibylle Tejkl. „So hat Netflix allein 70 neue Titel für 2021 angekündigt, darunter auch einige Arthaus-Filme.“
„Angebote sind attraktiv“
Den Kinomachern von der Maille kann angesichts der immer neuen Rekordergebnisse, die Streamingdienste vermelden, inzwischen schon ein bisschen mulmig werden. So hat etwa Netflix inzwischen die Marke von 200 Millionen Abonnenten geknackt und vermeldet 42 Nominierungen für den Golden Globe. Ob und wie solche Entwicklungen die Sehgewohnheiten der Zuschauer verändern werden, weiß noch niemand zu sagen. Solange im eigenen Haus die Leinwand dunkel bleibt, empfiehlt das Kommunale Kino alternative Streamingangebote, darunter einige aus dem Arthaus-Bereich.
Für die Zukunft setzen die Koki-Macher darauf, dass es möglichst rasch im Koki weitergehen kann. „Wir sind überzeugt, dass unsere Angebote so attraktiv sind, dass sie nach der Wiedereröffnung die Zuschauer wieder anziehen werden“, sagt Sibylle Tejkl. „Manche werden vielleicht abspringen, doch die allermeisten dürften sich freuen, dass es weitergeht. Und wahrscheinlich werden wir auch neue Besucher hinzugewinnen, die den Reiz ganz neu für sich entdecken werden, gute Filme auf großer Leinwand gemeinsam mit anderen und oft sogar mit zusätzlichen Angeboten erleben zu können.“ Trotzdem fürchtet Stefan Hart: „Man darf nicht glauben, dass einfach der Schalter umgelegt wird, und alles ist von heute auf morgen wieder wie vor der Pandemie.“ Wichtig wird sein, ob und in welchem Umfang mit der Wiedereröffnung der Filmtheater auch attraktive neue Filme zur Verfügung stehen. Denn die Erfahrung im vergangenen Sommer hat gezeigt, dass so mancher Verleiher seine besten Pferde erst mal im Stall behält, bis sicher ist, dass sie auch ausreichend Publikum anziehen werden.
Vielleicht doch ein Open-Air auf der Burg?
Unter solchen Vorzeichen ist es für Geschäftsführer Stefan Hart kein leichtes Unterfangen, die Finanzen des Kommunalen Kinos für dieses Jahr zu planen. „Eine Rechnung mit lauter Unbekannten ist nicht einfach“, bedauert Sibylle Tejkl ihren Kollegen. Deutlich einfacher wäre die Rechnung, wenn es im Sommer wieder ein Kino auf der Burg geben könnte, das inzwischen ein unverzichtbarer Baustein im Finanzierungskonzept ist. „Das Kino auf der Burg genießt Kultstatus und ist von immenser Bedeutung für das Kommunale Kino Esslingen – und das längst nicht nur in finanzieller Hinsicht“, betonen die Veranstalter. Deshalb hoffen sie, dass die weitere Entwicklung an der Coronafront vielleicht doch ein Open-Air-Filmfestival auf der Burg zulassen wird. Die endgültige Entscheidung über Zu- oder Absage ist deshalb bislang noch nicht gefallen.