Drei Tage lang hat Wolfgang Fuhr (Zweiter von rechts) mit seiner Festivalband ein Konzertprogramm erarbeitet. Foto: Roberto Bulgrin

Das Jazzfestival Esslingen präsentiert Stars der internationalen Szene. Doch Festivalmacher Maximilian Merkle gibt auch den Stars von morgen eine Chance. So gibt es Musik einer Festivalband aus jungen Musikerinnen und Musikern.

Esslingen - Große Namen stehen beim Jazzfestival Esslingen im Rampenlicht: John Scofield, Dave Holland, Jean-Luc Ponty, Ralph Towner, Jason Moran oder Christian McBride – sie alle zählen zum Besten, was die internationale Szene zu bieten hat. Doch der Festivalmacher Maximilian Merkle hat auch den Nachwuchs im Blick, schließlich sind die Newcomer von heute mit viel Talent und etwas Glück die Stars von morgen. Deshalb ist auch in diesem Jahr eine Festivalband am Start: Junge Musikerinnen und Musiker, die an der Stuttgarter Musikhochschule studieren und die sich eigens für das Esslinger Festival zusammengefunden haben, um gemeinsam mit dem erfahrenen Saxofonisten, Komponisten, Produzenten, Arrangeur und Dozenten Wolfgang Fuhr ein kleines Konzertprogramm zu erarbeiten. Der Clou des Projekts: Die Festivalband, die am Sonntag ab 17.30 Uhr in der Esslinger Landesbühne zu hören ist, spielt ausschließlich Titel, die die Bandmitglieder selbst komponiert und in einem dreitägigen Workshop gemeinsam einstudiert haben.

 

Ungewöhnliches Konzept

Wolfgang Fuhr ist als Musiker weit herumgekommen, und er weiß, dass dieses Konzept nicht alltäglich ist. Umso mehr freut er sich, dass Maximilian Merkle junge Musikerinnen und Musiker fördern möchte, indem er ihnen ein Podium bietet, auf dem sie ihre musikalische Klasse vor großem Publikum beweisen und wichtige Erfahrungen sammeln können. „Auf derselben Bühne zu stehen wie die internationalen Stars, ist für jemanden, der oder die erst am Beginn der Karriere steht, alles andere als alltäglich“, findet der versierte Saxofonist. „Das ist Nachwuchsförderung im besten Sinne.“ Das sieht man offenbar auch an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart so, wo Fuhr bei Professor Rainer Tempel offene Türen einrannte. Der Leiter des Instituts für Jazz und Pop ist bei der Suche nach geeigneten Mitgliedern für die Festivalband, die bereits zum vierten Mal in jeweils wechselnder Besetzung an den Start geht, behilflich.

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„Rainer Tempel hört sich erst mal bei seinen Studierenden um, wer sich für die Workshopband des Esslinger Jazzfestivals interessiert“, weiß Wolfgang Fuhr. „Wer mitmachen möchte, kann sich melden.“ Teil des Konzepts ist, dass nicht gezielt nach Musikerinnen und Musikern für eine ganz bestimmte Besetzung gesucht wird. „Wir machen keine Vorgaben für bestimmte Instrumente, sondern schauen erst einmal, wer sich meldet. Anfangs hatte ich überlegt, wie es wohl wäre, wenn sich plötzlich fünf Saxofone melden würden. Bisher hat sich das jedoch immer auf wundersame Weise zu einem spannenden Ensemble zusammengefügt.“ Und so war das auch diesmal: Wenn die Festivalband am Sonntag in der Esslinger WLB auf der Bühne steht, werden Cemre Yilmaz (Gesang), Moritz Holdenried (Bass), Pauli Poulsen (Gitarre), Moritz Langmaier (Piano), David Giesel (Schlagzeug) und Daniel Sauer (Saxofon) zu hören und zu sehen sein. „Ein richtig schönes Ensemble“, findet Fuhr.

Eigene Handschrift

Jeder dieser Akteure hat seine eigenen Stärken und Vorlieben. Daraus ein Konzertprogramm zusammenzustellen, in dem sich alle wiederfinden, ist nicht einfach. Doch auch da hat man eine Lösung gefunden: Wer in der Festivalband mitspielt, bringt selbst komponierte und arrangierte Musik mit. Daraus wird dann in einem dreitägigen Workshop an der Hochschule ein neues Repertoire einstudiert und zur Aufführungsreife gebracht. Ein roter Faden oder ein durchgängiger Stil sind dabei nicht verlangt – die Mischung macht’s. Und Wolfgang Fuhr ist begeistert: „Jeder, der in der Band mitspielt, hat seine eigene musikalische Handschrift. Die muss nicht jedem Bandmitglied gefallen, aber bei uns gilt ganz selbstverständlich der Grundsatz: ‚Was auf den Tisch kommt, wird gegessen.’ Das hat bisher noch immer funktioniert und soll auch in diesem Fall so sein.

Unüberbrückbare Differenzen sind nicht zu erwarten. „Die Studierenden sind sehr offen und gehen manchmal fast wohlwollender miteinander um, als andere das vielleicht tun würden. So entsteht eine schöne Arbeitsatmosphäre, die jedem die Möglichkeit bietet, zu zeigen, was er oder sie draufhat.“

„Wie ein Jungbrunnen“

Wolfgang Fuhr mag die Arbeit mit den stets neu gebildeten Festivalbands nicht missen: „Das ist ein ganz aufregender Prozess – jedes Jahr ist eine Reise ins Unbekannte. Für mich fühlt sich das oft wie ein Jungbrunnen an.“ Und auch die Studierenden, denen neben der intensiven Arbeit mit einem Vollprofi wie Fuhr und der Chance, auf einer großen Bühne zu spielen, auch eine kleine Gage winkt, sehen das ähnlich. Was der Schlagzeuger David Giesel sagt, dürfte für alle gelten: „Ich bin froh, Teil dieser inspirierenden Band zu sein, und freue mich, die frisch geschriebene Musik mit meinen Bandkollegen beim Jazzfestival der Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen.“

Der Sonntag bietet Jazz hoch drei in der WLB

Die Festivalband
 eröffnet das Dreifach-Konzert am Sonntag, 17. Oktober, um 17.30 Uhr im Schauspielhaus der Landesbühne.

Das Johannes Mössinger Quartett
 jazzt ab 19 Uhr auf der Bühne der WLB. Mit dem Bandleader am Piano sind Ryan Carniaux (Trompete), Martin Gjakonovski am Bass und Silvio Morger am Schlagzeug zu hören. Neben den erfolgreichsten Titeln früherer Jahre sind auch neue Nummern aus Mössingers Feder zu hören.

Das Jean-Luc Ponty Trio setzt dann am Sonntag ab 20.30 Uhr den Schlusspunkt. Mit dem französischen Geiger und Bandleader ist einer der bedeutendsten europäischen Jazzmusiker in der WLB live zu erleben. Bei einem seiner seltenen Konzerte in Deutschland wird er von seiner Tochter, der Pianistin Clara Ponty, und dem Bassisten Guy Nsangué Akwa begleitet.