Als Netzwerk für kreative Projekte in Esslingen hat die Kinder-Biennale viel bewegt. Viele, die die Angebote genutzt haben, profitieren bis heute von den Erfahrungen.
Kinder lieben es, kreativ zu sein. Margit Bäurle und Nicole Kreja haben die Kinder-Biennale 2009 als Ideenschmiede und Netzwerk für Kreativ-Projekte in Esslingen gegründet. Unzählige Kinder haben seither Workshops erlebt, haben an Ferienprogrammen teilgenommen, Politiker interviewt, ihre Heimat erkundet und sich in Berufen versucht. Für die allermeisten waren die Angebote der Kinder-Biennale eine wichtige Bereicherung – manche tragen das Netzwerk heute mit.
Linus Götz hat gleich im ersten Jahr bei den jungen Köchen mitgemacht. Unter der Leitung erfahrener Gastro-Profis durften sich junge Leute am Herd und im Service versuchen, und sie haben beim Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten und einem Sommerfest des Bundespräsidenten Gäste bewirtet. Heute ist Linus Götz 24, und er denkt gern zurück: „Beruflich habe ich einen anderen Weg eingeschlagen, aber ich koche noch immer – am liebsten Rostbraten. Für mich war die Zeit bei der Kinder-Biennale sehr bereichernd, weil ich viel Neues kennengelernt und interessante Menschen getroffen habe. Das prägt.“
Neue Perspektiven auf Esslingen
Mia Naumann kam 2018 zur Kinder-Biennale. Jetzt ist sie 15 Jahre alt und noch immer sehr aktiv. Mia kam damals zu den jungen Stadtführern – einer Gruppe von Kindern, die Führungen für junge Leute, aber auch für Senioren, Geburtstage oder Firmengruppen anbietet. „Es ist spannend, zu sehen, wie Kinder ihre Stadt und deren Geschichte betrachten“, sagt Margit Bäurle. „Da bekommt man als Erwachsener einen ganz anderen Blick auf Esslingen.“ Mia Naumann hilft inzwischen bei der Organisation der jungen Stadtführer. „Ich habe dort gelernt, vor größeren Gruppen zu sprechen und meine Gedanken so zu präsentieren, dass es zu den jeweiligen Zuhörern passt“, erzählt sie.
Mia Wögler ist 21 und hat in den vergangenen zehn Jahren die unterschiedlichsten Angebote der Kinder-Biennale kennengelernt: Sie hat mit den jungen Journalisten Politiker interviewt und Zeitungsartikel geschrieben, sie hat bei den jungen Künstlern ihr kreatives Talent gepflegt und bei den kleinen Technikern am Modell nachvollzogen, wie ein Fahrzeug entsteht. Und sie verrät: „Ich bin viel offener und sicherer geworden und habe erlebt, wie wichtig es ist, sich für andere zu engagieren.“ Das sieht auch Lilli Rost so, die 2018 zur Kinder-Biennale kam, ebenfalls bei verschiedenen Gruppen mitgemacht hat und sich inzwischen ehrenamtlich um die Finanzen kümmert. Ihr Eindruck: „Man bekommt bei der Kinder-Biennale viel Erfahrung, Selbstsicherheit und Verantwortungsbewusstsein vermittelt.“
„Viel gelernt und Selbstvertrauen gewonnen“
Giuseppe Esposito kam 2017 als Elfjähriger zur Kinder-Biennale und hat sich später für eine Ausbildung zum Fluggeräte-Mechaniker entschieden. Er war in verschiedenen Workshops der Kinder-Biennale aktiv und hat „viel gelernt und Selbstvertrauen gewonnen“. Durch seine Interviews mit prominenten Politikern hat er es gelernt, seine Anliegen zu artikulieren und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. „Das hat mir später im Jugendgemeinderat sehr geholfen“, resümiert er. Inzwischen lebt und arbeitet er im Bayerischen, engagiert sich in der Jugendvertretung seines Betriebs und wird demnächst für den Gemeinderat seines neuen Wohnorts kandidieren. „Für mich war die Zeit bei der Kinder-Biennale unschätzbar wertvoll“, blickt er gern zurück.
Tze-Tuo-Chang liebt das kreative Arbeiten in all seinen Facetten – kein Wunder, dass er bei den jungen Künstlern der Kinder-Biennale mitgemacht hat. „Kunst war schon immer mein Ding“, sagt der heute 20-Jährige. „In der gemeinsamen Arbeit habe ich viel gelernt und wichtige neue Anregungen bekommen.“ Weil er jedoch breit aufgestellt ist, war Tze-Tuo-Chang auch bei den jungen Köchen und den kleinen Technikern am Start. Inzwischen studiert er Medizin, doch die Zeit bei der Kinder-Biennale mag er nicht missen. Und er stellt Margit Bäurle und ihren Mitstreitern ein vorzügliches Zeugnis aus: „Die Kinder-Biennale wird immer ein wichtiger Teil meines Lebens sein.“
Solche Bekenntnisse bestätigen Margit Bäurle, dass sie mit ihrem Konzept richtig liegt – zumal sich die Kinder-Biennale immer wieder neu ausrichtet. Zuletzt war ein Schwerpunkt die Begegnung mit Politikern und der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs. Das Vorurteil, dass junge Menschen keinen Zugang zur Politik hätten, kann Bäurle nach diesen Erfahrungen nicht bestätigen: „Viele Entscheidungen betreffen Kinder und Jugendliche ganz direkt. Deshalb ist Politik für sie sehr spannend.“ In diesem Jahr möchte die Kinder-Biennale neben bewährten Angeboten wie den jungen Stadtführern, den kleinen Energie-Experten oder den jungen Köchen, die sich inzwischen „Schlemmerbande“ nennen, auch einen neuen Akzent setzen: Mit einem Projekt unter dem Titel „100 Menschen“ sollen Kinder mit ganz verschiedenen Zeitgenossen ins Gespräch kommen und dabei erkennen, wie vielfältig und reizvoll eine moderne Gesellschaft ist.
Die Kinder-Biennale im Kurzporträt
Idee
Die Kinder-Biennale wurde 2009 gegründet, um Kreativ-Projekte für Kinder in Esslingen auf den Weg zu bringen und zu vernetzen. Die Künstlerin Margit Bäurle hatte das Netzwerk zusammen mit Nicole Kreja damals initiiert. Inzwischen ist daraus ein gemeinnütziger Verein für kreative Kinder-Projekte in Esslingen geworden, der unter anderem von der Bürgerstiftung und den Stadtwerken Esslingen unterstützt wird.
Konzept
Mit Unterstützung von Bildungseinrichtungen, Unternehmen und vielen Einzelpersonen haben Margit Bäurle und ihr Team Veranstaltungsreihen, Projekte, Workshops und Ausstellungen für Kinder und Jugendliche organisiert. „Wir vernetzen Bildung, Kultur und Wirtschaft zu Gunsten von Familien und mehr Lebensqualität in unserer Heimatstadt Esslingen“, heißt das Motto.
Anspruch
Die Angebote sollen allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrem persönlichen Hintergrund offenstehen: „Wir achten darauf, dass auch Kinder aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationshintergrund an unseren Aktivitäten teilnehmen können“, unterstreicht Margit Bäurle den Anspruch der Kinder-Biennale.